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Landessynode 2007

Persönliche Bonner Eindrücke

Die Synode 2007 unserer evangelischen Kirche im Rheinland hat getagt. Hier lesen Sie persönliche Eindrücke unserer Bonner Synodalen in Bad Neuenahr: Superintendent Eckart Wüster, Dorothea Geffert, Wolfgang Knoch und Pfarrer Siegfried Virgils.

Vom 7.-12. Januar tagte das rheinische Kirchenparlament in guter Tradition an der Ahr. (Foto: ekir.de) Vom 7.-12. Januar tagte das rheinische Kirchenparlament in guter Tradition an der Ahr. (Foto: ekir.de)

Pfarrer und Superintendent Eckart Wüster: „Ich habe die Synode als ernsthaft erlebt. Alle sind sich der Schwere der Entscheidungen bewusst gewesen, die anstanden. Änderungen der presbyterial-synodalen Ordnung unserer Kirche zu bedenken und zu beschließen oder ein neues Dienst- und Arbeitsrecht auf den Weg zu bringen – das macht man nicht einfach so nebenher.
Und gleichzeitig ein Wort zur Familiengerechtigkeit zu sagen und zu Gewalt, Krieg und Folter – das zeigt sehr deutlich, dass die Landessynode sich ein großes Programm vorgenommen hatte, das es zu bewältigen galt.
Nicht alles fand ungeteilte Zustimmung. Vor allen in den Ausschüssen wurde bis spät in die Nacht um Ergebnisse gerungen, die von möglichst vielen getragen werden können. Nun gilt es, diese Ergebnisse in die Gemeinden und Kirchenkreise zu übertragen. Denn nur gemeinsam auf allen Ebenen unserer Kirche können wir unserer Kirche eine Gestalt geben, die den Anforderungen unserer Zeit gerecht werden.“

Der Bonner Superintendent Eckart Wüster war auf der Landessynode in die Kirchenleitung der Rheinischen Landeskirche gewählt worden.

Dorothea Geffert: "Es wurde wirklich fleißig getagt – die Sitzungen hörten oft gegen  22 Uhr auf, einmal sogar erst um 23.30 Uhr - und morgens um 9 Uhr ging es weiter. Anstrengend!! Die Diskussionen fanden meistens auf hohem Niveau statt und die Landessynodalen hatten bei ihren Entscheidungen die ganze rheinische Kirche im Blick und nicht nur ihre Gemeinde oder ihren Kirchenkreis.Der theologische Nachwuchs machte an den ersten Tagen durch ständige Präsenz deutlich auf seine Probleme, die Sorge um fehlende Pfarrstellen, aufmerksam: „Nicht mit uns!“ war das Motto.
Immer wieder wurde betont, das die Gemeinden in Zukunft stärker zusammenarbeiten müssen! Die Pfarrstellenzahl muss wg. sinkender Einnahmen in den nächsten 25 Jahren halbiert werden. Um die weitgreifenden Entscheidungen der nächsten Jahre kompetent fällen zu können, sollen sich nicht nur die PfarrerInnen, sondern auch die PresbyterInnnen regelmäßig fortbilden.
Beim Papier zur Familiengerechtigkeit hat mich, auch aus persönlicher Betroffenheit,  besonders die Betonung der Verantwortung der verschiedenen Generationen untereinander berührt: also nicht nur die der Eltern für ihre Kinder, sondern auch die Verantwortung der (erwachsenen) Kinder für ihre (älter werdenden) Eltern."

Wolfgang Knoch: "Die Landessynode erlebte ich für mich als bereichernd und groß für meine Arbeit in verschiedenen Gremien unserer Kirche. Da nenne ich zuerst die große Sachlichkeit bei den oft schwierigen und kontroversen Diskussionen und die große Disziplin, nach langen und anstrengenden Plenar- und Ausschuss-Sitzungen morgens fast ausnahmslos pünktlich zur nächsten Sitzung zu erscheinen, die dann wieder bis kurz vor Mitternacht dauert. Nicht zu vergessen das freundliche und geschwisterliche Klima unter den Synodalen. Gleich welcher Herkunft, sind wir dort Brüder und Schwestern! Auch der Präses ist dort „Bruder Präses“ oder der Nikolaus.
Stark beeindruckt hat mich das Auftreten und die gute Präsenz einer Gruppe des theologischen Nachwuchses, die kleine Papierstreifen verteilte mit der Aussage „Nur mit Euch“ und dazu einlud, diese Papierstreifen in die Plastikhüllen der Namensschilder zustecken. Damit konnte ich mit vielen anderen meine Solidarität mit den Sorgen und Nöten unseres Nachwuchses ausdrücken; „denn manchmal geht man zuerst durch eine Tür, durch die sonst keiner geht“, sagte Peter Beier einmal."

