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Über dem Regenbogen

Er setzt sich an den Flügel und spielt den Klassiker „Somewhere over the rainbow“. So wie immer. Nicht ganz.

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Er hat uns errettet aus der Macht der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines geliebten Sohnes, in dem wir die Erlösung haben, nämlich die Vergebung der Sünden. Kolosser 1,13-14

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Das aktuelle „Wort zum Sonntag" aus der Rundschau:

Über dem Regenbogen

Er setzt sich an den Flügel und spielt den Klassiker „Somewhere over the rainbow“. So wie immer. Nicht ganz.

„Irgendwo über dem Regenbogen" ist manchmal auch ganz nah, wie hier über Beuel am Rhein (Foto: J. Gerhardt) „Irgendwo über dem Regenbogen" ist manchmal auch ganz nah, wie hier über Beuel am Rhein (Foto: J. Gerhardt)

Keith Jarrett, der wohl größte Jazzpianist unserer Zeit, hatte Tage zuvor aus nächster Nähe den Terroranschlag in Nizza erlebt, mehr als 80 Tote. Ernst wirkt er an diesem Abend, besonders nachdenklich – und dann dieses Lied von der biblischen Verheißung vom Glück und dem Traum von einer heilen Welt. Vom Regenbogen, den Gott als Zeichen des Lebens nach der Sintflut Noah und seiner Arche geschenkt hat.

München 2016. Die Aufnahme dieses außergewöhnlichen Klavierkonzerts ist gerade erst erschienen. „Somewhere over the rainbow“. Das Stück erklingt mit einer geradezu trotzigen Intensität: Wir wollen unsere Welt nicht denen überlassen, die sie zerstören.

 

Jerusalem 1942. In Europa sterben die Juden, entrechtet, entmenschlicht, vergast durch den nationalsozialistischen Massenmord. Es tobt der 2. Weltkrieg. In Israel verschärft sich der Konflikt zwischen den Religionen. Der Gelehrte Schalom Ben-Chorin schreibt, inspiriert von einem blühenden Baum vor seinem Fenster und Worten aus der Bibel vom Propheten Jeremia, das zärtliche Gedicht „Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt, ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt.“ Naive Poesie? Nein. Unverdrossene Worte der Hoffnung: „Dass das Leben nicht verging, so viel Blut auch schreit, achtet dieses nicht gering in der trübsten Zeit.“ Der Text findet sich als Lied im evangelischen Gesangbuch.

 

Muss man an der Welt nicht verzweifeln? Heute ist der Gedenktag an die Reichspogromnacht 1938. Der Anschlag auf die Synagoge in Halle ist gerade einen Monat her. Ist denn nie Ende mit Terror und Gewalt?

Es gibt viele Gründe zu verzweifeln. Wenn ich aber Lieder und Texte höre vom Regenbogen und vom Mandelbaum, dann spüre ich: Das Leben geht weiter! Und ich kann etwas dazu beitragen, auch wenn ich erst einmal nur leise mitsumme.
Joachim Gerhardt

Kölnische/Bonner Rundschau Kölnische/Bonner Rundschau

Joachim Gerhardt, Pfarrer an der Bonner Lutherkirche und Pressesprecher des Kirchenkreises Bonn, schreibt alle drei Wochen das "Wort zum Sonntag" in der Gesamtausgabe der Kölnischen/Bonner Rundschau, auf Seite 4 in der der großen Tageszeitung in der Köln-/Bonner Region. Hier erfahren Sie mehr: www.rundschau-online.de

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09.11.2019



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