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Die Reformation als bleibende Aufgabe für die Christenheit: der Theologe Eugen Drewermann (links) und Pfarrer Siegfried Eckert in Leipzig im Gespräch (Foto: Tanja Kaschiscke)

Forum Reformation debattiert über Zukunft der Kirchen und Ökumene

Aufruf „zum heiligen Ungehorsam“

Das „Forum Reformation" hat längst bundesweite Ausstrahlung. Entstanden ist diese Bewegung in Bonn rund um den Friesdorfer Pfarrer Siegfried Eckert. K. Rüdiger Durth berichtet von der ersten zentralen Veranstaltung des Forums jüngst in Leipzig:

Leipzig. „Unser europäischer Kontinent wird gewiss in zunehmendem Maße auch ins Visier missionarisch-expansiver Christentumsformationen geraten, denen wir uns stellen müssen. Und wenn es uns dann nicht so gehen soll wie der im frühen 16. Jahrhundert als gewordenen und angesichts der Dynamik der Reformation auch alt aussehenden Scholastik, sind wir gut beraten, wenn wir uns auf diese Auseinandersetzung vorbereiten, wenn wir Ballast abwerfen und wenn wir unsere Kirche auf das ausrichten, was unbedingt not tut – die Bibel als Quelle der göttlichen Wahrheit, die Gnade als Quelle des Heils. Damit dies gelingt, brauchen wir Evangelischen – auch das lehrt uns die Leipziger Disputation – vor allem drei Dinge: Theologie, Theologie, Theologie.“
 

Luthers Tintenfleck lässt grüßen: das Signet des Forum Reformation Luthers Tintenfleck lässt grüßen: das Signet des Forum Reformation

Mit diesen Worten beendet der Göttinger Theologieprofessor Thomas Kaufmann das dreitägige Symposium des vor einem halben Jahr in Lutherstadt Wittenberg von dem Bonner Pfarrer und Buchautor Siegfried Eckert ins Leben gerufene Forum Reformation (FoRe) aus Anlass des 500. Jahrestages der Disputation zwischen Johannes Eck und Martin Luther in Leipzig. „Die historische Bedeutung der Leipziger Disputation ist kaum zu überschätzen“, findet Kaufmann, und strahlt bis in die Gegenwart. Es geht um das Kirchenverständnis, die Rolle der Kirche, um die Bedeutung der  Laien und um die Fake News, die damals schon eine große Rolle spielten, indem vor allem Karlstadt Johannes Eck vorwarf, die Kirchenväter absichtlich falsch zu zitieren.

Aber es ging bei diesem Symposium nicht nur um die Aufarbeitung der historischen Bedeutung der Leipziger Disputation, die zu den Grundlagen der Bildung evangelischer Landeskirchen zählt, sondern auch um aktuelle Fragen wie der gemeinsamen Eucharistie. Hier prallten die Auffassungen von Professor Eugen Drewermann aus Paderborn und dem DDR-Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer auf der einen und der katholischen Theologieprofessorin Dorothee Sattler aus Münster auf der anderen Seite aufeinander.

Heftige Kritik an Trennung der Konfessionen

Heftig kritisierte Schorlemmer die weiter bestehende Trennung von Katholiken und Protestanten bei der Eucharistie und rief die Gemeinden „zum heiligen Ungehorsam“ auf, was bei den Teilnehmern des Symposiums viel Beifall fand. Für Professorin Sattler sind die theologischen Grundfragen zwischen den beiden Konfessionen längst einvernehmlich geklärt, aber es fehle an der Anerkennung durch die Kirchenleitungen, „auch der evangelischen“.

 

Drewermann kritisierte auf dem Symposium scharf  „die Pfaffen“, die Gottes Liebe predigten, aber den Erhalt ihrer Konfession und ihrer Kirchensteuern höher stellen. Empört zeigte sich Drewermann über die Abweisung libyscher Flüchtlinge an der europäischen Außengrenze: „Wie können wir Abendmahl feiern, wenn wir Deutschland erlauben, diese Politik in der EU durchzusetzen?

Für den Leipziger Theologieprofessor Armin Kohnle war der Kern der Leipziger Disputation ein Grundkonflikt darüber, was die Kirche sei: „Das reformatorische Verständnis der Kirche als der Gemeinschaft der Glaubenden unter dem einen Haupt Christus zwang Luther zum Nachdenken über die Frage, wie diese wahre, unsichtbare Kirche zur hierarchischen Papstkirche des Mittelalters stand. Die Unvereinbarkeit der beiden Kirchenbegriffe ist Luther zwar erst nach Leipzig voll bewusst geworden, doch war diese Erkenntnis durchaus eine Folge der Disputation, die demzufolge als Impuls verstanden werden kann, der reformatorischen Theologie ein neues kirchliches Gehäuse zu schaffen. Leipzig war eine wichtige Etappe, nicht nur dafür, dass die römische Kirche Luther die Kirchengemeinschaft aufkündigte, sondern auch dafür, dass die evangelische Seite in den kommenden Jahren sich ihre eigenen Landeskirchen schuf. Johannes Eck prägte mit seinem auf das Petrusamt basierenden Kirchenverständnis die Ekklesiologie der römischen Seite während der Reformationszeit. Für ihn stand das Urteil über Luther nunmehr fest: Er war für ihn ein böhmischer Ketzer.“

Im Blick auf die damalige öffentliche Wirkung der Disputation war Luther klar im Vorteil: Die Buchdrucker rissen sich um Mitschriften, Studenten nahmen an der Disputation teil und waren begeistert von der neuen Art Luthers, über Gott und die Kirche zu reden. Und in der Bevölkerung kam auch gut an, dass der Wittenberger Professor ab und an in Deutsch redete. Auch in einem Gottesdienst. Kohnle: „Das also hatte die Disputation zu Leipzig in jedem Fall bewirkt: Viele Menschen, ob gelehrt oder nicht, begriffen, dass der reformatorische Aufbruch mehr war als leeres Theologengezänk- Sie verstanden, dass es um die wichtigsten Fragen christlicher Existenz ging und dass sie selbst davon betroffen waren.“

Ökumene und Papstamt

Für den Göttinger Kirchenhistoriker und Theologen Kaufmann hat seit der Leipziger Disputation die Infragestellung der päpstlichen Autorität als irreversibles Merkmal des Protestantismus in der Vielfalt seiner Erscheinungen zu gelten: „Ein evangelischer Ökumenismus, der den wurzelhaften, d.h. radikalen, Antipapalismus der Reformation verkennt und Blütenträumen der Anerkennung eines päpstlichen „Ehrenprimates“ anhängt, muss als historisches Selbstmissverständnis zurückgewiesen werden.“ Für Kaufmann stellt die Leipziger Disputation  „einen Meilenstein in der Geschichte intellektuellen Ringens und das Monument einer Streitkultur dar, in der – wie Luther es später formulierte – ‚die Geister aufeinander platzen können‘, ohne fürchten zu müssen, mundtot gemacht zu werden. Insofern gehört die Leipziger Disputation hinein in eine Geschichte der Diskussions- und Meinungsfreiheit, ist Leipzig ein großer Freiheitsort.“

Weitere Infos: www.forumreformation.de

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K. Rüdiger Durth / ger / 16.04.2019



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