Berufskolleg-Pfarrer Siegfried Virgils: "Ja, die Sitzungen sind anstrengend, weil wir zwölf Stunden und mehr an jedem der Sitzungstage in den Ausschüssen und im Plenum sitzen müssen. Das ist Synodales Kirche-Sein, wie ein katholischer Gast der Synode sagte. Unsere Kirche hat eine presbyterial-synodale Ordnung. Das heißt, die Abgeordneten der Landessynode, die aus den Gemeinden von den Kreissynoden demokratisch gewählt werden, leiten die Kirche. Das ist etwas anderes als päpstlich-bischöfliche Regierung – und es ist mehr als nur eine Formsache.
Evangelische Christen und Christinnen sind davon überzeugt, dass sie die Kirche nur auf diese demokratische und oft langwierige Weise leiten können, ebenso wie auch Fragen des Glaubens allein durch gemeinsames Nachdenken, Abwägen, Diskutieren, jeweils mit Mehrheit entschieden werden. Das ist nicht ein für alle Mal endgültig festgelegt – und Irrtum und falsche Entscheidungen sind möglich. Daniel Garrone von der Evangelischen Kirche der Waldenser und Methodisten in Italien formulierte es in einem Vortrag vor einige Zeit so: Unsere (evangelischen) Synoden sind nicht Sitzungen einer Partei, sondern Versammlungen von sündigen und gerechtfertigten Heiligen, communio sanctorum. Alles wird vor Gott und dem Volk Gottes öffentlich beraten, ohne Geheimnisse, auch der Haushalt und die Defizite, auch Defizite der Leitung.
In aller Öffentlichkeit ist beraten und entschieden worden über die Frage, ob der Ausschluss vom Abendmahl als Kirchenstrafe benutz werden darf und welchen Sinn Kirchenstrafen, Kirchenzucht haben; wir haben über Familiengerechtigkeit beraten, also darüber, wie die Bedingungen sein müssen, damit sowohl die Sorge für die Kinder als auch die Sorge für die Alten möglich ist und wir haben die Länder und  Kommunen aufgefordert, auch zu tun, was sie beschlossen haben. Und wir haben beschlossen, dass die Kirche „im eigen Haus“ dafür sorgen muss, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Familien leben können, die dieser Verantwortung für die Generationen gerecht werden kann.
Es ist beraten und entschieden worden über die  Finanzierung der Versorgungskasse und wo die Kirche ihr Geld ethisch verantwortlich anlegt, über den Haushalt für 2008, die Einstellungsmöglichkeiten des theologischen Nachwuchses, über zum Teil deutliche Einschränkungen der Rechte der Gemeinden, darüber, dass es keine Ausnahme geben darf beim Verbot von Folter. „Der Barbarei keinen Spaltbreit die Tür öffnen!“ Wir beziehen damit einen eindeutige Stellung in der Diskussion in unserem Land, ob denn nicht in manchen Fällen (um Schreckliches zu verhindern, wie z.B. Terrorismus, Kindesentführung) mit Hilfe der Folter Gutes erreicht werden könne. Es ist eine große Menge von Aufträgen formuliert worden, die die Kirchenleitung, die zwischen den Landessynoden verantwortlich ist, zu  bearbeiten hat …bis Januar 2008; dann tagt die nächste Landessynode."
       
TERMIN für Sie: Unsere vier Synodalen bieten eine Information von der Landessynode aus erste Hand: am Dienstag, 16. Januar 2007, 18.00 - 19.30 Uhr im Haus der Evangelischen Kirche, Konferenzsaal, Adenauerallee 37, 53113 Bonn.

Alle wichtigen Entscheidungen der Landessynode finden Sie dokumentiert auf: www.ekir.de

 

 

 

 

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