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Ökumene in der Diskussion:

"Die da oben werden das nicht für uns machen"

„Müssen wir am Ende des Abends unsere Kirche in Nommensen-Haus umbenennen?“ Mit dieser provokanten Frage eröffnete Pfarrerin Bettina Gummel den Ökumene-Treff Ende Februar in Pützchen und sorgte damit gleich zu Anfang für Empörung wie Schmunzeln.

"Was ist Kirche - im eigentlichen Sinne?" Diese Frage beschäftigt die Ökumene in Bonn-Pützchen. "Was ist Kirche - im eigentlichen Sinne?" Diese Frage beschäftigt die Ökumene in Bonn-Pützchen.

„Ich bin so froh, dass ich nicht evangelisch bin…“ zitierte Referent Theo Dierkes, katholischer Theologe, den kabarettistischen Schunkelschlager von Jürgen Becker und sorgte nun seinerseits für Lacher beim katholischen wie evangelischen Publikum. Aus journalistischer Sicht präsentiere sich die Katholische Kirche einfach besser, konstatierte der Kirchenredakteur des WDR Köln. Selbstbewusst, farbenfroh und liturgisch spreche sie Menschen allen Alters an, wie nicht zuletzt der „Hype“ um den Tod Johannes Paul II. gezeigt habe. „ Es gelingt der Katholischen Kirche einfach alte Riten ansprechend zu präsentieren“, so Dierkes.

 

 

Theo Dierkes zitiert Meisner: "Kirche ist da, wo der Bischof ist." (Foto: wdr.de) Theo Dierkes zitiert Meisner: "Kirche ist da, wo der Bischof ist." (Foto: wdr.de)

Andererseits neigten katholische Kirchenvertreter dazu, die Gemeinde aus dem Blick zu verlieren, gestand Dierkes ein und bezog sich auf die Wiedereinführung der lateinischen Messe, die ein Priester feiern könne, „völlig egal, ob Gemeinde anwesend ist oder nicht“. Die Wertschätzung der Laien ist für ihn eine evangelische Stärke. „Eine Mischung aus beidem, evangelischem Interesse am Laien und katholischem Selbstbewusstsein, wäre das Beste.“

Vor allem der Wahrheitsanspruch der Katholischen Kirche bremst den ökumenischen Dialog. Das wurde auch an diesem munteren, ökumenischen Abend unter dem Motto „Was ist Kirche – im eigentlich Sinn?“ im "Blauen Haus" der Evangelischen Gemeinde Beuel-Pützchen deutlich. „Kirche ist da, wo der Bischof ist“, zitierte Dierkes den Kölner Kardinal Joachim Meisner. Da sich keine andere Religionsgemeinschaft auf die apostolische Sukzession berufen und die Eucharistiefeier korrekt abhalten könne, sei aus römischer Sicht nur die katholische Kirche „Kirche im eigentlichen Sinne“.

 

 

Pfarrer Joachim Gerhardt: "Kirche ist da, wo die Menschen sind." (Foto: Kirchenkreis Bonn) LupePfarrer Joachim Gerhardt: "Kirche ist da, wo die Menschen sind." (Foto: Kirchenkreis Bonn)

„Kirche ist erst einmal da, wo Menschen sind“, hielt der Bonner Pressepfarrer Joachim Gerhardt dagegen. Gemeinde sei da, „wo zwei oder drei“, wie es in der Bibel heißt, in Jesu Namen versammelt seien. Wo Menschen ihre Hoffnungen und Sehnsüchte teilen und über ihren Glauben nachdenken. Die Frage nach der „wahren“ Kirche ist für ihn „vollkommen zweitrangig“. Schon die Jünger hätten sich über die Rangfolge gestritten und sich von Jesus anhören müssen: „Die ersten werden die letzten und die letzten die ersten sein.“

Die Vorstellung, der Mensch könne nur über die Institution Kirche Heil erlangen, sei Protestanten von Grund auf fremd. „Die Bibel ist keine Kirchenverfassung“, warnte Gerhardt vor biblischen Begründungen kirchlicher Machtansprüche aus dem Evangelium.

Gerhardt, der mit einer katholischen Frau verheiratet ist, lebt selbst „von Herzen ökumenisch“. Die verschiedenen Konfessionen bedeuteten für ihn Reichtum. Zumal es viele Gemeinsamkeiten gebe, so etwa die allgemein gültige christliche Taufe und das gemeinsame apostolische Glaubensbekenntnis. Sein Lebenstraum: Das gemeinsame Abendmahl, zu dem Jesus lädt. „Ich bin der Herr am Tische und ich lade ein“, würden Jesu Worte sein, wenn er unter uns weilte, so Gerhardt.

Das gemeinsame Abendmahl, davon träumten auch die 40 engagierten Teilnehmer des Ökumene Treffs. „Wenig Erwartungen an die Kirchenleitungen, aber viel Hoffnung für die Basis", bilanzierten Pfarrerin Bettina Gummel und Lilo Patt-Krahe, frisch gewählte Pfarrgemeinderatsvorsitzende in St. Adelheid. „Die da oben werden das nicht für uns machen“ stimmte Dierkes zu. Botschaft des Abends: Ökumene muss selbst in die Hände genommen werden. Die Nommensen-Kirche übrigens wird nicht umbenannt. Das war ebenfalls Konsens.

Weitere Informationen zum Ökumene-Treff unter http://www.ev-kirche-beuel.de/ und http://www.kathkirche-am-ennert.de/

 

Anja-Lisa Schroll /

 


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