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Beobachtungen wie und warum Kirche und Karneval, Fasching und Fastenzeit zusammen gehören und dass das nicht nur katholisch ist:

Der Ausbruch aus dem Alltag - Kirche und Karneval

Was verbindet Kirche und Karneval? Larissa Mayer, Katrin Fischer und Silke-Nicole Hintz, Studierende der Kulturwissenschaften, sind der Frage nachgegangen und zu bemerkenswerten Ergebnissen gekommen. Lesen Sie hier, was Sie sicher so noch nicht wussten:  

Karneval: ein Fest der Sinnesfreude und Maskerade und mit erstaunlich vielen geistlichen Wurzeln (Foto: J. Gerhardt) LupeKarneval: ein Fest der Sinnesfreude und Maskerade und mit erstaunlich vielen geistlichen Wurzeln (Foto: J. Gerhardt)

Die drei jungen Kulturforscherinnen studieren derzeit bei dem langjährigen Bonner Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Gunther Hirschfelder, der inzwischen an der Universität Regensburg lehrt. Anlass für ihren Artikel war ein Seminar der Vergleichenden Kulturwissenschaft an der Universität Regensburg zum Thema Vermarktung kulturwissenschaftlicher Inhalte. "Wir beschlossen, uns mit dem Karneval, auch und gerade dem rheinischen Karneval auseinanderzusetzen. Da uns in den letzten Jahren immer wieder aufgefallen ist, dass viele Leute kaum mehr von dem Ursprung des Karnevals wissen, kamen wir daher zu dem Entschluss, einen Artikel zu dieser speziellen Thematik `Kirche und Karneval´ zu verfassen", sagen sie. Hier ihr Artikel:

Neue Tradition, die an Altes anknüpft: In der Bonner Lutherkirche erhalten am Karnevalssonntag alle Menschen eine Rose, die Wappenblume Martin Luthers, mit Bezug zum Rosenmontag (Foto: A. Siggelkow) LupeNeue Tradition, die an Altes anknüpft: In der Bonner Lutherkirche erhalten am Karnevalssonntag alle Menschen eine Rose, die Wappenblume Martin Luthers, mit Bezug zum Rosenmontag (Foto: A. Siggelkow)

Kirche und Karneval – das soll zusammenpassen? Viele fragen sich bestimmt, wie sich Massen von feiernden, ausgelassenen Menschen mit dem christlichen Glauben vereinbaren lassen. Sich unter den Feierwütigen jetzt auch noch einen katholischen Pfarrer vorzustellen, scheint gar unmöglich. Hannes Lorenz ist ein solcher: Der gebürtige Bayer ist Stadtpfarrer der Gemeinde Nabburg (Landkreis Schwandorf, Bayern) und zudem bekennender Karnevalsfan. Bereits seit vielen Jahren besucht er den rheinischen Karneval und versucht, auch in seiner Gemeinde den bayerischen Fasching zu beleben. Ihm als Pfarrer ist natürlich bewusst, wie sehr der weltliche Karneval in Wirklichkeit mit der katholischen Religion verbunden ist. Das weiß jedoch nicht jeder.

„Karneval“ – woher kommt das?

Doch beginnen wir bei den Ursprüngen. Der Begriff „Karneval“ leitet sich vom italienischen carnevale ab und ist in Deutschland erstmals 1699 belegt. Dieses Wort lässt sich wiederum auf das lateinische carnelevale zurückführen, das soviel wie „Fleischwegnahme“ bedeutet. Hier wird bereits der Bezug zur Kirche deutlich, da auf den Verzicht von Fleisch während der Fastenzeit verwiesen wird. Weitere mögliche Herleitungen wie Carne vale = Fleisch, lebe wohl! oder carrus navalis = Schiffskarren sind kritisch zu hinterfragen, da sie entweder grammatikalisch unkorrekt oder unbewiesen sind. Der Begriff Fastnacht, welcher den Vorabend des Fastentages Aschermittwoch beschreibt, kann in Form von vastnacht ab dem 13. Jahrhundert belegt werden und ging dem Terminus Karneval voraus. Karneval selbst ist somit zwar keine liturgische Zeit, jedoch von einer liturgischen Zeit, der Fastenzeit, abhängig. Pfarrer Lorenz führt dazu weiter aus: „Die Verballhornung von Halleluja ist das Ajuja oder dann das Alaaf. Und im Helau sind dieselben Vokale drin. Also wo Fasching und Karneval herkommt, ist sonnenklar.“

Civitas Dei – Civitas Diaboli

Ohne die Fastenzeit gäbe es demnach auch keine Fastnacht. Die Fastenzeit geht dem Osterfest voran, welches seit dem Konzil von Nizäa 325 auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond festgesetzt wurde und somit zeitlich zwischen dem 21. März und 18. April beginnen kann. Die von der Kirche vorgeschriebene Länge der Fastenzeit – 40 Tage – bezieht sich auf das vierzigtägige Fasten Jesu in der Wüste.

