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„Mein Sohn war tot und er ist wieder lebendig geworden.“ In diesem Satz des Vaters gipfelt die Geschichte „Vom verlorenen Sohn“ in der Bibel. Es ist toll, wenn eine schwierige Familiengeschichte so heilt, dass nach Jahren der Entfremdung und Distanz ein Vater einen solchen Satz sagen kann.

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Osterbotschaft des Bonner Superintendenten Eckart Wüster

Ostern 2016: Mit dem Herzen sehen

Von „Osteraugen“ und dem besonderen Blick auf das Leben nach den Erfahrungen von Tod und Auferstehung spricht der Bonner Superintendent und Herseler Pfarrer Eckart Wüster in seiner Osterpredigt 2016. Lesen Sie hier seine Worte:

Pfarrer und Superintendent Wüster verbindet Karfreitag und Ostern: Es geht ihm um das Leben und die Sicht darauf (Foto: Meike Böschemeyer) LupePfarrer und Superintendent Wüster verbindet Karfreitag und Ostern: Es geht ihm um das Leben und die Sicht darauf (Foto: Meike Böschemeyer)

Kennen Sie den Brauch des Osterwassers? Er stammt aus Frankreich, aus der Normandie. Da waschen sich die Menschen am Ostermorgen die Augen mit klarem Wasser, ganz bewusst und voller Hoffnung, dass sie „Osteraugen“ bekommen. Osteraugen, mit denen sie besser sehen. Mit denen sie das sehen, was unsichtbar ist und doch wirklich. Ganz einfach: Mit denen sie Ostern sehen. Es ist das Sehen, von dem St. Exupery sagt, dass man nur mit dem Herzen gut sieht, weil das Wesentliche in unserem Leben unsichtbar ist.

Wer Osteraugen hat, dem fällt es wie Schuppen von seinen Augen. Von den Augen, die so oft im Jahr, die meiste Zeit leider, gar nicht österlich zu sehen imstande sind, eher karfreitäglich, trübe, dunkel, gar nicht hell.

Karfreitagaugen, die sich gefangen nehmen lassen von den Schreckensbildern und Schreckensnachrichten dieser Welt. Die Karfreitagaugen, die entsetzt sind über das, was Menschen einander antun können. Tatsächlich: wir brauchen Osteraugen. Nicht, um das Schreckliche zu relativieren, sondern um dem Schrecken seine alles beherrschende Macht zu nehmen.

Wir brauchen Osteraugen. Damit wir den Auferstandenen sehen. Wer wünscht sich das nicht? Endlich Sicherheit haben, ob das eigentlich stimmt mit der Auferstehung; ob wir wirklich Grund zur Hoffnung haben oder ob wir einer einzigen großen Illusion aufgesessen sind mit unserem Glauben.

„Auch wenn 500.000 sagen würden, ich habe den Auferstandenen gesehen ..."

Liebe Gemeinde, so wird es ja sein: zum Glauben finden; das erhalten, was mir hilft zu leben angesichts der Karfreitagserfahrungen – solchen Glauben finden, das wird nie durch „Beweise“ geschehen. Und wenn 500.000 sagen würden, ich habe ihn gesehen, so bin ich persönlich noch lange nicht ergriffen.

Beweise helfen nicht weiter. Aber ich kann Ihnen berichten von Menschen, die in mir den Glauben geweckt haben. Oder: bestärkt. Oder vorm Verlöschen bewahrt, manchmal. Die hat es gegeben, die gibt es, die werden hoffentlich auch in Zukunft da sein. Die Eltern, Freundinnen und Freunde, Gemeindeglieder, die ihren Glauben bewahrt haben, allen Widerständen zum Trotz. Manche von ihnen werden gar nicht wissen, welchen Dienst sie mir erwiesen haben. Oft ging es gar nicht um „Glaubensfragen“. Oft war das ganz „alltäglich“, „nicht der Rede wert“ – und doch: da ist etwas Entscheidendes in mir angerührt worden..

Ich vermute, dass vielen ebenfalls Menschen und Situationen einfallen, die „trotz allem“ Glauben in ihnen geweckt haben. Oder Menschen, die die Fragen wach gehalten haben. Nicht selten besuchen Menschen einen Gottesdienst nicht, weil sie so fest und unerschütterlich im Glauben wären, sondern weil sie auf der Suche sind. Und der Wunsch zu suchen und zu finden, ist nicht selten durch Begegnungen mit anderen wach gehalten worden. Und deshalb geht man immer wieder einmal in der Hoffnung, der eigene Glaube möge gestärkt werden.

Es sind vielleicht Begegnungen, wie sie die Jünger gehabt haben, die am Ostermorgen auf dem Weg nach Emmaus waren. Müde gehen die beiden traurigen Jünger heim. Sie hatten gerade die Katastrophe ihres Lebens durchleiden müssen. Der, dem sie vertraut hatten, dem Jesus von Nazareth, war hingerichtet worden. Auf dem Weg nach Emmaus begegnet ihnen ein Fremder, der sie danach fragt, wie es ihnen geht. Zusammen mit ihm bleiben sie auf dem Weg. Beim gemeinsamen Abendessen bricht er das Brot. Mit einem Mal bekommen sie Osteraugen, sie erkennen in dem Fremden den Vertrauten, den Freund, den Totgewesenen.

Ja, so geht es manchmal, mitten in unserem Leben. Eine Ostergeschichte, die von Auferstehung erzählt. Manchmal werden uns die Augen aufgetan, und nicht selten dann, wenn wir ganz traurig und wie verloren sind. Dann wird es in der Geste eines Fremden, scheinbar Fremden plötzlich sichtbar, das Osterlicht, die Auferstehung.

Wir können diese Erfahrungen nicht „machen“. Wir können sie nicht „herstellen“. Leider können wir das nicht. Aber in unserem Leben mit solchen Erfahrungen rechnen und sie erwarten mit all unseren Sinnen, das können wir. Wenn wir nicht so auf- oder abgeklärt sind, dass wir immer schon alles im Vorhinein wissen. Wenn wir eben nicht voller Skepsis auf unser Leben sehen und keine Besserung, keine Änderung, keine Umkehr mehr erhoffen.

Osteraugen: Anders hinsehen

Anders hinsehen. Andere Augen erhalten, Osteraugen. Das lehrt uns Ostern. Ostern sieht man besser. Vielleicht könnten wir den Brauch aus der Normandie bei usn einführen. Dann könnten wir am Taufbecken stehen und uns die Augen mit Wasser waschen. Dann würden wir zugleich daran erinnert, dass wir getauft sind und dass damit unsere Biographie untrennbar verbunden ist mit dem Leben Gottes, das auch im Tod Bestand hat.

Ich wünsche uns offene, geöffnete Augen, damit wir den Mut finden, durch die Karfreitage hindurch zu schauen hin auf das Licht, das Ostern in die Welt gekommen ist.
Christus ist auferstanden.
Er ist wahrhaftig auferstanden. Amen

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ger / 16.03.2016



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