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Kreissynode Bonn: Für neues Stadtkirchenkonzept

Paradiesische Aussichten in der Bonner Innenstadt

Wer sind Sie? Dieser Frage stellten sich die 87 Vertreter aus den elf Kirchengemeinden in Bonn, Alfter und Bornheim auf der Kreissynode am Samstag ...

Stadtdirektor Volker Kregel, neu berufenes Mitglied der Bonner Kreissynode, neben Polizeipräsidenten Wolfgang Albers (links) und Diakoiniechef Ulrich Hamacher. (Foto: Joachim Gerhardt) LupeStadtdirektor Volker Kregel, neu berufenes Mitglied der Bonner Kreissynode, neben Polizeipräsidenten Wolfgang Albers (links) und Diakoiniechef Ulrich Hamacher. (Foto: Joachim Gerhardt)

... und konnten auswählen aus sechs typischen Milieugruppen, die ihnen die Soziologin Claudia Schulz vorstellte: der Hochkulturelle, der Bodenständige, der Kritische, der Gesellige, der Zurückgezogene, der Mobile. Sie alle sind Mitglieder der evangelischen Kirche und ihr mehr oder weniger eng verbunden. Der Hochkulturelle im Schnitt 63 Jahre alt und weiblich am meisten, der mobile 30-Jährige am wenigsten. „Wer die Menschen erreichen will, muss lernen, sie mit ihren Bedürfnissen genau in den Blick zu nehmen“, warb die Ludwigsburger Professorin Schulz. Der müsse Lebensweise, Interessen und am Ende sogar den Musikgeschmack kennen. Letzteres ist besonders bemerkenswert, weil alle Milieus laut Schulz nur in einem einzigen Punkt übereinstimmen: „Orgelmusik finden sie alle gut“.

Menschen neu ansprechen – genau das wollen die Protestanten im Bonner Kirchenkreis nun tun. Das Kirchenparlament beschloss bemerkenswert einstimmig auf ihrer Tagung im Haus der Evangelischen Kirche, der Stadtkirchenarbeit ein neues Konzept in enger Kooperation mit der Kreuzkirche, der Kirchengemeinde im Bonner Zentrum, zu geben. Ideen gibt es viele, um evangelische Kirche einladender, offener und vor allem für Kirchendistanzierte ansprechender in der Innenstadt zu präsentieren – „in ökumenischer Ergänzung und nicht als Konkurrenz zur katholischen Citypastoral“, betonte Superintendent Eckart Wüster. Stadtdirektor Volker Kregel, der als berufenes Mitglied der Synode zum Auftakt der Tagung eingeführt wurde, schlug eine „optische Kirchenmeile“ vor, die das katholische Münster, die alt-katholische Namen-Jesu-Kirche und die Kreuzkirche am Kaiserplatz verbindet. Hartmut Ihne, Präsident der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg schwärmte von einer „paradiesischen Gartenanlage rund um die Kreuzkirche“. Einige der gewählten 87 Vertreter aus den elf Kirchengemeinden in Bonn, Alfter und Bornheim träumten schon von Brunnen, „spirituellen Ruheplätzen“ und gestalteten Wegen auf dem Vorplatz der größten evangelischen Kirche im Rheinland.

Die Kreuzkirchengemeinde ist ihrem Vorsitzenden Arno Bölts-Thunecke zufolge „sehr aufgeschlossen für das Projekt“ und möchte den Spagat versuchen, „profiliert Stadtkirche zu sein und attraktive Gemeindekirche zu bleiben“. Der Zugang zu der in Bonn einzigartigen Krypta unter der Kreuzkirche solle erleichtert werden, so eine Vorstellung der Kreuzkirchenpfarrer Gerhard Schäfer und Rüdiger Petrat. Auch der Umzug des Kirchenpavillons, des evangelischen Citycafés mit Kircheneintrittsstelle in der Budapester Straße, auf den Vorplatz der Kreuzkirche ist laut dessen Leiterin Martina Baur-Schäfer, eine „ernsthafte Option“. Noch stehen die Gerüste möglicher Um- oder Neubauten nur in der Phantasie. Doch schon zur Frühjahrssynode 2010 sollen sie zu Papier kommen und endgültige Entscheidungen fallen.

Die Kreissynode stimmte zudem dem neuen Rahmenkonzept für den Pfarrdienst zu. Die landeskirchliche Konzeption beschreibt, wie viele Stellen für Pfarrerinnen und Pfarrer für das Jahr 2015 im Kirchenkreis vorgesehen sind. In Bonn ohne einschneidende Folgen, denn "aufgrund unserer guten Vorarbeiten und Einsparungen in den vergangenen Jahren liegen wir schon heute gut im Soll", konnte Superintendent Wüster berichten. Auch die nun endgültige Änderung der Rechtsform des gemeinsamen Diakonischen Werks der beiden Kirchenkreise Bonn und Bad Godesberg-Voreifel in eine gemeinnützige GmbH fand ohne große Debatte breite Zustimmung. Umstrittener war der Antrag der Lukaskirchengemeinde, konkrete Fusionsgespräche für den Kirchenkreis mit den beiden Nachbarkirchenkreisen An Sieg und Rhein und Bad Godesberg-Voreifel neu aufzunehmen. Das Grundanliegen hat in dem vergleichsweise kleinen Bonner Kirchenkreis immer schon breiten Rückhalt. Dabei ist allen klar, dass es nicht um eine Rückvereinigung der drei Bonner Kirchenkreise zu einem geht, sondern eher um eine sinnvolle Zweiteilung unter Berücksichtigung der kommunalen Grenzen. Ob solche Gespräche zum jetzigen Zeitpunkt im guten Miteinander der evangelischen Nachbarn der Region jedoch zielführend sind, wurde unterschiedlich eingeschätzt. Am Ende beschloss die Synode mit großer Mehrheit, das Wort "Fusion vermeidend, "den Kreissynodalvorstand zu zu beauftragen, die Gespräche mit den anderen Kirchenkreisen in Bonn hinsichtlich der Bildung einer neuen Kirchenkreisstruktur bereits jetzt deutlich zu intensivieren, um die Entstehung lebensfähiger Strukturen zu ermöglichen".

 

 

 

 

Joachim Gerhardt / 06.06.2009

 


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