Für die Kirche spielte seit der Antike die Zwei-Staaten-Lehre des heiligen Augustinus eine wichtige Rolle. Bei dieser steht die civitas diaboli, die Herrschaft des Teufels, der civitas dei, dem Reich Gottes gegenüber. In diesen Dualismus wurden nun auch die Fastnacht und die Fastenzeit eingebettet. Während die Fastnacht für den Teufelsstaat stand, bedeutete die Fastenzeit die Orientierung an einem Glaubensleben nach Gottes Geboten. Mit dem Aschermittwoch musste daher die Fastnacht enden, um das unausweichliche Hinwenden zu Gott zu verdeutlichen. Fastnacht bedeutete für die Menschen im Mittelalter also den gemeinsamen Verzehr von Speisen, die zur Fastenzeit verboten waren. Die Fastnacht diente daher der kirchlichen Didaktik, um dann in der Fastenzeit eine bewusste Umkehr zu vollziehen. Das gemeinsame Essen wurde bald von Musik, Tanz, Schauspiel und ähnlichem begleitet, wobei die Kirche diese Ausschweifungen nun nicht mehr ausschließlich positiv billigte.

So kam es in Deutschland ab dem 17. Jahrhundert unter anderem zu dem sogenannten Ewigen Gebet, welches 40 Stunden andauerte und als Sühnegebet auf die Fastnachtstage gelegt wurde. Pfarrer Lorenz steht diesem Gebet, welches auch heutzutage noch aktuell ist, eher negativ gegenüber: „Unsere Kirche hat da viel kaputt gemacht. Das geht aber schon ins letzte Jahrhundert, wenn nicht noch länger zurück, wo man eben das 40-stündige Gebet verankert hat, um die Sünden derer zu sühnen, die im Fasching zu viel anstellen. Dann müsste ich aber das ganze Jahr anbeten, denn Sünde gibt’s ohne Jahreszeit und Menschen, die auf Kosten anderer leben, die gibt’s auch. Aber das war der Versuch der Kirche, die Freude am Fasching einzudämmen. Sie hat auch die Überzeugung, mit der man eine Fastenzeit beginnen muss, ein Stück weit genommen.“

Die von der katholischen Kirche anerkannten Fastnachtstage erstrecken sich über die sechs Tage vor Aschermittwoch. Auch der heutige, offizielle Beginn der Karnevalssession am 11.11., kommt nicht von ungefähr: die Zahl 11 gilt seit dem Mittelalter als närrische und unheilige Zahl, da sie einerseits die Zahl der Zehn Gebote übersteigt und andererseits die Anzahl der Zwölf Apostel nicht erreicht. Auf evangelischer Seite ist Karneval seit Martin Luther fast durchgängig auf Ablehnung gestoßen. „Heutzutage vermischt sich alles ein bisschen, aber evangelische Christen brauchen nicht leiblich fasten, also macht das keinen Sinn vorher nochmal so richtig zu feiern.“, sagt Pfarrer Hannes Lorenz. Deutlich wird, dass die Karnevalshochburgen auch heute noch in denjenigen Gebieten liegen, die stark vom Katholizismus geprägt wurden.

Doch germanischen Ursprungs?

Die im 17. Jahrhundert einsetzende Aufklärung bewirkte, dass der tiefere Sinn der Fastnachtstage allmählich verloren ging. Karneval wurde weiterhin gefeiert, jedoch nicht immer im Bewusstsein des eigentlich christlichen Hintergrundes. Die Romantik verstärkte diese Entwicklung, indem sie durch das aufkommende Nationalgefühl in Deutschland das Volkstümliche mit Begeisterung in den Vordergrund rückte. Frühere Bräuche sollten dem Volk, wenn auch oft in veränderter Form, wieder nähergebracht werden und vor dem endgültigen Untergehen bewahrt werden. Dadurch wurde der Ursprung der Fastnacht durch die Romantiker und deren Hang zum Urtümlichen und Mythischen kurzerhand auf die vorchristliche Zeit datiert. Fälschlicherweise wird die Annahme, Karneval sei ein uralter germanischer Brauch, auch heute noch teilweise vertreten.

