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Teil II des Reiseberichts von Uwe Günthers Reise nach Tansania

Zu Besuch im Partnerkirchenkreis Kusini A in Tansania

Uwe Günther aus Röttgen war als Vertreter des Bonner Kirchenkreises bei der Amtseinführung des neuen Bischofs der Nordwestdiözese der Evangelisch Lutherischen Kirche in Tansania. Für bonn-evangelisch berichtet er von seiner Reise. Hier Teil II:

Mit Rev. Lugayana durch Rwantege (Foto: Uwe Günther). LupeMit Rev. Lugayana durch Rwantege (Foto: Uwe Günther).

Hier können Sie Teil I von Uwe Günthers Reisebericht nachlesen.

Da ich nun schon einmal in Tansania war, habe ich die Gelegenheit wahrgenommen, die Menschen und die Situation in Kusini A persönlich kennenzulernen.
Am 23. Oktober morgens werde ich von Rev. Lugayana, dem Superintendenten von Kusini A, mit dem von uns vor Jahren gespendeten Landcruiser abgeholt. Erste Station soll das Hospital in Ndolage sein. Aber auf dem Weg dorthin haben wir einen Unfall. Auf glattem Asphalt rutscht das Auto in den an dieser Stelle stabil gemauerten Graben und verbiegt sich ein paar Teile am Fahrwerk. Rev. Lugayana benachrichtigt einen Mechaniker, der verspricht, das Auto zu reparieren, und Dr. Lolwako vom Krankenhaus holt uns ab und bringt uns dorthin.

Das Krankenhaus von Ndolage

Das Krankenhaus hat in seinem Einzugsbereich ca. 60.000 Menschen. Schwerpunkt der Arbeit sind Kinderheilkunde und Geburtshilfe. Es finanziert sich zu 60 % von den Patienten, zu 30 % aus Unterstützung der Regierung und zum Rest aus Spenden aus dem Ausland bzw. örtlich erzeugtem anderem Einkommen. Von 206 Stellen für ärztliches und Pflegepersonal sind 64 Stellen nicht besetzt. Es fehlt an Fachpersonal und an Geld! Die Patientenzahlen steigen trotzdem: Im Jahr 2014 waren es knapp 13.000. Von den Krankheiten steht Malaria immer noch an der Spitze, auch wenn sie zurückgeht, gefolgt von Harnwegsinfektionen, Atemwegsinfektionen, Bluthochdruck, Bilharziose (Wurmbefall) und Diabetes. 10 % der Patienten werden wegen Augenerkrankungen und Katarakt (Grauer Star) behandelt. Obwohl die Kosten sehr niedrig sind (z.B. Entbindung 7 €) können viele Patienten nicht einmal das bezahlen. Daher unterstützt unser Kirchenkreis den "poor patient fund". Daneben wird aber auch noch zusätzliche medizinische Ausrüstung benötigt, damit sich das Krankenhaus weiter spezialisieren kann. Eine solche in die Richtung einer fachärztlichen Betreuung gehende Behandlung wird auch in Tansania immer wichtiger.
Insgesamt hatte ich von der Arbeit im Krankenhaus und der Präsentation einen sehr guten Eindruck. Dort wird eine eminent wichtige Arbeit professionell geleistet. Wir sollten den "poor patient fund" weiter unterstützen und auch versuchen, ob wir mit Hilfe von Krankenhäusern in unserer Region auch gebrauchte medizinische Ausstattung zur Verfügung stellen können.
Im Anschluß an den Besuch im Krankenhaus hatte ich noch Gelegenheit, das Improvisationsgeschick der Tansanier bei der Reparatur des Autos auf der Straße zu beobachten. Verbogene Teile wurden in einem Feuer erhitzt, um sie wieder geradebiegen zu können. Am frühen Nachmittag konnten wir dann wieder weiterfahren.

"Wer bietet mehr?" - Nach dem Gottesdienst werden Sachspenden versteigert und so die Kirche finanziert (Foto: Uwe Günther) Lupe"Wer bietet mehr?" - Nach dem Gottesdienst werden Sachspenden versteigert und so die Kirche finanziert (Foto: Uwe Günther)

Alltag im Kirchenkreis Kusini A

Der Kirchenkreis Kusini A besteht aus sechs Gemeinden mit 30 Bezirken. Von den sieben Pfarrstellen sind zwei nicht besetzt, und diese Arbeit muss vom Superintendenten wahrgenommen werden. Die Pfarrer werden bei ihrer Arbeit durch Evangelisten und zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter unterstützt. Ich war im Hause des Superintendenten untergebracht und wurde zu den Mahlzeiten von Mitgliedern des Kirchenkreises in den unterschiedlichen besuchten Gemeinden eingeladen.
Die Mehrheit der Bevölkerung in Kusini A sind Kleinbauern mit Subsistenzlandwirtschaft. Nur ca. 20 % haben ein Erwerbseinkommen, welches auch weit entfernt von unseren Vorstellungen ist. So verdient ein Pfarrer etwa 40 – 50 € pro Monat. Das heißt auch, er ist darauf angewiesen, dass die Ehefrau mitarbeitet und er auf dem der Gemeinde gehörenden Grundstück selber Grundnahrungsmittel erzeugt. Das Kircheneinkommen erfolgt durch die Kollekten. Da viele Menschen nicht über Geld verfügen, hat sich eine sehr schöne Sitte etabliert: Diese Gemeindemitglieder spenden Erzeugnisse ihres Hofes (Kassava, Erdnüsse, Bananen, Zuckerrohr oder Obst und Gemüse, aber auch Eier und lebendes Geflügel). Diese Spenden werden nach dem Gottesdienst versteigert, und die wohlhabenderen Gemeindemitglieder zahlen häufig bedeutend mehr als den üblichen Handelspreis. So tragen auch die Ärmeren nicht unerheblich zur Finanzierung ihrer Kirche bei.
Mit dem von uns finanzierten „Solarprojekt“ ermöglichen wir Familien den Betrieb von drei bis vier Glühlampen, das Laden eines Mobiltelefons oder auch den Betrieb eines kleinen Radios bzw. Fernsehgeräts. Die Menschen in dieser sehr entlegenen Gegend sind dadurch nicht vollkommen von der Welt abgeschnitten.

