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Lukaskirchengemeinde Bonn:

Bewegende Abschiedsfeier: Pfarrer Virgils geht in den "gesegneten Ruhestand"

36 Jahre war er Pfarrer der Bonner Lukaskirchengemeinde. Entsprechend groß und herzlich der Abschied: Siegfried Virgils ist in den Ruhestand gegangen.

Bewegender, persönlicher Abschied Siegfried Virgils auch von seinen Schülerinnen und Schülern (Foto: privat/Lukaskgm.) LupeBewegender, persönlicher Abschied Siegfried Virgils auch von seinen Schülerinnen und Schülern (Foto: privat/Lukaskgm.)

Pfarrer Siegfried Virgils war Pfarrer am Berufskolleg in Duisdorf auf allen Ebenen der evangelische Kirche engagiert: von seiner Lukaskirchengemeinde über den Bonner Kirchenkreis bis zur Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Gäste an diesem festlichen Tag des Abschieds spiegelte das fröhlich wieder: der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers, der mit Siegfried Virgils gemeinsam in der Landessynode saß wie auch Dorothea Geffert, Ulrike Hensel-Kornblum und der Bonner Diakoniegeschäftsführer Ulrich Hamacher. Die Landeskirche war durch Oberkirchenrat Bernd Baucks vertreten, die evangelische Fakultät der Bonner Universität durch Professor Günter Röser.

Superintendent Eckart Wüster hatte Siegfried Virgils im Festgottesdienst in der Lukaskirche feierlich entpflichtet und den "Querdenker" zu einem "gesegneten Ruhestand" eingeladen. Vielen Kolleginnen und Kollegen, Schülerinnen und Schülern seiner Berufsschule sowie Gemeindegliedern der Lukaskirchengemeinde im Bonner Norden war es ein Anliegen, ihren Pfarrer ganz persönlich und wertschätzend zu verabschieden.

Pfarrerin Michaela Schuster und Pfarrer Michael Schäfer der Lukaskirchengemeinde würdigten Siegfried Virgils besonders. Hier lesen Sie die Ansprache von Pfarrer Schäfer zur Abschiedsfeier Anfang Februar 2015 in der Lukaskirche:

Was? Der geht in den Ruhestand? Der ist schon 65?

Ja leider, ich sage das mal ganz persönlich. Wie schade, dass so fähige Leute wie Siegfried Virgils nur weil sie kalendarisch ein bestimmtes Alter erreicht haben, einfach so in den Ruhestand versetzt werden. Es ärgert mich irgendwie auch in diesem Fall. ABER: Siegfried wäre nicht Siegfried, wenn er das nicht gelassen hinnehmen könnte, wenn er nicht das Beste daraus machen könnte. Ich bin sicher, Du wirst unruhige Jahre haben im Ruhestand und ruhige Zeiten: Jetzt kannst Du Deinen Stress selbst bestimmen, bist frei von Stundenplänen. Ich glaube, die Schüler/innen und vor allem Deine Kollegen/innen werden Dir fehlen, Schule ist jetzt abgeschlossen. Aber Gemeinde nicht. Du hast uns angefragt, ob Du in der Gemeinde weitermachen kannst. Und wir haben sofort gedacht: Was für ein Segen! Und gesagt: Ja, natürlich!
Wenn auch etwas grau und lichter auf dem Haupt, im Herzen und Denken bist Du jung geblieben. Du warst bis zum Ende seiner Dienstzeit ein unerschrockener, streitbarer und eigenständiger Denker und Lehrer, ein beliebter Prediger, aufgeschlossen für Innovationen und Experimente, sozial engagiert, einer der Impulse zu geben verstand, und: Du wirst auch genau so bleiben. Davon hält Dich kein Ruhestand ab. Gott sei Dank.

