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„Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland / Ein Birnbaum in seinem Garten stand.“ – Viele haben dieses Gedicht in der Schule auswendig gelernt. Und wenn nicht, dann lohnt es, die Verse von Theodor Fontane an diesem Wochenende zu lesen.

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Das aktuelle „Wort zum Sonntag" aus der Rundschau:

Unterm Birnbaum

„Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland / Ein Birnbaum in seinem Garten stand.“ – Viele haben dieses Gedicht in der Schule auswendig gelernt. Und wenn nicht, dann lohnt es, die Verse von Theodor Fontane an diesem Wochenende zu lesen.

Die Kunst zu teilen ist eine Lebenskunst, die sogar über den eigenen Tod hinaus noch Früchte trägt, lehrt die bemerkenswert geistliche Poesie von Theodor Fontane (Foto: J. Gerhardt) LupeDie Kunst zu teilen ist eine Lebenskunst, die sogar über den eigenen Tod hinaus noch Früchte trägt, lehrt die bemerkenswert geistliche Poesie von Theodor Fontane (Foto: J. Gerhardt)

Es ist der passende Text zum Erntedankfest. Denn es erzählt davon, wie gut und stimmig es ist, wenn Menschen dankbar sind für das, was das Leben ihnen schenkt, und aus diesem Gefühl heraus herzlich teilen.

 

„Und kam die goldene Herbsteszeit / und die Birnen leuchteten weit breit, / da stopfte, wenn´s Mittag vom Turme scholl, / der von Ribbeck sich beide Taschenvoll“ – und verteilte die Früchte seines Gartens zum Klang der Kirchenglocken (kleiner Hinweis des Dichters, dass hier Heiliges geschieht) an die Kinder des Ortes. Teilen bringt Segen. Teilen macht Freude. Teilen macht Freunde.

 

Doch das Glück scheint wie immer begrenzt. Der alte Ribbeck stirbt und sein Sohn im Haus mit Garten „knausert und spart / hält Park und Birnbaum streng verwahrt“.

Wer bin ich? soll sich der geneigte Hörer, die Hörerin fragen. Der Alte, der gibt? Oder der Neue, der den Reichtum und die Früchte seines Lebens bunkert? Vielleicht aus Angst, selbst zu wenig zu haben? Vielleicht aus Missgunst? Warum sollte ich verschenken, was mir gehört …?

 

Über diese offenen Fragen wächst aus dem Grab des alten Ribbeck auf wundersame Weise ein neuer Birnbaum, der bald Früchte trägt, dass die Kinder wiederkommen und ernten dürfen. Der Grund: Vater Ribbeck hatte sich weise „vorahnend schon“ eine Birne mit ins Grab legen lassen.

 

Erntedank als Lebenshaltung. Die Botschaft: Wer Gutes tut, wer teilt, der wirkt und das sogar über den Tod hinaus. Und er wird nicht vergessen. Was für ein Plädoyer für eine dankbar teilende Gesellschaft! – „So spendet Segen noch immer die Hand / des Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.“ 

Joachim Gerhardt

Kölnische/Bonner Rundschau Kölnische/Bonner Rundschau

Geistlicher Impuls zum Sonntag

 

Joachim Gerhardt, Pfarrer an der Bonner Lutherkirche und Pressesprecher des Kirchenkreises Bonn, schreibt alle drei Wochen das „Wort zum Sonntag" in der Gesamtausgabe der Kölnischen/Bonner Rundschau, auf Seite 4 in der der großen Tageszeitung in der Köln-/Bonner Region. Hier erfahren Sie mehr: www.rundschau-online.de

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02.10.2021



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