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für den 23.03.2017

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Podiumsdiskussion am Weltfreuentag:(v.l.) Agnieszka Godfrejów-Tarnogórska, Moderatorin Petra Schulze, Dr. Dace Balode und Barbara Rudoplh tauschten sich über Frauenordination aus. Podiumsdiskussion am Weltfrauentag: (v.l.) Agnieszka Godfrejów-Tarnogórska, Moderatorin Petra Schulze, Dr. Dace Balode und Barbara Rudolph tauschten sich über Frauenordination aus.

Frauenordination

Jede Frau eine Pfäffin

In den evangelischen Kirchen in Deutschland sind Pfarrerinnen selbstverständlich. In einigen osteuropäischen Kirchen ist Frauenordination dagegen immer noch nicht oder nicht mehr möglich. Wie geht es  betroffenen Frauen damit?  Ein Austausch zwischen zwei Theologinnen aus Polen und Lettland und Oberkirchenrätin Barbara Rudolph.

Agnieszka Godfrejów-Tarnogórska Agnieszka Godfrejów-Tarnogórska

Agnieszka Godfrejów-Tarnogórska aus Polen ist Theologin und Pressesprecherin der  Evangelisch-Augsburgerischen Kirche Polens – eine Diasporakirche mit etwa 70.00 Mitgliedern in 133 Gemeinden. Auf der Synode ihrer Kirche im April 2016 verfehlte der Antrag, auch Frauen zur Ordination zuzulassen, nur knapp die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Frustrierend, findet Agnieszka Godfrejów Tarnogórska. Warum sie trotzdem hoffnungsvoll ist, was die Perspektive von Frauen in ihrer Kirche angeht, erzählt sie bei einer Podiumsdiskussion über Frauenordination im Düsseldorfer Landeskirchenamt. Die Gender- und Gleichstellungsstelle der evangelischen Kirche im Rheinland hat am Weltfrauentag dazu eingeladen, als Teil des Rahmenprogramms zur Eröffnung der Ausstellung „Reformatorinnen“ .

Dass Männer und Frauen ins Pfarramt berufen  sind, sei ein reformatorischer Gedanke, findet Agnieszka Godfrejów-Tarnogórska. „Luther schrieb bereits:,Darum sind alle Christen, Mann, Pfaffen, alle Weiber, Pfäffin…‘.“ In Polen werde die Diskussion über Frauenordination seit mehr als 70 Jahren geführt, erzählt sie. Seit 1963 können polnische Theologinnen in der Lehre tätig sein, Gottesdienste halten und in Gemeinden seelsorgliche Dienste anbieten. Ein Beschluss aus dem Jahre 1999 erlaubt es, Frauen zu Diakoninnen zu ordinieren und eröffnet ihnen so die Möglichkeit, weitere Aufgaben wie Trauungen und Beerdigungen zu übernehmen. Offiziell dürfen Frauen aber keine Gemeinden leiten.

„Es wird besser“

„Dabei gibt es in unserer Kirche durchaus Frauen in Führungspositionen, zum Beispiel  in der Direktion der Diakonie,“ erklärt Agnieszka Godfrejów-Tarnogórska. Die polnischen Theologinnen seien sehr aktiv, informieren unter anderem  in einer „Frauenpostille“ und gegen Bücher heraus. „Wir haben unsere Stimme.“  Und seit Anfang dieses Jahres haben weibliche Geistliche auch das Recht, das Abendmahl auszuteilen. „Es wird besser,“ sagt Agnieszka Godfrejów-Tarnogórska

Dr. Dace Balode Dr. Dace Balode

Nicht verbessert, sondern verschlechtert, hat sich die Situation von weiblichen Geistlichen in Lettland. Dort hat die Lettische Evangelisch-Lutherische Kirche (LELB) die 1975 eingeführte  Frauenordination auf ihrer Synode im  Juni 2016 wieder abgeschafft. Wie es zu so einem Rückschritt in einem Land kommen konnte,  das sich eigentlich gerade politisch und demokratisch weiterentwickelt, erklärt Dr. Dace Balode, Theologieprofessorin und Dekanin der Theologischen Fakultät der Universität Riga.