Seit 1979 bist Du Pfarrer der Lukaskirchengemeinde. Damit hältst Du den Rekord für die längste Amtszeit in unserer Gemeinde. Aber Deine Zeit in Lukas begann schon früher: Du warst Vikar von 1977 - 1979 bei Pfr. Herfkens und Pfr. Schleßmann, hast Dir die Gemeinde ausgesucht, weil Du innovative Gemeindearbeit und Gottesdienste kennenlernen wolltest. O-Ton Siegfried: „Mich haben die progressiven Gottesdienste, die neuen Gottesdienstformen, besonders im Familiengottesdienst im Auerberg angesprochen. Es gab z.B. auch mal Tiere im Gottesdienst, aber nicht um sie zu segnen. Beeindruckend fand ich, dass die Gottesdienste mit einer großen Gemeindegruppe vorbereitet wurden. Außerdem war das Forum wirklich ein Marktplatz, es war offen, so wie es heute ja auch noch ist. Die Politik war in der Kirche, z.B. bei Wahlveranstaltungen. Aber das wichtigste waren die Gottesdienste.“

Aber Du wurdest kein Gemeindepfarrer. Deinen Dienst hast Du vor allem im Berufskolleg in Duisdorf versehen, warst mit Leib und Seele Religionslehrer. Viele Deiner ehemaligen Schüler/innen haben einen Menschen erlebt und schätzen gelernt, der authentisch und verständlich das Evangelium so vermittelt hat, wie er es eben verstehen wollte und wie er es für sie in ihre Gegenwart transportieren konnte. Wieder O-Ton Siegfried: „Im unkirchlichen Feld der Schule kommen die Themen der Gesellschaft natürlich auch vor. Allerdings werden sie ganz anders angegangen als in einer Kirchengemeinde. In der Schule hat der starke Traditionsabbruch dramatisch stattgefunden. Kirche hat hier nichts mehr mit dem Alltag der Schüler/innen zu tun. Wenn es früher noch hieß: ‚Kirche? Nein danke! Aber über Religion können wir noch reden’ dann wechselte das zu ‚Religion ist nichts für vernünftige Leute’. Heute gibt es wieder eine größere Nähe zur Religion, aber eher zur Religion als Flucht in eine ganz andere Wirklichkeit. Religion ist Sehnsucht nach Heilung, Spiritualität und Innerlichkeit. Seit dem 11. September 2001 geht die Schülermeinung eher dahin zu sagen: Religion bringt nur Unheil und gehört abgeschafft. Schüler/innen staunen, wenn Religion etwas mit Schöpfung, Wirtschaft und Ethik zu tun hat. Wir sind eine Wirtschaftsfachschule, auf der ich mit Kollegen eine Cafeteria gegründet habe, in der es fair gehandelte und ökologisch produzierte Produkte gibt. Arbeitsplätze sind geschaffen worden. Dieses Engagement hat zu vielen guten Fragen der Schüler/innen geführt.“

Volle Stelle in der Berufsschule und trotzdem in der Gemeinde präsent: Das gehört auch zu Siegfried Virgils. Du lebtest das sogenannte Bonner Modell, d.h. das Experiment, dass Funktionspfarrer an eine Gemeinde angebunden sein sollen und in ihr ihre Erfahrungen und Kenntnisse einbringen. Viermal warst Du Presbyteriumsvorsitzender, die Satzung der Gemeinde hast Du Anfang der 90er Jahre mit erarbeitet, oft bereichertest Du die Bildungsarbeit der Gemeinde durch Bibelabende, theologische Fortbildungen und auch durch ein Bibelseminar. Die Gesprächsgottesdienste sind unmittelbar mit Dir verbunden. „Diese Kombination (Schule-Gemeinde) fand ich von vorneherein gut. Ich halte mich an eine Gemeinde. Es war nie eine lästige Pflicht, aber ein Spagat. Für Gemeinde und Schule war das gegenseitig befruchtend.“

