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Gottesdienste

Losung für den 04.08.2020

Ich will den HERRN loben in den Versammlungen. Psalm 26,12

Wie ist es nun, Brüder und Schwestern? Wenn ihr zusammenkommt, so hat ein jeder einen Psalm, er hat eine Lehre, er hat eine Offenbarung, er hat eine Zungenrede, er hat eine Auslegung. Lasst es alles geschehen zur Erbauung! 1.Korinther 14,26

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Kirchen in Bonn: "Unser Kreuz hat keine Haken"

Gegen Rechtsextremismus: "Gott gibt den Maßstab für Respekt und Achtung"

Deutliche Worte des Bonner Superintendenten Eckart Wüster beim ökumenischen Mittagsgebet im Münster anlässlich des Umzugs Rechtsradikaler am 1. Mai durch die Stadt. Lesen Sie hier seine Andacht:

Pfarrer und Superintendent Eckart Wüster: "Es gibt keine Alternative zur Demokratie" (Foto: M.Böschemeyer) Pfarrer und Superintendent Eckart Wüster: "Es gibt keine Alternative zur Demokratie" (Foto: M.Böschemeyer)

Liebe Schwestern und Brüder!

Dein Wort ist Wahrheit und Licht. Es leuchtet mir auf allen meinen Wegen. So haben wir gerade gebetet. Dein Wort, Gott, ist Wahrheit und Licht. Dein Wort tut uns gut. Dein Wort gibt uns Orientierung. Dein Wort, Gott. Dein Wort sagt uns, dass du die Menschen geschaffen hast nach deinem Bilde. Dein Wort sagt uns, dass wir Menschen in Respekt und Achtung voreinander leben sollen. Dein Wort trägt uns auf, unseren Nächsten; ja mehr noch: sogar unsere Feinde zu lieben. Dein Wort, Gott, mutet uns einiges zu. Aber wir wollen es uns gesagt sein lassen, weil du es gut mit uns meinst. Dein Wort, Gott, ist Wahrheit und Licht.

Liebe Schwestern und Brüder, so beten wir. Dieses Wort lassen wir uns sagen, an ihm richten wir uns aus, auch wenn uns der Wind ins Gesicht bläst. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit dem Wort Gottes einen Maßstab an die Hand bekommen haben, mit dem und an dem wir das messen können, was unter uns geschieht.

Heute marschieren Menschen durch unsere Stadt, die sich selbst und ihre Ideologie absolut setzen. Die alles verachten, was anders ist als sie selbst. Menschen, die nicht vor Gewalt zurückschrecken und andere an Leib und Seele verletzen oder gar töten. Verquere Ideen, die nicht wahr-nehmen wollen, dass wir Menschen nun einmal nicht alle gleich sind. Und dass es menschliches Leben, menschliches Zusammenleben nur in der Vielfalt gibt. Menschenverachtende Ideologie, die Millionen Menschen das Leben gekostet hat.

Liebe Schwestern und Brüder, es gibt keine Alternative zu Frieden und Gerechtigkeit. Wenn wir denn das Überleben der guten Schöpfung Gottes erreichen wollen.

Es gibt keine Alternative zu Frieden und Gerechtigkeit. Das wird mir angesichts des braunen Sumpfes immer wieder deutlich.
Und: es gibt keine Alternative zur Demokratie. Sie ist kein perfektes politisches System; schon deshalb nicht, weil wir Menschen nicht perfekt und vollkommen sind. Und die Mehrheit hat bekanntlich auch nicht immer Recht. Die Demokratie ist aber das System, das den Menschen die größten Entfaltungs- und Beteiligungsmöglichkeiten gibt. So wird eine Demokratie auch den Aufmarsch der Radikalen ertragen müssen und auch ertragen können. Aber die Demokratinnen und Demokraten werden sich gegen die Thesen und gegen die gewalttätigen Aktionen zur Wehr setzen und klare Grenzen aufzeigen.

