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Zu Gast auf der Kanzel:

Vergebung als „Dauerbrenner-Thema“ in der Bibel: Wise Guys-Sänger Eddi Hüneke zu Gast auf der Kanzel der Kreuzkirche

Unter dem Motto „Gernegroß– kleinkariert“ legte Hüneke die Geschichte vom Zöllner Zachäus aus dem Lukasevangelium aus und zog Vergleiche mit Dieter Bohlen und der Versöhnungsbewegung in Südafrika. Zudem erlebte das Publikum eine musikalische Weltpremiere.

"Gernegroß - kleinkariert": Eddi Hüneke legt auf der Kanzel der Bonner Kreuzkirche die Geschichte von Zachäus aus dem Lukasevangelium aus (Foto: Stefanie Patzal) Lupe"Gernegroß - kleinkariert": Eddi Hüneke legt auf der Kanzel der Bonner Kreuzkirche die Geschichte von Zachäus aus dem Lukasevangelium aus (Foto: Stefanie Patzal)

Sein Besuch in der Kreuzkirche war für Eddi Hüneke ein bisschen „wie nach Hause kommen“ - hatte er doch selbst viele Jahre im Chor der Kreuzkirche gesungen. Auch dem Großteil des Publikums, das zahlreich zur „Kanzelrede“ erschienen war, war Hüneke aus der Acapella-Gruppe Wise Guys bekannt.
Doch Sonntag Abend stand nicht (nur) der Gesang im Vordergrund, sondern der Sänger legte einen Text aus dem Lukasevangelium aus: Die Geschichte des kleinen und unbeliebten Zöllners Zachäus, der auf einen Maulbeer-Feigebaum geklettert ist, um den von einer Menschenmenge erwarteten Einzug Jesu in die Stadt beobachten zu können. Zur Verwunderung kehrt Jesus in Zachäus´ Haus ein. Jesu unerwartete Zuwendung zu dem verhassten Sünder Zachäus, kann als Beispiel für das „Dauerbrenner-Thema in der Bibel“ stehen: die Vergebung.

Nach seiner Kanzelrede begeistert Eddi Hüneke das Publikum mit dem Lied "Zachäus", das er zusammen mit Lothar Veit geschrieben hat (Foto: Stefanie Patzal) LupeNach seiner Kanzelrede begeistert Eddi Hüneke das Publikum mit dem Lied "Zachäus", das er zusammen mit Lothar Veit geschrieben hat (Foto: Stefanie Patzal)

Transfer ins hier und jetzt: der Dalai Lama und Dieter Bohlen auf der Museumsmeile in Bonn

Doch Hüneke holte das Publikum erst mal im hier und jetzt ab, indem er die Situation damit vergleicht, dass der Dalai Lama von seinen Anhängern auf der Bonner Museumsmeile erwartet wird und sich plötzlich und völlig unerwartet Dieter Bohlen nach vorne drängelt.
„Bohlen ergreift das Mikrofon. Er wendet sich ans Publikum, an uns. Er fällt auf die Knie und entschuldigt sich für Modern Talking. Er spendet rückwirkend die Hälfte seiner Gagen – allein durch die gespendeten DSDS-Gelder können mehrere afrikanische Länder mit ausreichend Nahrung, Bildung und ziemlich schnellem Internet versorgt werden. (Bohlen bekam 1,2 Millionen Euro pro DSDS-Staffel.) Dieter Bohlen verspricht an diesem Tag auf der Museumsmeile allen anwesenden Fernsehzuschauern, die mal aus Versehen in seine Sendungen reingezappt haben, dass er die Kosten für ihre post-traumatische psychologische Betreuung in vierfacher Höhe übernimmt.“
Nach dieser unterhaltsamen Einlage macht sich Hüneke an die Beantwortung der Frage, warum Jesus ausgerechnet Zachäus ausgewählt hat. „Genauer: Was war Jesu Motivation, diesen Unbeliebtesten aus der Menge – Zachäus – rauszupicken und sich damit selber unbeliebt zu machen? Seine Beweggründe werden im letzten Satz erläutert: „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ Was verloren ist. Für mich hat die Suche nach dem Verlorenen, das Selig-Machen des Verlorenen, mit Verzeihen zu tun. […] Ich selber glaube, dass die Fähigkeit zum Verzeihen einer der Schlüssel zu gelingenden Beziehungen ist. Vielleicht der wichtigste.“

Der Chor der Kreuzkirche "Vox Bona" unter der Leitung von Christoph Behrens-Watin sorgt für die musikalische Untermalung des Abends. Eddi Hüneke stimmt spontan in das Schlusslied "Viva la Vida" mit ein (Foto: Stefanie Patzal) LupeDer Chor der Kreuzkirche "Vox Bona" unter der Leitung von Christoph Behrens-Watin sorgt für die musikalische Untermalung des Abends. Eddi Hüneke stimmt spontan in das Schlusslied "Viva la Vida" mit ein (Foto: Stefanie Patzal)

