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Diskussion um die Kreuzestheologie

Präses Schneider: "Nicht nur eine Deutung des Todes Christi"

"Was bedeutet der Kreuzestod Christi?" Präses Nikolaus Schneider kam nach Bonn, dorthin wo die wohl kontroverseste theologische Diskussion dieser Tage seinen Ausgang genommen hatte, und gab mit Spannung erwartete Antworten.

 Kreuzestheologie - für Präses Nikolaus Schneider ist sie "Eckstein wie Stolperstein der Theologie". (Foto: gmh) Kreuzestheologie - für Präses Nikolaus Schneider ist sie "Eckstein wie Stolperstein der Theologie". (Foto: gmh)

Dabei war der Präses Schneider spürbar bemüht, die Gegensätze der derzeitigen theologischen Debatte zu entschärfen, aber ohne sie kleinzureden. Die Bibel überliefere eine Fülle von Begriffen, Bildern und Zugängen zum Versöhnungswerk von Jesus Christus. Abschiede von bestimmten traditionellen Glaubensvorstellungen halte er aber für fatal, auch wenn sie nicht alle Menschen der heutigen Zeit ansprächen. "Wir erheben uns, wenn wir uns Gottes Wort gefügig machen wollten", warnte Schneider auf dem Jahresempfang der Griechisch-orthodoxen Metropolie am Mittwochabend in Bonn-Beuel.


 

 

Im Rahmen des Jahresempfangs bekam Präses Schneider von Metropolit Augoustinos (rechts) auch eine hohe Auszeichnung für seine Verdienste um die griechisch-orthodoxe Kirche verliehen: das "Goldene Kreuz 1. Klasse der Metropolie in Deutschland" (Foto: kcb) LupeIm Rahmen des Jahresempfangs bekam Präses Schneider von Metropolit Augoustinos (rechts) auch eine hohe Auszeichnung für seine Verdienste um die griechisch-orthodoxe Kirche verliehen: das "Goldene Kreuz 1. Klasse der Metropolie in Deutschland" (Foto: kcb)

Eine Interpretationsmöglichkeit bleibt für den Präses der rheinischen Landeskirche, den Kreuzestod als Sühnopfer Jesu für die Sünden der Menschen zu verstehen. Fragwürdig sei aber die Vorstellung, "der zornige Gott brauche ein vollkommenes und sündloses Opfer zu seiner Versöhnung" mit der Welt: "Nicht 'für Gott', sondern 'für uns' und 'für mich' ist Jesus Christus am Kreuz gestorben." Das Kreuz sei damit Zeichen der Menschenliebe Gottes.
 
Ein verbreitetes Unbehagen an der Vorstellung eines stellvertretenden Sühnopfers Jesu dürfe aber nicht einfach vom Tisch gewischt werden, betonte Schneider. Dieses Unbehagen hindere Menschen daran, in Kreuz und Auferstehung die Liebe Gottes und die frohe Botschaft von der Erlösung für alle Menschen zu entdecken. Grund sei jedoch ein falsches Verständnis des Todes Jesu.
 
In den vergangenen Monaten war die theologische Debatte darüber neu aufgeflammt, warum Jesus am Kreuz starb. Auslöser waren unter anderem Äußerungen des ehemaligen Bonner Superintendenten Burkhard Müller, der in einer Radioandacht gesagt hatte: "Ich glaube nicht, dass Jesus für unsere Sünden gestorben ist." Präses Schneider hatte bereits in einem Interview erklärt, Jesus sei "nicht im Sinne einer stellvertretenden Übernahme von Strafe" für die Menschen gestorben. Die Diskussion wurde bereits vor Jahren angestoßen, unter anderem durch Veröffentlichungen des evangelischen Theologieprofessors Klaus-Peter Jörns. Er schreibt, eine Vorstellung vom Tod Jesu als Opfer widerspreche der unbedingten Liebe Gottes. Kritiker halten ihm entgegen, er wende sich gegen zentrale Aussagen der Bibel und der Bekenntnisschriften. Ohne den Opfergedanken verliere der Tod Jesu seine besondere Bedeutung.

Burkhard Müller ist derweil in vielen Kirchengemeinden in Bonn, der Region und darüber unterwegs, um sich der Diskussion zu stellen. Im WDR-Radio wird er seine Gedanken nicht mehr darlegen können. Müller hat mit 70 Jahren die Altersgrenze erreicht und scheidet nun aus dem Sprecherteam aus - zur Genugtuung mancher seiner Kritiker, zum Bedauern vieler seiner Unterstützer.

 

 

 

ger / epd /

 


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