Die Kirche in Lettland sei zunehmend konservativ  geworden,  geprägt durch den Erzbischof Jānis Vanags und starkes Hierachie-Denken. „Was der Erzbischof sagt, ist so, als käme es von Gott selbst. Man muss ihm gehorsam sein,“  sagt Dr. Dace Balode. Und der Erzbischof hat sich schon immer gegen die Ordination von Frauen ausgesprochen.  „In den letzten 20 Jahren hat sich in unserer Kirche viel verändert. Es wurde gezielt daran gearbeitet, um die Einstellung, dass Frauen keine Pfarrerinnen sein dürfen, voranzutreiben.“ 

Dabei sind Frauen für die lettische Kirche enorm wichtig: „Ohne Frauen keine Kirche“, sagt Dr. Dace Balode. „Wir machen etwa 80 Prozent der Aktiven aus. Das meiste in den Gemeinden wird von Frauen geregelt, der Pastor macht nur den Gottesdienst. Aber das wird natürlich natürlich offiziell nicht so gesagt.“

Frauen waren in Lettland von der Debatte ausgeschlossen

Problematisch findet die Professorin auch, dass es zum Thema Frauenordination keine öffentliche Aussprache gab. Das einzige Mal, wo offiziell überhaupt  über das Thema geredet wurde, war auf einer vorbereitenden Konferenz zur Kirchensynode im Jahr 2014, erinnert sich Dr. Dace Balode. Zu der Konferenz  wurden zwar auch  sogenannte Evangelistinnen eingeladen – weibliche Geistliche, die nicht die gleichen Rechte wie Pastoren haben – allerdings durften sie nur zuhören und sich nicht an der Debatte beteiligen.

Auswirkungen haben diese Entwicklungen auch auf die Bildung, hat Dr. Dace Balode festgestellt. Es fehle vor allem an Geld. Die Theologische Fakultät, an der sie lehrt, wird von der Kirche ausgegrenzt, da sie sich stark für die Frauenordination einsetzt.  Unterstützung erhalten andere Akademien, die von der konservativen „Missouri Synode“  finanziert werden, der zweitgrößten amerikanischen Lutherischen Kirche in den USA.

Barbara Rudolph Barbara Rudolph

Die Evangelische Partnerhilfe hat die Unterstützung für  die lettische Kirche nach der Abschaffung der Frauenordination  eingestellt, erklärt Oberkirchenrätin und Ökumene-Chefin Barbara Rudolph. „Mit dieser Entscheidung hat die lettische Kirche gegen eine Reihe von Beschlüssen der letzten Vollversammlungen des Lutherischen Weltbundes verstoßen.“  

Auch wenn es keine finanzielle Unterstützung mehr für die lettische Kirche als Ganzes gibt, werden gezielt Frauen gefördert. Zudem hält Barbara Rudolph es für wichtig, den Dialog nicht abbrechen zu lassen:  „Wir müssen das Thema oben halten und den Austausch nachhaltig fördern. Aber immer auch zusprechend.“  Die Oberkirchenrätin warnt vor einer überheblichen Haltung gegenüber Kirchen, die die Frauenordination nicht erlauben. „Wir geben gerne an, dabei ist unsere eigene Geschichte der Frauenordination auch noch jung.“

Mit Blick die Situation von Frauen in der rheinischen Kirche erklärt Barbara Rudolph:  „Wir befinden uns in einer Phase, wo einiges noch verbessert werden kann, vor allem im Bereich Leitung. Wenn es um übergemeindliche Verantwortung geht, werden Frauen immer weniger.“  Zum Beispiel sei sie heute noch bundesweit die einzige leitende Frau in der Ökumene auf landeskirchlicher Ebene.

Dialog und Austausch wünschen sich auch Dr. Dace Balode und Agnieszka Godfrejów-Tarnogórska. „Kontakte pflegen. Besuchen und einladen“, das hält Dace Balode für wichtig. „Es gibt bei uns ein kleines Grüppchen von  Frauen, die sich beharrlich engagieren. Für sie ist es eine Erleichterung rauskommen und mit anderen über das Thema zu sprechen.“

 

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ekir.de / Christina Schramm / 10.03.2017



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