Parallelen zum Versöhnungsprojekt in Südafrika

Dazu zieht Eddi Hüneke Parallelen zum Versöhnungsprojekt in Südafrika, bei dem Opfer und Täter des Apartheidsregimes zusammengebracht werden. Für diese Aussöhnung setzt sich Friedensnobelpreisträger und Gefährte von Nelson Mandela, Desmond Tutu, ein. Versöhnung statt Vergeltung, lautet sein Motto.
„Wenn ich an einer vermeintlichen oder echten Verletzung festhalte“, so Hüneke, „dann kreise ich immer wieder um die Kränkung. Sie lässt mich nicht los, ich bleibe in ihrer Gewalt, lasse mich immer wieder kränken und verletzen. Es gibt nur einen Weg, sie loszulassen und mich auf Neues auszurichten: Die Verletzung loslassen, verzeihen. Ich als Opfer bin der einzige, der loslassen kann – das ist grundsätzlich möglich und unabhängig davon, ob sich der Andere entschuldigt oder nicht.“

Das Opfer sei es, das am meisten zu gewinnen habe, wenn es ums Verzeihen geht. Vielleicht glaubten wir, dass Täter bestraft werden müssten und es Opfern dann besser gehe. Aber der entscheidende Befreiungsschlag, um sich von einer Verletzung loszumachen, sei das Verzeihen. Allerdings könne man Verzeihen nicht von sich erzwingen, da dies dann kein „echtes“ Verzeihen sei. Das „echte“ Verzeihen sei ein Geschenk, ein Ausdruck der Gnade Gottes.
Und auch die Täter würden nicht einfach ihrer Schuld enthoben, sondern bekämen eine neue Perspektive auf ihre Tat und könnten sich so auch für diese öffnen.

„Die hellen und dunklen Anteile in jedem von uns“

An dieser Stelle greift er auf eine Vorübung vom Anfang seiner Rede zurück, als er die Zuhörer begrüßt hatte: „Ich möchte Sie und euch alle herzlich willkommen heißen, und auch alle hellen und dunklen Anteile von jedem herzlich willkommen heißen.“ In jedem von uns seien dunkle Seiten, verlorene Teile, für die man sich schäme oder vor denen man Angst habe. In sich finde er auch Anteile, die verloren seien: zerbrochene Träume, unerfüllte Wünsche, nicht eingehaltene Versprechen. „In manchem bin ich vielleicht gar nicht so weit entfernt von meinem Prügelknaben Dieter Bohlen. Ich bekenne: Auch ich habe schlechte Musik geschrieben“, fügt Hüneke selbstironisch hinzu.

Zachäus wurde ausgewählt, da Jesus vorrangig sehe, was jetzt im Moment ist – dass Zachäus extra auf den Baum klettert, um ihn zu sehen. Und jetzt habe die Chance seine verlorenen Anteile wiederzufinden, weil Jesus sie annehme und ihm so verzeihe. Jesus sieht in ihm schon den heilen, kompletten Menschen und das genüge den Heilungsprozess in Zachäus loszutreten.
„Gott sieht mich wie ich bin, er vergibt mir meine Brüche, er nimmt alle Teile so wie sie sind und integriert sie, ermöglicht die innere Heilung. Ich muss nicht perfekt sein, ich darf mir auch selbst verzeihen.
In der Geschichte von Zachäus wird für mich spürbar, dass diese Macht der Vergebung für jeden da ist, und für alle Anteile von mir, egal wie verloren ich sie glaubte.“

Musikalische Weltpremiere

Auf die Kanzelrede folgt die Weltpremiere eines Liedes, das Eddi Hüneke zusammen mit Lothar Veit komponiert und getextet hatte. Beim Refrain des Liedes „Zachäus“ singt das Publikum mit: „Gernegroß, kleinkariert, was immer du auch bist. Einer kommt, sucht und rettet, was verloren ist“.

Eingerahmt wurde der Abend vom Kammerchor der Kreuzkirche Vox Bona unter Leitung von Christoph Behrens-Watin. Die Sänger stimmten die Gäste mit dem Stück „Das Grab“ von dem russischen Komponisten Sergej Taneyev ein und beendeten den Abend mit dem bekannten Song „Viva la Vida“ von Coldplay, bei dem Eddi Hüneke spontan mit einstimmte.
In 20 Jahren, in denen die Reihe „Kanzelreden“ jetzt schon durchgeführt werde, habe er „so ein Gesamtkunstwerk noch nicht erlebt“, fasste der Veranstalter Axel von Dobbeler vom Evangelischen Forum den Abend zusammen.

Nächste Kanzelrede am 21. Februar 2016

Schon in drei Wochen, am 21. Februar, wird Star-Trompeter und Dirigent Ludwig Güttler auf der Kanzel stehen und über das „Gleichnis von den anvertrauten Talenten“ aus dem Lukasevangelium predigen.

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Johanna Nolte / 01.02.2016



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