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Karneval in Bonn und der Region auch evangelisch

Komm loss mer fiere!

"Viva Fastelovend!" heißt es in evangelischen Kirchen in Bonn und der Region. Der Bär tanzt traditionell am Sonntag nach dem Endenicher Zug im Gemeindehaus an der Trinitatiskirche. Pfarrer Andreas Schneider hält in Oedekoven seine "Närrische Predigt".

Da simmer dabei, dat es prima! (Foto: Stadt Bonn) Da simmer dabei, dat es prima! (Foto: Stadt Bonn)

Die "Närrische Predigt" in Reimform von Pfarrer Andreas Schneider (Evangelische Kirchengemeinde am Kottenforst) ist bereits eine feste Institution am Karnevalssonntag im Katharina-von-Bora-Haus in Alfter-Oedekoven (Jungfernpfad) um 9.30 Uhr und lockt Menschen aus der ganzen Region an. Anschließend ist die Feiergemeinde zum Kaffee im Gemeindezentrum eingeladen. Dann stellen sich übrigens auch die Kandidatinnen und Kandiaten für die Presbyteruimswahl vor.

Zum Schunkeln, Singen, Feiern sind ebenfalls am Sonntag im Evangelischen Gemeindehaus in Endenich (Brahmsstraße 14) Jung wie Alt willkommen. Der stimmungsvolle Endenicher Karnevalszug mündet für viele sozusagen direkt in den bunt geschmückten evangelischen Räumen direkt an der Trinitatiskirche. Pfarrer Uwe Grieser und sein Team freuen sich ab den Mittagsstunden auf einen "heißen Tanz".

 

 

Pfarrer Andreas Schneider von der 2007 neu gegründeten Evangelischen Kirchengemeinde am Kottenforst. (Foto: Kirchenkreis Bonn) Pfarrer Andreas Schneider von der 2007 neu gegründeten Evangelischen Kirchengemeinde am Kottenforst. (Foto: Kirchenkreis Bonn)

Hier lesen Sie die "Närrische Predigt" von Pfarrer Andreas Schneider im original Wortlaut. Der Text liegt auch unten auf dieser Seite als kostenloser Download für Sie bereit.

NÄRRISCHE PREDIGT: Komm loss mer faste...

zu Jesaja Kapitel 58, Verse 1-9

Vom Sonntag Estomihi, 3. Februar 2008, im Katharina von Bora-Haus, Alfter-Oedekoven

Nun ist es also wieder bald so weit,
dann ist vorbei die “jecke Zeit”,
in der die Narren in den Gassen
sich unter ihren Armen fassen
und schunkelnd dort am Wegrand stehn
und all die bunten Wagen sehn.

Heute geht’s in Witterschlick noch rund,
wenn alle Leute kunter bunt
an Straßenrändern fröhlich singen
und all die schönen Lieder klingen,
wenn Jecke dann mit lautem Schrei
Kamelle werfen und ha’m Spass dabei.

Doch bald schon ist verklungen der frohe Ruf “Alaaf”,
dann – so ist’s geplant – sind alle wieder brav.

Am Aschermittwoch ist alles vorbei,
ist vorüber die Narretei.
Dann sieht man, anstelle von bunten Gewändern,
so manche sich schlagartig ändern.

Wo vorher Schminke und Glitter waren,
umrandet mit roten und lila Haaren,
wird auf einmal in stillem Klagen
ein Kreuz aus Asche sichtbar getragen.

Statt Jubel, Trubel, Heiterkeit
beginnt dann offiziell die Fastenzeit.
Und beim Wörtchen “fasten” woll’n wir heut verweilen,
ist’s doch das Stichwort jener Zeilen,
die uns als Predigttext heut vorgeschrieben,
ein Text, den Narren schwerlich lieben,
ein Text, der ernste Worte spricht
vom Fasten und Verzicht.

Wir finden diese Zeilen schlicht und schnell
im achtundfünfzigsten Kapitel
des Buches Jesaja, einem Propheten, einem alten,
dessen Worte im 8. Jahrhundert erschallten.
Was Jesaja sagt, hab ich mit Bedacht
in schlichte Reimform nun gebracht,
so dass ihr den Text etwas flüssiger hört
und so eure Sinne leicht zu ihm kehrt.