Karneval aus Sicht eines Pfarrers

In einer säkularisierten Gesellschaft wie der unseren, baut daher die Motivation vieler, Karneval zu feiern, gewiss kaum mehr auf kirchlichen Vorgaben auf. Stellt sich also die Frage, warum die Fastnachtstage dennoch so beliebt sind und welchen Sinn die Feiernden darin sehen. Pfarrer Lorenz dazu: „Das Leben einfach mal leicht nehmen. Das geht uns quer durch die Altersgruppen ab. Gerade wir Deutschen sind ja im Verdacht so verbohrt und verbissen an der eigenen Zukunft zu arbeiten. Das kann man im Karneval vergessen. Du bist einfach dabei und gleich. Das wäre etwas, was man eigentlich nicht zu selten betonen sollte, wo die Unterschiede regieren und die Schere regiert und so weiter.“ Für ihn ist der Bezug zur katholischen Religion natürlich trotzdem ein wichtiger Aspekt: „Für mich ist Karneval Freude haben, ausgelassen sein, Humor zeigen, alles das sind grundsätzlich christliche Geschichten. Sich’s gut gehen lassen, wie sagt Theresa von Avila: ‚Wenn Rephuhn, dann Rephuhn. Wenn Fasten dann Fasten.‘ Und genauso ist der Fasching. Grundsätzlich darf ich mich erst mal freuen an dem was mir zur Verfügung steht, um dann umgekehrt Verantwortung zu übernehmen, dort wo meine Hilfe gefragt wird. Aber das schließt das erste ja nicht aus. Zu spüren wie gut‘s einem geht um dann in der Fastenzeit das Korrektiv zu setzen und zu sagen: ‚Aber darum darf es dir in deinem Leben eigentlich nicht gehen, Sinn und Ziel deines Lebens ist ein anderer!‘“

Diese Einstellung versucht der Pfarrer auch in seinem Beruf zu vermitteln: „Beides intensiv zu leben, das ist der Weg, der für mich persönlich der richtige ist, und den ich versuche, auch so denen gegenüber deutlich zu machen, die mich bloß für Fasching ODER Fastenzeit und Kirche haben wollen.“ Jahrelang ist er zudem mit der Blaskapelle aus seiner bayerischen Gemeinde beim Kölner Rosenmontagszug mitgelaufen: „Es gelingt wenn du da mitgehst, dass du mit Tausenden kommunizierst, bloß mit den Augen. Mit einem Blick, einem Wink, einem Ruf, einem Trommelschwenk. Das ist meine Aufgabe als Pfarrer ja auch, Menschen erreichen, die ganz hinten stehen. Vom Altar aus mit einer Geste, mit einem Blick auch die anzusprechen, die ganz weit weg sind. Das gelingt längst nicht immer, aber da ist dieses Mitgehen im Rosenmontagszug und der Dienst als Pfarrer in der Gemeinde oder in der Kirche ganz gut vergleichbar.“

Karneval stellt daher sowohl für das Kirchenjahr, als auch für den Lebenszyklus vieler Menschen eine wichtige Zeit dar. Bedenken muss man natürlich die unterschiedliche Bedeutung vom bayerischen Fasching, welcher sich leise im Hintergrund abspielt, und dem rheinischen Karneval, welchem kaum einer auskommt. Zusammenfassend lässt sich jedoch sagen, dass das urchristliche Fest vielen die Chance bietet, aus dem alltäglichen Leben auszubrechen und Ziele, Aufgaben, Sorgen, oder den üblichen Trott für einen Moment lang zu vergessen. Das gesellige Beisammensein in der Gemeinschaft stellt hier sicherlich einen der wichtigsten Aspekte dar. Es wäre dennoch schön, wenn der christliche Gedanke wieder mehr in den Vordergrund rücken würde, denn – um mit den Worten von Pfarrer Lorenz abzuschließen – „Karneval hat mit vielen Menschen zu tun, Christ sein auch“.

(Artikel von Larissa Mayer, Katrin Fischer, Silke-Nicole Hintz)

Prof. Dr. Gunther Hirschfelder, von 2000-2010 Vertreter der Professur für Kulturanthropologie/ Volkskunde an der Universität Bonn, lehrt mittlerweile im vierten Jahr an der Universität Regensburg Vergleichende Kulturwissenschaft. Die Esskultur bildet den Schwerpunkt seiner Forschung. Darüber hinaus befasst er sich vordergründig mit der kulturwissenschaftlichen Brauch- und Ritualforschung.

Prof. Dr. Manfred Becker-Huberti ist ein deutscher Theologe und hat seit 2007 die Honorarprofessur „Kirche und Kommunikation” an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallender inne. Sein Forschungsschwerpunkt sind die Heiligen und deren Verehrung.
Prof. Dr. Werner Mezger ist Professor für Volkskunde in Freiburg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählt, neben Brauch und Fest im europäischen Kontext, im Speziellen die Fastnacht.

Nachweise:
Hirschfelder, Gunther: Karneval – zentraler Brauch des Rheinlands. In: Karl-Heinz Erdmann (Hg.): 75 Jahre Ehrengarde der Stadt Bonn. Bonn 2008. S. 19-30.
Becker-Huberti, Manfred: Feiern-Feste-Jahreszeiten. Lebendige Bräuche im ganzen Jahr-Geschichte und Geschichten, Lieder und Legenden. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2001. S.201-249.
Mezger, Werner: Narretei und Tradition. Die Rottweiler Fasnet. Konrad Theiss Verlag GmbH, Stuttgart 1984. S.9-49.

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ger / 11.02.2014



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