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Von der Demut

Im Hochchor des Bonner Münsters befinden sich Mosaikplatten mit den vier Kardinaltugenden Gerechtigkeit, Mäßigung, Tapferkeit und Weisheit. Sie sind, und das ist bemerkenswert, um eine fünfte ergänzt: Demut.

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für den 27.07.2017

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Das aktuelle "Wort zum Sonntag" aus der Rundschau:

Erinnern

Erinnern gehört zum Leben. An Demenz erkrankte Menschen können durchaus glücklich sein, aber sie brauchen Unterstützung, Betreuung. Alleine geht es nicht mehr. Die Krankheit zeigt, wie wichtig die Erinnerung ist.

Menschen zehren von der Kraft der Erinnerung, im Alter vielleicht noch einmal ganz besonders (Foto: J. Gerhardt). LupeMenschen zehren von der Kraft der Erinnerung, im Alter vielleicht noch einmal ganz besonders (Foto: J. Gerhardt).

Wer ist mein Sohn, wer meine Tochter? Wo komme ich her und welche Menschen haben mich bereichert? Diese großen Fragen gehören genauso dazu wie die Erinnerung daran, wie ich den Alltag bewältige von Waschen bis Anziehen.

Ein Leben lang zehren wir von der Kraft der Erinnerung. Der Mensch verbringt, das haben Psychologen berechnet, viel mehr Zeit damit, sich an das Vergangene zu erinnern als an die Gegenwart oder Zukunft zu denken. Das gilt für alle Generationen, aber im Alter machen wir uns das besonders bewusst. Und erleben es deshalb besonders schmerzhaft, wenn die Erinnerung verblasst. „Gott schenkt uns Erinnerungen, damit wir Rosen haben im Dezember“: lautet ein Sinnspruch, der dem schottischen Literaten James Matthew Barrie zugeschrieben wird. Ein weises Wort.

Doch es gibt biblisch auch die Geschichte von Lots Frau (1. Mose, Kap. 19), die zurückblickt und zur Salzsäule erstarrt. Erinnerung kann lähmen, ist die Botschaft. Wer an wichtigen Lebenspunkten zurückschaut und sich bannen lässt vom Vergangenen, der ist nicht offen für Neues. Lots Frau sieht bei der Flucht aus Sodom und Gomorra trotz Warnung der Engel  des Herrn zurück auf das Elend und all die Verwüstungen,  die mit diesen Orten verbunden sind. Ein Blick zurück, der sie nicht nur sprichwörtlich erstarren lässt. Sie stirbt daran.

Erinnerung tut gut, sie ist lebenswichtig und doch möchte Gott, dass wir nach vorne schauen. Dass ich mit Hoffnung und Zuversicht meinen Lebensweg gehe. Ein Weg, für den Gott versprochen hat, auch mich zu begleiten, zu schützen und zu stärken. Sich an diese Zusage zu erinnern, tut immer gut. Joachim Gerhardt

Kölnische/Bonner Rundschau Kölnische/Bonner Rundschau

Joachim Gerhardt, Pfarrer an der Bonner Lutherkirche und Pressesprecher des Kirchenkreises Bonn, schreibt alle drei Wochen das "Wort zum Sonntag" in der Gesamtausgabe der Kölnischen/Bonner Rundschau, auf Seite 4 in der der großen Tageszeitung in der Köln-/Bonner Region. Hier erfahren Sie mehr: www.rundschau-online.de

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01.Juli 2017



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