Ruf kräftig, wie blasend mit lauten Posaunen,
dass mein Volk mich höre mit lautem Raunen:
Ich will ihn’ kundtun tun all ihre Sünden
und dass, wie sie leben, das Leben nicht finden.

Sie wollen meine Pläne mit ihnen wissen
und sehn nicht, wie sehr das Verhältnis zerrissen
ist zwischen ihnen und mir, ihrem Gott.
Sie meinen, sie leben, und sind doch schon tot.

Sie meinen, wenn sie hier und da fasten,
hätten sie meine Liebe im Kasten.
Sie glauben, wenn sie an manchen Tagen,
traurig dreinblicken und weinen und klagen,
könnten sie mir mit ihren seichten
Liedern das Herz schnell erweichen.

Aber statt Buße seh ich nur Gezank,
statt dem Geruch der Liebe, faulen Gestank.
Sie glauben, etwas weniger essen,
schon sei all ihr Unrecht vergessen.

Dieses Fasten ist nicht, was ich will,
einen neuen, andren Lebensstil,
das ist’s, was ich von den Menschen erbitte
nicht den Verzicht auf eine Salamischnitte.

Dass ihr nicht schlecht über andre sprecht,
mit dem Hungrigen gütig euer Brot stets brecht.
Das ist ein Fasten, das mir gefällt,
ein solcher Verzicht verändert die Welt.

Gebt dem, der ohne Dach ist, ein neues Haus,
staffiert den Nackten mit schönen Kleidern aus.
Kümmert euch um eure Verwandten,
sorgt für die Freunde und lieben Bekannten.

Dann wir ein Licht aufgehn wie Morgenrot,
wird das Leben siegen und verlieren der Tod.
Dann wird Gerechtigkeit wie Blumen sprießen,
die Herrlichkeit Gottes deinen Zug beschließen.

Das, liebe Brüder und Schwestern,
waren die Worte von gestern,
warn die Worte aus alter Zeit.
Und doch sind sie gar nicht so sehr weit
entfernt von unserm Tun und Leben.
So können sie uns auch heut noch was geben.

Man muss hier gar nicht lang um die Wahrheit ringen,
um die Botschaft des Textes auf den Punkt zu bringen:
Das Fasten, das Gott so sehr mag,
geschieht nicht nur am besondren Tag.

Es zeigt sich nicht an trüben Gesichtern,
an Besoffenen, die dann wieder nüchtern,
man kann es nicht auf der Stirn ablesen,
denn es ist ein Teil unsres Wesens.

Fasten nach Gottes Wille
geschieht aus dem Glauben, der Stille,
der Einsicht, dass ich als Mensch nur dann
recht lebe, wenn auch mein Nebenmann
genug zu essen hat und eine warme Wohnung.
Darauf legt Gott die Betonung.

Gott will, dass wir gerechter leben,
dem andren, was not tut, von Herzen geben.
Dort helfen, wo Menschen in großer Not leiden,
und die, die arm sind, würdig bekleiden.

Alte Worte sind dies, die kaum jemand hört,
denn so viele sind heut von ihren Wünsche betört
und schauen nur nach dem, was ihnen nutzt,
und, wo es hilft, wird runtergeputzt.

Jeder strebt nur nach seinem Glück,
man blickt nicht zur Seite, geschweige zurück.
Da ist kein Platz für Einkehr und für Besinnen,
schließlich will man ja gewinnen
in dem Meer der vielen, die da leben
und alle nach Glückseligkeit streben.

Selig ist, wer Macht hat und Geld,
das, liebe Geschwister, ist die Parole der Welt.
Das ist das Credo, das uns bestimmt,
und das uns allen die Möglichkeit nimmt,
so zu leben, wie Gott es gefällt:
gerecht und barmherzig in dieser Welt.

Doch das will niemand so gerne hören,
gerade heute wird es sehr stören,
wenn man vom guten Wandel spricht,
sind doch alle darauf erpicht,
mal zu tun, was sich sonst nicht gehört,
mal zu vergessen, was das Leben beschwert.

