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Bonner Rundschau: Themen der Zeit

Superintendent Eckart Wüster im großen Rundschau-Gespräch zum neuen Jahr

Der Bonner Superintendent Eckart Wüster bezieht Stellung. Es geht um die Angst vor Fremden und Neuen, um die Demos gegen den Islamismus und den wachsenden Extremismus in der Welt, aber auch um die Sparpläne in Bonn und die Veränderungen in der Kirche. 

Ruft auf zu mehr Differenzierung und warnt entschieden vor Pauschalisierungen: Bonns Superintendent Eckart Wüster (Foto: Meike Böschemeyer) Ruft auf zu mehr Differenzierung und warnt entschieden vor Pauschalisierungen: Bonns Superintendent Eckart Wüster (Foto: Meike Böschemeyer)

Das große Interview zum neuen Jahr mit Dieter Brockschnieder, Leiter der Bonner Rundschau, finden Sie hier: www.rundschau-online.de/bonn/15185502,15185502.html

Terror, Bürgerkriege, Arbeitsdruck: Viele Menschen hätten sich vielleicht gewünscht, das Jahr könnte angesichts der schlechten und durchaus auch bedrohlichen Nachrichten gerne früher zu Ende gehen als am 31. Dezember.

Eckart Wüster: Ich bin mir nicht sicher, ob diese Wahrnehmung der Realität entspricht, dass das Jahr 2014 besonders schlimm gewesen ist. Kriege, Terror, Arbeitsdruck hat es immer schon gegeben. Terror und Bürgerkriege sind uns Mitteleuropäern in diesem Jahr nur wieder näher auf den Pelz gerückt. Viele Krisenherde werden vergessen, wenn sie nicht in unseren Medien auftauchen und wir nicht so direkt betroffen sind. Auch durch die vielen Flüchtlinge, die zu uns kommen, werden wir mit den Nöten vieler Millionen Menschen konfrontiert.

Woher sollen verunsicherte Menschen Zuversicht fürs neue Jahr nehmen? Reicht es zu sagen: Habt Gottvertrauen?

Wüster: Natürlich reicht es nicht, den Menschen zu sagen, sie sollten mehr Gottvertrauen haben, denn auf Gott vertrauen bedeutet ja nicht automatisch, dass es weniger Probleme gibt. Gläubigen Menschen geht es oft nicht besser als ungläubigen. Der Glaube schützt nicht vor schlimmen Erfahrungen, aber er kann Kraft geben in den schwierigen Lebensphasen. So gesehen möchte ich gerne zu mehr Gottvertrauen ermutigen. Ich vertraue darauf, dass ich in Gottes Hand geborgen bin, egal, was geschieht.

Die Pegida-Bewegung hat als Ableger Bogida auch Bonn erreicht. Was sagt die evangelische Kirche dazu?

Wüster: Ich halte die Pegida-Bewegung für gefährlich, weil diejenigen, die sich dazu zählen, oft ganze Gruppen von Menschen ablehnen oder diffamieren. Wir müssen viel differenzierter hinschauen, als die Pegida-Bewegung das tut. Dass diejenigen, die die Demos organisieren, dazu nicht bereit sind, das kann ich leider nicht ändern. Dass sich aber viele Menschen vor deren Karren spannen lassen, das kann ich nicht verstehen. Gut und schlecht, richtig und falsch gibt es immer in allen Menschengruppen. Deshalb bitte ich herzlich um genaues Hinschauen.

Wie können Ängste abgebaut werden?

Wüster: Dass Fremde und Fremdes verunsichert, ist menschlich. Dass dies manchen Menschen Angst macht, ist noch nicht verwerflich. Aber man kann auch so mit der Angst umgehen, dass es nicht zu pauschalen Urteilen über andere Menschen führt. Es sind vor allem Begegnungen, die Ängste abbauen helfen. Solche Möglichkeiten der Begegnung mit Menschen, die mir fremd sind, bieten auch manche Kirchengemeinden an.

Verstehen Sie, dass Menschen sich etwa bei den auch in Bonn zu beobachtenden Islamisierungsversuchen etwa durch die „Lies das!“-Stände in den Fußgängerzonen von der Politik im Stich gelassen fühlen? Was muss getan werden, um sie mitzunehmen?

Wüster: Zum differenzierten Hinschauen gehört für mich auch wahrzunehmen, dass sich ein Teil junger Menschen mit Migrationshintergrund in unserer Gesellschaft nicht angenommen fühlt. Wenn sich einige dadurch radikalisieren lassen, dann ist Widerstand geboten. Das gleiche gilt selbstverständlich für jede Form von Gewalt und jeden Aufruf zur Gewalt. Unsere Gesetze sind an dieser Stelle eindeutig. Politik und Justiz sind da gefordert. Aber auch hier darf es nicht zu Pauschalurteilen kommen.

Und die Islamisierungsversuche?

Wüster: Sie beunruhigen mich an sich nicht. Menschen treten für das ein, was ihnen etwas bedeutet. Wenn ich einem solchen Versuch als Christ begegne, dann weise ich darauf hin, was mir wichtig ist und was meinen Glauben ausmacht. Wenn aber mit den Islamisierungsversuchen verbunden sein sollte, Menschen für die Scharia zu gewinnen, dann ist auch hier Widerstand geboten. Im Übrigen möchte ich anmerken, dass der Islam genauso vielgestaltig ist wie das Christentum und das Judentum und andere Religionsgemeinschaften. Also auch hier: Kein Pauschalurteil.

