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Buch des Monats - vorgestellt von Pfarrer Jürgen Faber:

Auf protestantischen Spuren durch Rom

Das ist schon sensationell: Es gibt jetzt einen Rom-Reiseführer aus protestantischer Sicht.

Der etwas andere Reiseführer mit vielen neuen Perspektiven auf die "ewige Stadt". Der etwas andere Reiseführer mit vielen neuen Perspektiven auf die "ewige Stadt".

Die Autoren, Dr. Jürgen Krüger, Professor für Kunstgeschichte an der Uni Karlsruhe, sowie Dr. Michael Meyer-Blanck, praktischer Theologe an der Uni Bonn, haben  auf viele kunstgeschichtlich und theologiegeschichtlich wichtige Bauten ihr Augenmerk gelegt und   aus evangelischer Sicht dargestellt, darunter sogar die Papstkirche St. Peter. Intensiver beschäftigen sie sich mit den Bauten, die der Protestantismus in Rom geschaffen hat: „Ohne die evangelischen Kirchen wäre das Erscheinungsbild Roms ärmer“ unterstreichen sie.


 

 

Der Bonner Theologieprofessor Dr. Michael Meyer-Blanck, einer der Autoren, ist bekannt für ausgefallene wie anregende Publikationen, die auch von Laien bestens verstanden werden. (Foto: Anna Neumann) LupeDer Bonner Theologieprofessor Dr. Michael Meyer-Blanck, einer der Autoren, ist bekannt für ausgefallene wie anregende Publikationen, die auch von Laien bestens verstanden werden. (Foto: Anna Neumann)

Auch jemand, der nicht vorhat, in Kürze Rom einen Besuch abzustatten, wird den evangelischen Reiseführer gespannt durchlesen. Er geht der Frage nach, warum in der Geschichte evangelische Christen nach Rom gefahren sind, wie etwa die Theologen  Richard Rothe, August Tholuck und der junge Dietrich Bonhoeffer, der sagen konnte: „Der Katholizismus kann noch lange weiter ohne den Protestantismus, das Volk hängt noch sehr fest an ihm, und oft kommt einem gegen die hiesigen Feierlichkeiten in diesem gewaltigen Umfang die protestantische Kirche wie eine kleine Sekte vor“.
Ein Kapitel, das manche Leserin und manchen Leser besonders neugierig machen könnte, ist etwa das über die Moses-Skulptur Michelangelos in San Pietro in Vincoli, das die Autoren fragen lässt, ob es ein  „evangelisches Grabmal“ ist, oder  das über die lutherische Christuskirche und über die Waldenserkirchen. Offen wird über die Spannungen  der evangelischen Gemeinde in der Zeit des Nationalsozialismus gesprochen, und was für mich besonders bemerkenswert scheint, ist die Darstellung eines evangelischen Märtyrers, des rheinischen Pfarrers Paul Schneider, in  einer Ikone mit den Glaubenszeugen des 20. Jahrhunderts, die am 12. Oktober 2002 in der Basilika San Bartolomeo all’Isola Tiberina ausgestellt wurde. Die Kirche gehört der ökumenischen Gemeinschaft Sant’Egidio, die im Jahr der Studentenunruhen 1968 von Andrea Riccardi gegründet wurde.
Übrigens: Nicht nur die deutschen Evangelischen in Rom finden in dem Reiseführer Beachtung, sondern auch natürlich die Waldenser, Methodisten und Baptisten sowie die anglikanischen Kirchen.
Die geistige Weite des Reiseführers zeigt sich in der Beschreibung des Cimitero acattolico: „Das Evangelische wird vor allem als das Nicht-Katholische definiert“. Auf diesem Friedhof sind der Gründer der kommunistischen Partei, Antonio Gramsci beerdigt, wie auch die englischen Romantiker Keats und Shelley, aber auch der einzige in Rom beerdigte Pfarrer der lutherischen Gemeinde Friedrich Walcker (gest. 1939).
Eine kleine kritische Anmerkung: Ein Stadtplan mit den „evangelischen Zielen“ in Rom wäre nicht verkehrt, auch wenn „Evangelisch in Rom“ anmerkt: „Wir gehen davon aus, dass der Romtourist oder Pilger eines der üblichen Reisehandbücher konsultiert.“

Jürgen Krüger/Michael Meyer-Blanck, „Evangelisch in Rom“, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2008, 240 Seiten, 19,90 €.

Eine Kurzfassung dieser Rezension lesen Sie auch im aktuellen PROtestant. Jürgen Faber war langjähriger Pfarrer an der Lutherkirche in Bonn-Poppelsdorf und ist Synodalbeauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Evangelischen Kirchenkreis Bonn.

 

 

 

Jürgen Faber /

 


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