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Stilles Mahl im Kirchenpavillon: "Ein ganz intensives Erleben"

„Stilles Mahl“ im Evangelischen Kirchenpavillon am Bonner Kaiserplatz. Das ist ein wenig wie Speisen im Kloster. Pfarrerin Ulrike Verwold steht Rede und Antwort im Radio. Hören Sie mal rein.

"Himmel und Erde": das Magazin der Kirchen erreicht landesweit Sonntagmorgen mehr als eine Million Menschen auf den Lokalradios NRW "Himmel und Erde": das Magazin der Kirchen erreicht landesweit Sonntagmorgen mehr als eine Million Menschen auf den Lokalradios NRW

Anmoderation: Mit vollem Mund spricht man nicht!" – Vielleicht haben Sie diesen Satz als Kind auch mal zu hören gekriegt. Ein Kirchencafé in der Bonner Innenstadt jedenfalls hat aus dem Verbot eine Tugend gemacht: Einmal in der Woche um die Mittagszeit lädt die evangelische Pfarrerin Ulrike Verwold zu einem "stillen Mahl" ein:

Ulrike Verwold: Beim Stillen Mahl treffen wir uns donnerstags hier im Kirchenpavillon in einem Nebenraum und wir essen gemeinsam Suppe oder ein einfaches Mahl mit Brot und Wasser und während der Zeit herrscht im Wesentlichen Stille, unterbrochen durch Gebet und Lesungen.

Joachim Gerhardt: Eine halbe Stunde dauert das Ganze, und alle Gäste sagen in dieser Zeit keinen einzigen Ton. Sie essen nur und hören zu. Sonst nichts. Die Kirche möchte mit diesem Angebot einen Kontrapunkt setzen, sagt Ulrike Verwold:

Pfarrerin Ulrike Verwold mit Superintendent Eckart Wüster im Kirchenpavillon am Bonner Kaiserplatz LupePfarrerin Ulrike Verwold mit Superintendent Eckart Wüster im Kirchenpavillon am Bonner Kaiserplatz

Verwold: Wir erleben die Stadt als sehr schnelllebig und sehr laut. Wir wissen von vielen Menschen, dass sie in ihren Berufen viel reden und viel hören, und wir wollen bewusst einen Gegenpol anbieten sozusagen, dass Menschen, die aus ihrem lauten und bewegten Alltag kommen, hier einen Ort der Ruhe finden können in ihrer Mittagspause.

Gerhardt: Das Angebot hat gerade erst begonnen, aber der Zuspruch ist schon groß. Niemand muss erklären, warum er kommt und so sitzen hier ganz unterschiedliche Leute beim "stillen Mahl" am Tisch zusammen:

Verwold: Es ist schon eine Psychologin hier gewesen, zwischen ihren Sitzungen, in der Mittagspause, ein Polizist, ein Bänker im Nadelstreifenanzug. Es kommen Leute, die regelmäßig im Kirchenpavillon ein- und ausgehen, es kommen Leute, die man ansonsten eigentlich gar nicht sieht. Ganz bunt gemischt, Männer, Frauen, jung und alt …

Gerhardt: Und mancher kommt wohl auch, weil er nicht alleine essen möchte und die Gemeinschaft mag, die hier entsteht - interessanter Weise obwohl man nicht miteinander redet. Ganz neu ist die Idee nicht. Mahlzeiten ohne Unterhaltung gibt es schon länger …

Verwold: Da haben wir uns im Wesentlichen angelehnt, an der Tradition des Mittagsgebets, das es auch in Klöstern gibt, das geprägt ist von Stille, von Tischlesung, zum Teil aus der Bibel, zum Teil aus der Tageszeitung.

Gerhardt: Jedes "stille Mahl" beginnt und endet mit einem Glockenschlag. Dazwischen liegen 30 Minuten Schweigen, Konzentration auf die vorgetragenen Texte und natürlich auch auf´s Essen. Für viele ist das eine ganz neue Erfahrung:

Verwold: Ich habe mir sagen lassen, dass es gerade für die Menschen, die daran teilnehmen, ein ganz intensives Sinneserleben ist, weil man auch viele Sachen anders wahrnimmt, wenn man bei einem Essen leise ist. Und da kommen ganz ergreifende und bewegte Rückmeldungen. Das finde ich toll!

Joachim Gerhardt für Himmel und Erde.

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Beitrag vom 19. April 2015 in der Sendung "Himmel & Erde", dem Magazin der Kirchen immer sonntags von 8 bis 9 Uhr auf Radio NRW / Redaktion: Manfred Rütten

Hier können Sie den Beitrag auch hören: http://hue.ekir.de

Weitere Infos zum Kirchenpavillon: www.kirchenpavillon.de

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ger / 19.04.2015



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