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Tsunami

Hilfe für Traumaopfer in Aceh

Seit der Tsunami-Katastrophe vor einem halben Jahr weiß die Bonner Juristin und Therapeutin Dr. Ruth Mischnick, was dran ist. Jetzt ist es so weit: Für zunächst vier Wochen fliegt sie in die Krisenprovinz Aceh in Indonesien.

Eine Körperhaltung für das Problem, eine für die Lösung: Dr. Ruth Mischnick. Eine Körperhaltung für das Problem, eine für die Lösung: Dr. Ruth Mischnick.

Mischnick reist ausgerüstet mit Spendengeldern und in Kooperation mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst (EED), der Diakonie-Katastrophenhilfe und Medica Mondiale. Eingeladen wurde die Expertin von Pulih, einer evangelischen Organisation, die Traumaopfer betreut. In mehreren Seminaren soll Ruth Mischnick sowohl die Therapeuten wie auch Beratende aus Kirchengemeinden und Kommunen in ihrer Methode der Traumatherapie schulen.

Seit ihrem dreijährigen Aufenthalt bis Sommer 2004 weiß die 39-Jährige: „Gerade in Aceh leben Menschen, die seit 26 Jahren nichts anderes kennen als Bürgerkrieg. Jetzt müssen sie auch noch mit den Folgen der Flutwelle fertig werden.“ Angedacht ist, diese Fortbildungen in regelmäßiger Folge weiter zu führen. Vor ihrem Abflug sprach Renate Hofmann mit Dr. Ruth Mischnick.


Welche Besonderheiten berücksichtigen Sie bei der Traumatherapie mit  Menschen in Indonesien?
Durch mein Wissen und die Erfahrung im kulturellen Umfeld Indonesiens ist mir bewusst geworden, dass körperbezogene Therapieansätze sinnvoll sind. Für Menschen in Indonesien gehören Tanzen und Erzählen zum täglichen Leben. Die von mir entwickelte Therapieform bewegt sich in der Spannung zwischen Erzählen und tänzerischem Ausdruck, zwischen Trauma und Bewältigung. Das bedrückende Erlebnis wird nicht als negatives Ereignis belassen, sondern als Ressource auf dem Weg zur angestrebten Bewältigung genutzt. Eine Körperhaltung, die das Problem darstellt, und eine, die die angestrebte Lösung sein soll, werden gemeinsam erarbeitet. Damit wird die Problemhaltung zum ersten Schritt in Richtung Bewältigung. Im dialektischen Tanz des Hin- und Herpendelns zwischen Problem und Lösung wird der Weg frei für die Bewältigung.

Gibt es einen evangelischen Bezug in der Traumatherapie?
Ich habe festgestellt, dass Glauben für die evangelische Minderheit im überwiegend muslimischen Indonesien von großer Bedeutung ist. Für Menschen, die bedrohliche Ereignisse überlebt haben, ist ihre Religion ein Teil ihrer Lösungsvision, die gelebt werden will. Für eine Klientin war es wichtig, wieder öffentlich beten zu dürfen. Sie war Flüchtling in Sulawesi, die aus religiösen Gründen verfolgt wurde. Man muss dazu wissen: Ohne Gebet findet in Indonesien der Tag nicht statt.

Wie wurden Sie als Juristin zur Therapeutin?
Jeder Mediationsansatz geht davon aus, dass Menschen in der Lage sind, den Anderen zu sehen und dann Frieden zu schließen. In den drei Jahren als Mediatorin wurde mir immer deutlicher, dass das nicht ausreicht, um den Bedürfnissen von Menschen gerecht zu werden, die Kriege überlebt haben. Das ist ein universelles Thema. Gerade weil ich schon Therapeutin war, wurde mir klar, diese Menschen müssen die Chance erhalten, sich erst einmal selber zu spüren und eine Heilung zu erreichen.

 

 

 

 


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