Doch ist nicht traurig und tragisch zu gleich,
das dort, wo man ist an Freude so reich,
dass dort, wo man schunkelt und fröhlich lacht,
dass es im Karneval so oft doch auch kracht?

Da singt man, von Freunden, die zusammen stehn,
und doch will mancher dem andern den Hals umdrehn.
Dass Freud und Spass noch keinem “hät jeschat”,
bekommt man so oft singend gesagt.
Und doch ist es grad der Spass der Session,
der für viele wird zur Endstation.

Da brechen Ehen plötzlich entzwei,
da gibt es Gerangel mit der Polizei.
Da fliegen Flaschen in andrer Leuts Garten,
da gibt es Gedränge und keiner will warten,
da reißt man in Gier Kamelle vom Wagen.
Was soll man zu solchem Verhalten noch sagen?
Da wird hart gekämpft mit Elle und Bogen,
um kleinste Kamelle wird man betrogen.

Und wer hier nun meint, das sei ganz normal
dies wilde Verhalten im Karneval,
dem sei gesagt, dass viele Jecke mitunter,
die Masken am Mittwoch nicht kriegen runter,
dass dieser maßlose Lebensstil,
der immer fordert und immer mehr will,
sein Unfug treibt nicht nur zur Narrenzeit.
Die Welt gerät aus den Fugen weit und breit.

Da hilft es auch nicht, wenn alle beklommen,
am Aschermittwoch zur Messe kommen.
Das Leben muss geändert werden,
soll es denn besser werden auf Erden.

Selig ist darum, wer nicht nur jeck fiert,
sondern an andrem sich orientiert,
an dem Schöpfer der Himmel und Erden,
der so jeck war zu meinen, ein Mensch müsst er werden,
der nicht als Prinz sich wollte bekleiden,
sondern hinab kam zu uns, um für uns zu leiden,

der keine Maske trug mit glitzerndem Schein,
sondern offenbarte göttliches Sein,
der uns zeigte, wie Gott wirklich ist,
dass er für jeden sich einsetzt und keinen vergisst,
der seine Liebe verschenkte wie die Jecke Kamelle,
uns zu erlösen von der ewigen Hölle,

der sich mit uns und unsrer Schuld verband,
so dass der Teufel geriet außer Rand und Band,
weil da einer so jeck war, uns Menschen zu retten,
uns arme Sünde, auf die keiner tät wetten.

Auf ihn soll’n wir schauen,
auf ihn stets vertrauen,
damit wir dann, von unserm Ego befreit,
helfen den andern in ihrem Leid.

Wer so lebt, erscheint als Narr vor der Welt,
weil er verkündet: Es geht nicht um’s Geld.
Es geht nicht um Reichtum, um Macht und Besitz,
es geht um die Liebe, und das ist kein Witz.
Wer mit anderen teilt ohne zu fragen,
was es ihm bringt, von dem wird man sagen:
Ein Jeck, viel jecker als solche mit Hut,
aber ein Jeck, der uns allen tut gut.

Insofern ist eines der schönsten Lieder
das man im Karneval singt wieder und wieder,
das Lied jener Gruppe aus Köln, ein Hit:
“Stell dich nette su ahn, drink doch ehne mit”.

Ein Lied, in dem erzählt wird, wie einer
einem andern ein Bier schenkt, es tät ja sonst keiner.
Wo dem, der nichts hat, wird was gegeben,
und somit dem Arme erhält Freude am Leben.
Wer so in den Tagen des Frohsinns, der Freude,
an andere denkt in ihrem Leide,
der kann ein Kölsch trinken und fastet doch recht,
der “isse ne jode Man” und “betsimmt nit schlächt”.

Drum achtet in diesen Tagen der Freud,
besonders auf die, die tragen viel Leid,
vergesst bei dem Feiern nicht jene mit Sorgen.
Teilt, was ihr habt! Gott sorgt für das Morgen.

Diese Botschaft mög Gott heute als Samen
in der Seele euch pflanzen. Darauf ein.
[Alle:] Amen.
 

 

 

Joachim Gerhardt /

 


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