Wie unterstützt die evangelische Kirche die neuankommenden Flüchtlinge?

Wüster: Es gibt in vielen Gemeinden Arbeitsgruppen, die sich um die ankommenden Flüchtlinge kümmern und ihnen Hilfestellungen geben. Das können ganz praktische Dinge sein, wie das Ausfüllen eines Formulars. Das kann aber auch seelsorgerliche Begleitung sein angesichts der Traumatisierungen, die nicht wenige Flüchtlinge erlitten haben.

Ist die Kirche bereit, eigene Gebäude für diese Menschen zur Verfügung zu stellen?

Wüster: Meine eigene Kirchengemeinde Hersel wird ihr Jugendhaus für Flüchtlinge zur Verfügung stellen. Die Kinder- und Jugendarbeit wird in das vorhandene Gemeindezentrum integriert und dort weitergeführt. Viele Gemeinden haben eine solche Möglichkeit nicht. Und wenn sie die Möglichkeit haben, dann kann es auch passieren, dass die Gebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen aus verschiedenen Gründen nicht geeignet sind.

Nicht nur die Stadt Bonn muss gewaltig sparen, aber viele Bürger sagen: Bei mir nicht. Was ist zu tun?

Wüster: Man wird bei Spardiskussionen nicht verhindern können, dass sich diejenigen, die von Sparbeschlüssen betroffen sind, wehren. Aber es wird nicht gelingen einzusparen, ohne dass Menschen betroffen sind. Deshalb wird man nicht um schmerzhafte Entscheidungen herumkommen. Die entscheidende Frage ist für mich, wer von welchen Sparbeschlüssen betroffen ist. Nach welchen Kriterien wird eingespart? Auch beim Sparen gilt, dass die mehr tragen müssen, die auch mehr zu leisten imstande sind.

Auch die evangelische Kirche im Rheinland steht vor gewaltigen finanziellen Problemen, der Standort des Hauses der Begegnung in Bad Godesberg soll deshalb aufgegeben werden. Die Meinung des Kirchenkreises dazu?

Wüster: Der Kirchenkreis Bonn hat zu dieser Frage keine einhellige Meinung; zumal das Haus der Begegnung im Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel liegt. Der Vorschlag, der auf der kommenden Landessynode diskutiert wird, sieht nicht vor, die Arbeitsfelder der Akademie und des Pädagogisch-theologischen Instituts (PTI) aufzugeben. Das PTI soll auch – wenn irgend möglich – in Bonn erhalten bleiben. Aber der Betrieb eines Tagungshauses ist nicht kostendeckend möglich. Deshalb wird darüber nachgedacht, wie die Kosten gesenkt werden können.

Trotz höherer Kirchensteuereinnahmen?

Wüster: Wir verzeichnen zwar derzeit höhere Kirchensteuereinnahmen. Aber die reichen in vielen Haushalten nicht aus, um die gestiegenen Kosten, zum Beispiel verursacht durch höhere Lohnabschlüsse, auszugleichen. Die gestiegenen Einnahmen helfen, dass das Defizit geringer ausfällt.

Hat die Diskussion um den Kirchensteuereinzug auf Kapitalertragssteuern ab Januar Sie überrascht?

Wüster: Die Kapitalertragssteuer gibt es ja schon länger; ebenso, dass diese Steuer für die Berechnung der Kirchensteuer herangezogen wird. Geändert hat sich das Verfahren. Die Kapitalertragssteuer wird nun automatisch von den Banken abgeführt. Der Begriff „Steuer“ ist einfach nicht positiv kommunizierbar. Es sind auch nur wenige Kirchenmitglieder davon betroffen. In diesem Zusammenhang sei noch einmal daran erinnert, dass lediglich ein Drittel der Kirchenmitglieder Kirchensteuern bezahlt. Alle anderen zahlen keine Lohn- oder Einkommenssteuer und sind deshalb auch nicht kirchensteuerpflichtig.

Wie viele Austritte gab es wegen des neuen Verfahrens?

Wüster: Wie viele Mitglieder nun wegen der Kapitalertragssteuer ausgetreten sind, wissen wir nicht, da wir in der Regel nichts über die Gründe eines Austritts erfahren. Aber es wird sicherlich ein Zusammenhang bestehen. Wahrscheinlich sind auch Menschen aus der Kirche ausgetreten, die gar keine Kapitalertragssteuer zahlen müssen. Aber entscheidend für einen Kirchenaustritt ist für mich die Frage, ob es noch eine innere Verbindung zur Kirche gibt oder nicht. Besteht eine solche Bindung nicht mehr, dann ist die Bereitschaft zum Austritt natürlich größer. Die Austritte sind auch eine kritische Anfrage an unsere Arbeit als Kirchen.

Ihr Wunsch fürs neue Jahr?

Wüster: Mehr Friede auf Erden. Mehr Bereitschaft, Frieden auch im eigenen privaten Umfeld zu wagen. Die modernen Pranger in den sozialen Netzwerken abschaffen.

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ger / 31. Dezember 2014



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