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Reformationstag: 31. Oktober 2013

Bonner Reformationsfeier setzt ökumenisches Zeichen: Stadtdechant Schumacher predigt in der Kreuzkirche

Gastprediger der diesjähirgen zentralen Bonner Reformationsfeier am Donnerstag, 31. Oktober 2013, um 19.30 Uhr in der Kreuzkirche am Kaiserplatz ist der katholische Stadtdechant Msgr. Wilfried Schumacher. Es geht um "Reformation und Toleranz". 

Was ist Ihr rotes Tuch? Zur Bonner Reformationsfeier 2013 geht es um Toleranz. Darauf weist einen auch das offizielle Festplakat hin (Bild: J. Gerhardt) LupeWas ist Ihr rotes Tuch? Zur Bonner Reformationsfeier 2013 geht es um Toleranz. Darauf weist einen auch das offizielle Festplakat hin (Bild: J. Gerhardt)

Mit dem Jahresmotto der Reformationsdekade „Reformation und Toleranz“ sei es doch naheliegend, sagt der Bonner Superintendent Eckart Wüster, „bewusst in der Auswahl des Gastpredigers ein ökumenisches Zeichen zu setzen“. Stadtdechant Schumacher predigt über ein Wort aus dem Epheserbrief: „Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe.“ (Kapitel 4, Vers 2). Es wird spannend sein, ob er diesen beliebten Trauspruch auch auf das Verhältnis der Kirchen bezieht. Spannungsfrei wird der Gottesdienst auf jeden Fall kaum sein. Darauf weisen auch Plakate und Einladungskarten hin, die bewusst ein rotes Tuch zieren. „Hier stehe ich und kann nicht anders“, erklärte Martin Luther vor dem Kaiser in Worms. „Reformation ist immer auch die Herausforderung an jeden Einzelnen, sich zu fragen: Wo sind die Grenzen meiner Toleranz und liegen die da richtig?“, sagt Superintendent Wüster und erwartet einen eindrucksvollen Gottesdienst.

Im Herzen von Bonn: die evangelische Kreuzkirche am Kaiserplatz (Foto: Volker Lannert) LupeIm Herzen von Bonn: die evangelische Kreuzkirche am Kaiserplatz (Foto: Volker Lannert)

Jahresempfang im Anschluss an den Gottesdienst in der Krypta

Dazu gehört protestantisch immer auch die Musik: Die Kantorei der Kreuzkirche unter Leitung von Karin Freist-Wissing wird Teile der festlichen „Choralmesse“ von Anton Bruckner zu Gehör bringen. Stefan Horz spielt die Orgel. Nach dem Gottesdienst lädt der Kreissynodalvorstand des Kirchenkreises Bonn zum öffentlichen Jahresempfang der Evangelischen Kirche in die Krypta der Kreuzkirche. Zur stimmungsvollen Begrüßung aller Gäste aus Bonn und der Region spielen zum Auftakt der Feier ab 19.00 Uhr Bläser vom Turm der Kreuzkirche Reformations-Choräle.

Jedes bis 2017, 500 Jahre Thesenanschlag zu Wittenberg, hat sein Motto: Signat der Reformationsdekade der Evangelischen Kirche in Deutschand Jedes bis 2017, 500 Jahre Thesenanschlag zu Wittenberg, hat sein Motto: Signat der Reformationsdekade der Evangelischen Kirche in Deutschand

Das aktuelle Stichwort 2013: Die Reformation in Bonn und der Region

Am Reformationstag, alljährlich am 31. Oktober, erinnern die Protestanten weltweit an den Beginn der Reformation durch Martin Luther im Jahr 1517. Auch Bonn blickt auf eine wechselhafte Reformationsgeschichte zurück. Schon früh, wenn auch nur gegen den entschiedenen Widerstand der katholischen Herrscher im Reich, konnten die Gedanken des Wittenberger Reformators in die Region Köln und Bonn einziehen. Das historische Schlüsseljahr ist 1542, als der katholische Erzbischof, Kurfürst Hermann von Wied, auf die Seite der Reformation wechselte. Er berief den Straßburger Reformator Martin Bucer und wenig später auch den engsten Weggefährten Luthers, Philipp Melanchthon, aus Wittenberg nach Bonn.

Philipp Melanchthon blieb drei Monate, Martin Bucer sogar ein dreiviertel Jahr am Rhein. In dieser Zeit predigte Bucer im Bonner Münster und hielt theologische Vorlesungen im Bonner Franziskanerkloster in der Brüdergasse. Die beiden Theologen erarbeiteten unter dem Titel „Einfältiges Bedenken“ die Programmschrift der Kölner Reformation.

Bis zum Einsetzen der Gegenreformation und der Absetzung des Kurfürsten Hermann 1547 bestand in Bonn eine evangelische Gemeinde mit mehreren Pfarrern. Die Gemeinde musste anschließend in den Untergrund gehen. Die älteste nicht auf kurkölschem Gebiet liegende und daher nahezu ununterbrochen lebendige evangelische Gemeinde im Bonner Raum ist die Kirchengemeinde Oberkassel. Hier findet sich auch die älteste evangelische Kirche der Region, die kleine gelb gestrichene Kapelle im Zentrum Oberkassels direkt an der alten B 42 aus dem Jahr 1683.

Ausgangspunkt der Reformation weltweit sind die berühmten „95 Thesen“, mit denen der damalige Augustinermönch Martin Luther seinen theologischen und seelsorgerlichen Protest gegen den Ablasshandel der katholischen Kirche äußerte. Durch den Verkauf der so genannten Ablassbriefe wollte diese damals vor allem Geld für den Bau des Petersdoms in Rom einnehmen.

Ob Luther seine Thesen tatsächlich an das Portal der Wittenberger Schloßkirche schlug, ist historisch nicht gesichert. Nageleinschläge im Tor zeugen aber bis heute von dem legendären Ereignis. Ein weiteres Anliegen Luthers war die Rückbesinnung auf das unverfälschte Wort der Bibel. Dafür übersetzte der Reformator die Heilige Schrift erstmals vollständig in die deutsche Sprache.

Kardinal Lehmann predigte auch schon zur Bonner Reformationsfeier

Heute ist fast jeder vierte Bonner Bürger evangelisch, jeder zweite katholisch. Damit ist Bonn eine der protestantischsten Städte im katholischen Rheinland. Die zentrale Reforma-tionsfeier am 31.Oktober ist ein Höhepunkt im evangelischen Jahreskalender in Bonn. Für die Predigt werden immer wieder prominente Theologen eingeladen. Stadtdechant Wilfried Schumacher, Gastprediger 2013, ist übrigens nicht der erste Katholik: 2008 predigte der Mainzer Kardinal Karl Lehmann. Die zur Reformationsfeier ohnehin gut besuchte Kreuzkirche platzte damals aus allen Nähten.

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Joachim Gerhardt / 18.09.2013



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