Siegfried Virgils hat mit seinen theologischen Erkenntnissen auch Widerspruch hervorgerufen. Aber bevor ich darauf eingehe, ist ein Bild, das ich mit Dir verbinde, zu erzählen: Immer wenn wir zusammengearbeitet haben, hast Du Deine alte vielgelesene Luther- Bibel zur Hand gehabt. Du hast gesagt: „Eine Zukunftsaufgabe ist …: Die Bibel soll nicht den Fundamentalisten überlassen werden, sondern ich will mit der Bibel in der Hand weiterarbeiten, sie ist auch mein Fundament.“ Siegfried ist ein aufrichtiger, nicht allen bequemer Denker und Prediger: O-Ton „Kaum war ich Vikar, hatte ich schon eine Sondersitzung des Presbyteriums. An einem Ostersonntag habe ich in der Lukaskirche die Auferstehung gepredigt, wie sie von dem berühmten Theologen Bultmann erklärt wird. Ich sagte sinngemäß: ‚Ob das Grab leer oder voll war, ist völlig unerheblich. Es geht darum, dass er auferstanden ist.’ Das Presbyterium hat mir dann assistiert, dass ich ordentlich nach dem gepredigt habe, was ich gelernt habe. Aber damals fing das schon an.“

Dir ging es nicht um Provokation, sondern um grundlegend durchdachte Konsequenz, Dir ging es um Themen, die andere nicht ansprachen. Manche sagen: Siegfried Virgils hat polarisiert. Aber das stimmt so nicht. Du hast einfach mutig Fragen gestellt, die so viele Menschen haben. Und hättest Du sie nicht gestellt und zu beantworten versucht, wäre die Kirche leerer. Denn die Prediger/innen, die nicht anecken wollen, treiben Menschen aus der Kirche hinaus, weil sie sich vor Antworten scheuen, weil sie vielleicht sogar die Fragen nicht erkennen, die moderne Menschen haben. Ohne Dich wären viele Themen gar nicht diskutiert worden in dieser Gemeinde. Gut, dass Du Dich weiterhin einbringen willst. Gut, dass wir uns weiterhin streiten können!

1992 hast Du ein Kontaktstudium in Frankfurt/M gemacht, Du hast Susannah Heschel kennengelernt und Ihr seid Freunde fürs Leben geworden. In diesem Studium und mit Susannah bist Du an den Rheinischen Synodalbeschluss von 1980 erinnert worden. Seither bist Du überzeugt –und diese Einstellung teile ich zutiefst, dass sich Theologie ändern muss, will sie nicht in die alten verhängnisvollen Denkmuster, die Menschen enorm schadeten, zurückfallen. Der Synodalbeschluss macht deutlich, dass das Christentum mit seiner judenfeindlichen Theologie über Jahrhunderte dazu beigetragen hat, dass der rassistische Antisemitismus entstand und ungehindert agieren konnte bis zum Holocaust.

Du hast dazu beigetragen, dass die Lukaskirchengemeinde eine lebendige, offene und für Frieden und Gerechtigkeit engagierte Gemeinde geworden ist, warst beteiligt am kirchlichen Protest gegen den NATO-Doppelbeschluss in Deutschland, er war von Anfang an aktiv im St. Petersburg Arbeitskreis, seit 1982 hast ihn geleitet. Es war damals einfach unerträglich, dass NATO-Raketen wieder eine Stadt bedrohten, die entsetzlich unter der Belagerung im 2. Weltkrieg gelitten hat. Versöhnungsarbeit praktisch mit Menschen aus St. Petersburg, das habt Ihr vorbildlich gemacht (Klaus und Hilde Kirsch-Schäfer).
Persönlich möchte ich Dir danken für die Freundschaft, die mir sehr viel bedeutet.

Lieber Siegfried, Wir sind dankbar für die engagierten Dienstjahre bei uns und freuen uns sehr auf die weitere Zusammenarbeit.

Den Dank drückt die Gemeinde aus mit einem Geschenk. Ein Reisegutschein für eine Reise nach Verona. Du sollst Dir also mit Deinem Lebensglück zusammen eine Oper anschauen und einen langgehegten Wunsch erfüllen.

Gottes Segen für Dich für Euch in Sommerhausen, Verona und in Bonn

Michael Schäfer

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ger / 11.02.2015



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