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"Kanzelrede" von Guido Westerwelle

"Nächstenliebe keine staatliche Dienstleistung"

Mit einer ausgesprochen persönlichen und engagierten Rede kam er zurück an den Ort seiner kirchlichen Jugend. Rund 400 Besucher folgten gespannt der Kanzelrede des ehemaligen Konfirmanden Guido Westerwelle am Sonntagabend in der Kreuzkirche.

Guido Westerwelle, Bonner Bundestagsabgeordneter, zeigte Profil: evangelisches und liberales. Guido Westerwelle, Bonner Bundestagsabgeordneter, zeigte Profil: evangelisches und liberales.

Im braunen Anzug und "ganz der Mode entsprechend" mit Rollkragenpulli sei er damals, Anfang der 70er Jahre, hier vor den Altar getreten. "Ich glaube, ich war 14 und es war sehr feierlich und aufregend", erinnerte sich ein bewegter Westerwelle zum Einstieg seiner Ansprache. Verstummte einen Augenblick fast ehrfürchtig auf der hohen Kanzel der Bonner Zentrumskirche und begrüßte dann herzlich sein Patenkind - die Tochter des Bonner FDP-Vorsitzenden Werner Hümmerich - mit den nachdenklichen Worten: "Es ist schon manchmal erstaunlich, was mit den Jahren aus den Menschen wird..." Patenkind Anja, so alt wie ihr Onkel damals bei der Konfirmation, lächelte aufmunternd zurück.

Dann wurde es theologisch und politisch zugleich. Der FDP-Vorsitzender Guido Westerwelle machte sich Gedanken über den 1. Vers aus dem 5. Kapitel des Galaterbriefes, das Pauluswort „Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!“. „Freiheit und Verantwortung“ lautete sein selbstgewähltes Thema. Westerwelle beklagte die Armut und Not von immer mehr Kindern in Deutschland und rief zugleich dazu auf, mehr persönliche Verantwortung zu übernehmen. „Wir dürfen Verantwortung nicht verstaatlichen.“ Natürlich brauche man gut ausgestattete Sozialämter und wachsame Jugendämter. Aber es könne nicht alleinige Aufgabe von Behörden sein, Kindern, die oftmals schreckliche Not litten, zu helfen. Das sei Aufgabe der Gesellschaft zuerst. „Es ist eine Aufgabe, die uns alle angeht.“

Ein um das andere Mal betonte Westerwelle den „Zusammenhang von Freiheit und Verantwortung“, berief sich auf Immanuel Kant, den Benediktinerpater Notker Wolf und zitierte dann vor allem Martin Luther: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann Untertan.“ Diese Erkenntnis „muss das Motto unserer Gesellschaft sein“, erklärte der liberale Politiker. Und die Kirchen übrigens, betonte Westerwelle, geben viele glaubwürdige Beispiele, „dass persönliche Verantwortung für andere keine Last ist, sondern ein Gewinn“. Als ein Beispiel nannte der FDP-Fraktionsvorsitzende im Bundestag den Beueler Hospiz-Verein, den er zwei Stunden zuvor noch besucht hatte.

Dann wurde Westerwelle wieder politisch: Es sei ein „ein Irrtum, den humanen Staat, anstelle der humanen Gesellschaft anzustreben“. Eine staatliche Pflegeversicherung sei gut, sei aber kein Ersatz für die Zuwendung der jungen Generation für die ältere. Sozialhilfe ersetze nicht die Hilfe der Stärkeren in der Gesellschaft für die Schwächeren. Der Staat sei überfordert. Oft wisse man in der Familie, in der Nachbarschaft oder Gemeinde viel besser als ein Sozialamt, wer Zuwendung brauche. „Nächstenliebe kann keine staatliche Dienstleistung sein.“

Applaus zum Schluss seiner Rede, eingerahmt von wunderbar anmutiger Musik des „Duo Nuances“ mit Anke Kreuz (Querflöte) und Achim Busch (Gitarre). Pfarrer Axel von Dobbeler, Leiter des Evangelischen Forums Bonn (gemeinsam mit der Kreuzkirche Veranstalter der Reihe "Kanzelreden"), würdigte in seinem "Abendsegen" eine "beherzte Rede" sowie einen "kühnen Ritt von Paulus, über Kant bis Luther" und bilanzierte im Namen vieler Besucherinnen und Besucher einen eindrucksvollen Abend, der sich im offenen Nachgespräch unter Empore noch fortsetzte. Patenkind Anja hatte dann aber eigene Pläne. Eine Pizza als Belohnung für die aufmerksame Zuhörerin war versprochen und warte nun auf ihren Verzehr.

 

 

 

Joachim Gerhardt / 23.10.2006

 



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