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Das aktuelle "Wort zum Sonntag aus der Rundschau":

Luther Alaaf!

Ein uraltes Vorurteil ist längst widerlegt: Protestanten steigen zum Lachen in den Keller.

Mit Gottes Wort in den Karneval: Evangelische und katholische Kirche bei der feierlichen Einsegnung der Jecken und Wagen des Bonner Festausschusses zum Bonner Rosenmontagszug 2017 (Foto: A. Archut) LupeMit Gottes Wort in den Karneval: Evangelische und katholische Kirche bei der feierlichen Einsegnung der Jecken und Wagen des Bonner Festausschusses zum Bonner Rosenmontagszug 2017 (Foto: A. Archut)

Zumindest hier bei uns gilt das nicht. Wir Evangelen sind längst fester Bestandteil des rheinischen Karnevals und es gibt sogar evangelische Karnevalsprinzen.

Und auch wenn Luther nun wahrlich kein Rheinländer war, im 500. Jahr der Reformation sei doch an einen zentralen Satz des Reformators erinnert: „Gott hat keinen Gefallen an der Traurigkeit des Geistes, sondern will, dass wir mit Gott fröhlich sein sollen. Darum hat er seinen Sohn nicht gesandt, dass er uns betrübe, sondern fröhlich mache.“ Insoweit auch mal ein herzlich: Luther Alaaf!

Luther war zwar Sachse, aber Lebensfreude und Genuss durchaus zugetan. Und daher war für ihn klar: Lachen ist lebenswichtig und eine Gottesgabe. Und das in doppelter Hinsicht. Erstens:  Lachen über andere. Aus dieser Tradition schöpft ja auch der rheinische Straßen- und Sitzungskarneval als kostümierte Verhohnepiepelung der jeweils gerade amtierenden Fremdherrscher, seien es Franzosen oder Preußen mit ihren Gardeuniformen und überkandidelten Ordensdekorationen. Diesen Rosenmontag werden die Mottowagen Trump und andere populistische Menschentrenner aufs Korn nehmen. Gut so! Alaaf!

Doch wer über andere lacht, sollte auch über sich selbst lachen können. Das ist die zweite christliche Seite des Lachens und der eigentliche Sinn der Verkleidung im Karneval. Nicht andere auslachen, sondern sich selbst als Jeck auf die Schippe nehmen. Dann ist Lachen nicht verächtlich, sondern humorvoll. Nicht fratzig, laut und böse, sondern munter, verschmitzt und liebevoll. Und dann kann ich mir in diesen tollen Tagen sogar ein Bibelwort zu eigen machen. Jesus Sirach (Kap. 21. Vers 20) schreibt: „Der Tor lacht mit lauter Stimme, der Kluge aber lächelt leise!“ Alaaf!
Joachim Gerhardt

 

Kölnische/Bonner Rundschau Kölnische/Bonner Rundschau

Joachim Gerhardt, Pfarrer an der Bonner Lutherkirche und Pressesprecher des Kirchenkreises Bonn, schreibt alle drei Wochen das "Wort zum Sonntag" in der Gesamtausgabe der Kölnischen/Bonner Rundschau, auf Seite 4 in der der großen Tageszeitung in der Köln-/Bonner Region. Hier erfahren Sie mehr: www.rundschau-online.de

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25.02.2017



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