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Evangelische Kirche im Rheinland

Präses Manfred Rekowski zu der Flüchtlingskatastrophe: "Tausendfachen Tod von Menschen nicht hinnehmen"

Angesichts der Flüchtlingsdramen im Mittelmeer wendet sich Präses Manfred Rekowski in einem Schreiben an alle Kirchengemeinden in der rheinischen Landeskirche und lädt zugleich zu einem Klagegottesdienst am 25. April in Wuppertal.

Präses Manfred Rekowski: "In jedem Zuflucht suchenden Menschen begegnet uns Christus" (Foto: EKiR) LupePräses Manfred Rekowski: "In jedem Zuflucht suchenden Menschen begegnet uns Christus" (Foto: EKiR)

Hier sein Schreiben und Aufruf im Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder,

hunderte von Menschen sterben auf der Flucht aus ihren Heimatländern und auf der Suche nach Zuflucht in Europa im Mittelmeer. Es ist zum Gotterbarmen. Angesichts der weitgehenden politischen Tatenlosigkeit ist das ein humanitärer Skandal. Ich möchte Sie deshalb bitten, in Gottesdiensten, Andachten und Gebeten die Situation der Flüchtlinge aufzugreifen und der namenlosen Toten, von deren Schicksal viele Angehörige vermutlich nie sicher erfahren werden, zu gedenken. Auch Klage über eigene Schuld und eigene Ohnmacht werden dabei Raum finden.

Die Evangelische Kirche im Rheinland lädt ein zu einem Klagegottesdienst am Samstag, 25. April 2015, um 11.00 Uhr in der Citykirche Elberfeld in Wuppertal (Kirchplatz/Calvinstraße).

Evangelische Kirche im Rheinland für "menschengerechte Lösungen in der Flüchtlingsfrage"

Die Lage der Flüchtlinge, das tausendfache Elend derer, die angesichts ihrer Not Zuflucht in Europa suchen wollen und an der Festung Europa scheitern, beschäftigt uns als Kirche schon lange und immer wieder: Die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland hat sich im Januar 2015 ausführlich mit der Situation an den EU-Außengrenzen befasst und formuliert, wie die Situation an den EU-Außengrenzen nachhaltig zu verändern ist. Sie fordert:

• die Implementierung eines zivilen europäischen Seenotrettungsprogramms, das finanziell mindestens so ausgestattet ist wie die ausgelaufene Operation „Mare Nostrum“. Deutschland hat sich daran entsprechend seiner Wirtschaftskraft finanziell zu beteiligen;

• eine Veränderung der Dublin-Verordnung, die die legitimen Interessen der Schutzsuchenden zum entscheidenden Zuständigkeitskriterium macht (free choice) und ein neues Gesamtkonzept für die Flüchtlingsaufnahme in Europa. Auch die Entwicklung eines solidarischen Verteilsystems und einer fairen Lastenteilung in Europa soll die Wirtschaftskraft Deutschlands entsprechend berücksichtigen;

neue legale Einwanderungsmöglichkeiten für Schutzsuchende und Migrantinnen/Migranten. Zugleich muss den komplexen Fluchtursachen auch durch die Entwicklung fairer Außen und Wirtschaftsbeziehungen entgegengewirkt werden.

Die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland unterstreicht diese Forderungen und wird sie weiterhin in geeigneter Weise in die öffentliche Diskussion einbringen. Die aktuellen politischen Diskussionsbeiträge um eine verstärkte Bekämpfung der Schleuser und Schlepper sind angesichts der tatsächlichen humanitären Probleme ebenso wenig zielführend wie die in den letzten Monaten geführten Debatten über das Kirchenasyl. Sie lenken viel mehr von den eigentlichen Problemen ab. Ich möchte Sie, liebe Schwestern und Brüder, sehr herzlich bitten, sich aktiv an dieser politischen Diskussion zu beteiligen.

Nach biblischem Verständnis begegnet uns Christus in fremden und Zuflucht suchenden Menschen. Wer an Christus, den Liebhaber des Lebens, glaubt, kann das Sterben der Flüchtlinge nicht hinnehmen. Wenn Europa sich der christlichen Tradition verpflichtet weiß, müssen menschengerechte Lösungen in der Flüchtlingsfrage gefunden werden.

In geschwisterlicher Verbundenheit grüßt Sie recht herzlich
Ihr Präses Manfred Rekowski

Weitere Informationen: www.ekir.de

 

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Joachim Gerhardt/EB / 21.04.2015



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