Uwe Günther mit Schülern, die vom Bonner Kirchenkreis gefördert werden (Foto: Uwe Günther). LupeUwe Günther mit Schülern, die vom Bonner Kirchenkreis gefördert werden (Foto: Uwe Günther).

Schulbesuch

Die Besuche in zwei Schulen, in denen wir den Schulbesuch armer Kinder fördern, waren sehr beeindruckend durch gut vorbereitete Präsentationen und Vorträge sowohl seitens der Lehrer als auch von Schülersprechern. Dieses Projekt erscheint mir angesichts der Auswirkungen auf die Zukunft als eines der wichtigsten. Es ist für ganz Afrika wichtig, durch gute Bildung allmählich Anschluss an die Welt zu finden und den Prozess zur Eigenständigkeit voranzutreiben. Neben der Finanzierung des Schulbesuchs sollte ins Auge gefasst werden, auch Gelder für Schulbücher und ggf. auch eine Verbesserung der Lernmittelausstattung zur Verfügung zu stellen. So bat eine Schule ausdrücklich um drei Computer, um ihre Schüler auf die in Afrika noch wichtigere Nutzung des Internets vorzubereiten – das Internet ist dort das einzige Mittel einer unzensierten Nachrichtenübermittlung und Informationsversorgung.
Die Tree plantation Projekte auf Gemeindegrund haben inzwischen einen sichtbaren Erfolg. Es sind vielerorts kleine Wäldchen entstanden, die zur Verbesserung des ökologischen Gleichgewichts beitragen und in 20 bis 30 Jahren als Nutzwald verwendet werden können.

Igabiro Heim und die Krankenstation in Rwantege

Das Igabiro Heim für Behinderte, das wir finanziell unterstützen, macht einen sehr gepflegten Eindruck und ist voll belegt. Den Behinderten soll in dieser Einrichtung geholfen werden, mit ihrer Behinderung und ggf. Unterstützung durch ihre Familien selbständig leben zu können. Nur ein kleiner Teil sind Dauerpatienten. Angesichts einer starken gesellschaftlichen Ächtung von Behinderten ist dies ein sehr wichtiges diakonisches Projekt.
Die Krankenstation in Rwantege, dem Hauptort des Kirchenkreises, hat sich ebenfalls gut entwickelt und macht einen positiven Eindruck. Sie verfügt über 47 Betten, und täglich werden ca. 50 Patienten ambulant behandelt. Die Krankheitsschwerpunkte sind dieselben wie im Ndolage Hospital. Man hat inzwischen auch ein kleines Labor eingerichtet, um einfache Untersuchungen selbst durchführen zu können, sowie einen Operationsaal für kleine Operationen. Da die meisten Patienten zu arm sind, ihre Kosten selbst zu tragen, ist diese Einrichtung ganz besonders auf Unterstützung angewiesen. Auch wird eine verbesserte Ausstattung benötigt, wie Röntgengerät (wichtig bei den vielen Knochenbrüchen) und Meßgeräte zur Blutuntersuchung.

Kleinbanken - ein Weg zu mehr Selbstständigkeit und Nachhaltigkeit

Darüber hinaus hat man mir Einrichtungen vorgestellt, die ich im Hinblick auf eine weitere Entwicklung von mehr Selbständigkeit und Nachhaltigkeit für sehr wichtig halte. In fast jedem Gemeindebezirk haben Frauen sogenannte SACCOs gegründet: Kleinbanken zum Sparen von Geld und zur Bereitstellung von Kleinkrediten. Die Frauen zahlen dabei regelmäßig kleine Summen von ca. 1 € ein, wovon ein kleiner Teil für diakonische Zwecke in der eigenen Gemeinde verwendet wird und der Rest angespart wird, um sich gegenseitig Kredite zu gewähren für Anschaffungen zur Ertragsverbesserung der kleinen Landwirtschaft (z.B. Anschaffung von ein paar Hühnern, deren Eier zur Erzielung eines kleinen Einkommens verkauft werden können). Für die Kredite werden niedrige Zinsen gezahlt, die zur Kapitalvermehrung beitragen.

Insgesamt bin ich immer noch voller neuer Eindrücke, Erfahrungen und Informationen und möchte zusammenfassend festhalten, dass ein regelmäßiger persönlicher Besuch ebenso wichtig ist wie materielle Hilfe. Ich schlage vor, einen regelmäßigen Besuch alle zwei Jahre, einmal in Bonn, einmal in Kusini A, fest vorzusehen, so dass jeder Partner den anderen alle vier Jahre bei sich zu Hause empfängt.

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Uwe Günther / Johanna Nolte / 27.12.2015



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