Ich sehe im Übrigen mit großer Sorge, dass die Menschen, die sich immerhin noch in der Politik engagieren, nicht selten großen persönlichen Anfeindungen ausgesetzt sind. Kritik muss selbstverständlich sein und wenn jemand Fehler gemacht hat, hat er dafür gerade zu stehen. Aber diese Kritik muss mit Achtung und Respekt geschehen.

 
Eins möchte ich noch ansprechen, weil es mir am Herzen liegt: Wir werden das Zusammenleben in unserer Gesellschaft nur in der Vielfalt haben und gestalten können. Wer meint, wir könnten eine homogene Gesellschaft bilden, in der es keine Probleme gibt, der irrt gewaltig. Deshalb sehe ich mir großer Sorge, dass bestimmte Thesen der Rechtsradikalen nach und nach immer mehr Zustimmung in der Mitte unserer Gesellschaft erhalten.

Wir werden menschliches Leben nur in der Vielfalt haben können. Entscheidend ist dann, dass eine Vielfalt gelebt wird, die als Bereicherung erlebt und erfahren wird und nicht als Bedrohung.

Ich sage: Vielfalt bereichert. Aber Vielfalt ist natürlich nicht deshalb automatisch problemlos. Bei der Debatte um Multi-Kulti wird völlig ausgeblendet, dass menschliches Zusammenleben nie problemlos ist. Ob ich in einer verhältnismäßig homogenen oder heterogenen Gemeinschaft oder Gesellschaft lebe – nie ist menschliches Zusammenleben problemlos oder konfliktfrei. Es entstehen unterschiedliche Fragen und Probleme. Aber ein tiefsitzender Konflikt z.B. in einer Familie ist nicht harmloser oder weniger schwierig, weil die Familienmitglieder aus derselben Kultur stammen und ähnlich geprägt sind.

Nein, der Ansatz für unsere Diskussionen muss an anderer Stelle gesucht werden. Der Ansatz muss in der Überzeugung liegen, dass wir Menschen auf dieser Erde zueinander gewiesen sind und nur gemeinsam die gravierenden existenziellen Probleme lösen können. Dabei ist Vielfalt nicht nur gut und wünschenswert, sondern auch unersetzlich. Denn jeder von uns, jede Gemeinschaft, jede Kirche, jeder Staat, jede Gesellschaft hat nur begrenzte Erkenntnisse und begrenzte Lebensmöglichkeiten. Deshalb wird es nur gemeinsam gelingen, das Leben auf dieser Erde nachhaltig zu schützen und zu bewahren.

Das ist übrigens schon eine Erkenntnis der Bibel. All unsere Erkenntnis ist Stückwerk. Und ich erinnere noch einmal an das biblische Gebot, nach dem ja bekanntlich der Fremde einen ganz besonderen Schutz braucht und erhalten soll. Als Christinnen und Christen wissen wir es besser als die Neonazis, denn wir wissen uns in der Ökumene weltweit miteinander verbunden. Wir wissen, dass die Kinder Gottes aus allen Regionen der Welt kommen, dass sie verschieden sind und es auch sein dürfen. Wir verstehen uns global.

Noch einmal: Ein problemloses Leben, ein konfliktfreies Zusammenleben ist uns nicht verheißen. Aber die Begleitung Gottes ist uns versprochen, wenn wir einen Weg beschreiten, der uns Menschen stärker zueinander führt. Es wird immer ein Weg sein, der dem Frieden dient und ihn fördert.

Gott, dein Wort ist Wahrheit und Licht. Du hast gesagt, dass du Liebe, Frieden und Gerechtigkeit willst. Hilf uns, dass wir es leben können; dass dein Wort sichtbar wird in unserem Leben. Amen.

(1. Mai, 12.15 Uhr Bonner Münster in der ökumenischen Andacht - Es gilt das gesprochene Wort)

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ger / 30.04.2012



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