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Rainer Eppelmann: „Ich möchte 93 Jahre alt werden, dann hätte ich ein Jahr länger in einer Demokratie als in einer Diktatur gelebt!“ (Foto: Gerhard Becker)

Kirchengemeinde Hardtberg und Evangelisches Forum Bonn:

Immer wieder einsetzen für die Demokratie: Rainer Eppelmann in der Matthäikirche

„Uns ging es noch nie so gut wie heute“  Kirche in Diktatur und Demokratie, das war das Motto von Rainer Eppelmann, Vorsitzender des Vorstands zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, an diesem wieder einmal höchst anregenden Montagsvortrags-Abend der Evangelischen Kirchengemeinde Hardtberg.

„Demokratie ein köstlich Gut“, sie nicht als Selbstverständlichkeit zu nehmen, empfahl Pfarrer Rainer Eppelmann den Gästen Anfang November in der gut gefüllten Matthäikirche und an den Bildschirmen zu Hause. Dabei nahm er Bezug auf den Titel seines Vortrags.

Über den Mut der Tausenden mit Kerzen in der Hand

Als Zeitzeuge schilderte eindrucksvoll, welche Auswirkung das diktatorische DDR-Regime auf Menschen haben konnte. „Mit dem Rücken zur Wand, Schnauze halten, sich wegducken“ Resignation als eine Folge des Umgangs mit der ständigen Angst vor Repressalien, so Eppelmann. Es waren schließlich einzelne Kirchen, die Raum boten für Andersdenkende, wie zum Beispiel die sogenannten. „Blues-Messen“ in seiner Berliner Samariterkirche, die Friedensgebete in der Leipziger Nikolaikirche. Er betonte den großen Mut, den tausende Menschen aufbrachten, um diesen Veranstaltungen beizuwohnen und schließlich 1989 mit Kerzen in der Hand auf die Straße zu gehen, wo sich immer mehr Menschen anschlossen. Sie wurden Träger der „Friedlichen Revolution“, die schließlich zur „Wende“ führte.

„Montagsvortrag“: die Veranstalter Bärbel Kliesch (rechts), Vorsitzende des AK Erwachsenenbildung der Kirchengemeinde Hardtberg, und Pfarrer Martin Engels (links), Leiter Evangelisches Forum, mit Rainer Eppelmann (Foto: G. Becker) Lupe„Montagsvortrag“: die Veranstalter Bärbel Kliesch (rechts), Vorsitzende des AK Erwachsenenbildung der Kirchengemeinde Hardtberg, und Pfarrer Martin Engels (links), Leiter Evangelisches Forum, mit Rainer Eppelmann (Foto: G. Becker)

Rainer Eppelmann hat viele Facetten der DDR- Diktatur selber als Ostberliner erleben müssen: als Nicht-Mitglied der FDJ keine Zulassung zum Abitur, Ausbildung zum Maurer, achtmonatige Freiheitsstrafe wegen Verweigerung des Wehrdienstes an der Waffe, als Pfarrer Bespitzelung bis hin zu Anschlägen auf ihn. Als engagierter Bürgerrechtler war er Mitinitiator des „Berliner Appells“, 1989 Gründungsmitglied des Demokratischen Aufbruchs, 1990 schließlich Abrüstungs-und Verteidigungsminister in dem einzigen frei gewählten, darauf legte er besonderen Wert, Parlament der DDR bis zur Wiedervereinigung.

In der Matthäikirche ganz in seinem Metier: der Politiker, Bürgerrechtler und Pfarrer Rainer Eppelmann (Foto: G. Becker) LupeIn der Matthäikirche ganz in seinem Metier: der Politiker, Bürgerrechtler und Pfarrer Rainer Eppelmann (Foto: G. Becker)

Eppelmanns persönlicher augenzwinkernder Wunsch am Schluss seines beeindruckenden, sehr lebendigen Vortrags: Er möchte 93 Jahre alt werden (Jg.1943), dann würde er ein Jahr länger in einer Demokratie als in einer Diktatur gelebt haben!

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Barbara Kliesch / ger / 17.11.2021



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