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Altbischof Klaus Wollenweber zum Mauerfall vor 20 Jahren

"Wir haben gebetet, aber doch nicht damit gerechnet"

Der Mauerfall bewegt die Menschen auch noch nach 20 Jahren. Altbischof Klaus Wollenweber erinnert im Gespräch mit Joachim Gerhardt an die besondere Bedeutung der Kirchen. Ein Beitrag zu hören auf den Lokalradios in NRW am Sonntagmorgen, 8. November 2009.

Altbischof Klaus Wollenweber: 1989 live in Berlin dabei und viele Jahre Bischof in Görlitz, lebt heute wieder in Bonn. (Foto: Archiv) LupeAltbischof Klaus Wollenweber: 1989 live in Berlin dabei und viele Jahre Bischof in Görlitz, lebt heute wieder in Bonn. (Foto: Archiv)

Beitrag: "20 Jahre Mauerfall" auf Radio NRW (Radio Bonn/Rhein-Sieg u.a.) am Sonntag, 8. November 2009, im Rahmen der Sendung "Zwischen Himmel und Erde" von 8.00 - 9.00 Uhr. Hören Sie rein (auch möglich mit einem Link unten auf dieser Seite):

Anmoderation: "Die Mauer ist weg – die Mauer ist weg!" Da kriegt man immer noch ein bisschen Gänsehaut, oder? Morgen ist es genau 20 Jahre her, dass die Mauer fiel – vor allen Dingen in Berlin wird das am Montag groß gefeiert – mehr als Hundertausend Besucher werden am Brandenburger Tor zu einem "Fest der Freiheit" erwartet. Ein Fest, dass es ohne die Kirchen vielleicht gar nicht geben würde. Denn speziell die evangelische Kirche hat beim Mauerfall eine wesentliche Rolle gespielt, sagt der langjährige ostdeutsche Bischof Klaus Wollenweber:

Klaus Wollenweber: In der DDR ging es entscheidend darum, dass Menschen Freiheit haben wollten, nicht nur die Reisefreiheit, sondern auch Denkfreiheit. Und sie merkten, dass im Bereich der Kirche, ganz entscheidend dieser Schutzraum gewährt wurde. Und darum sammelten sich viele Menschen unter dem Dach der Kirche, auch wenn sie gar nicht glaubten, auch wenn sie nicht zur Kirche gehörten, aber sie empfanden doch den Raum, in dem sie Freiheit praktizieren konnten.

Joachim: Gerhardt: Das Ergebnis war eindrucksvoll, ebenso die Bilder – zum Beispiel von den Montagsdemonstrationen in Leipzig, wo 70.000 Menschen im Schein von Kerzen durch die Stadt marschierten. Auch in anderen Orten der damaligen DDR nahmen die Proteste ihren Ausgang in Kirchen und Gottesdiensten.

Wollenweber: Kirche hat einen ganz entscheidenden Beitrag dazu geliefert, dass die Menschen merkten, wir leben in einem Zwangsstaat und wir wollen die Freiheit haben. Ohne diese Bewegung wäre ganz sicher nicht die Bewegung gekommen, die dann dazu führte, dass in Berlin die Mauer geöffnet wurde…

Gerhardt: .. und das am Ende ganz friedlich, obwohl in den Hinterhöfen schon die Panzer in Alarmbereitschaft standen, wie wir heute wissen. Aber dass die Mauer so schnell fallen würde, damit hatte auch in den Kirchen niemand gerechnet, so Altbischof Wollenweber:

Wollenweber: Das ist eine sehr eigenartige Sache. Wir haben in den Kirchen und Gemeinden immer gebetet darum, dass die Menschen wieder zusammenkommen können, dass die Grenze geöffnet würde, aber wir haben eigentlich nicht gedacht, dass es passiert, obwohl wir so intensiv gebetet haben.

Gerhardt: Klaus Wollenweber lebt heute in Bonn. Nach der Wende war er zehn Jahre Bischof im sächsischen Görlitz. Den Mauerfall vor 20 Jahren hat er in Berlin live miterlebt. Als Oberkirchenrat hatte er Aufgabe, Christen aus Westdeutschland auf ihren Besuch im Osten vorzubereiten - und auf mögliche Grenzschikanen …

Wollenweber: ... und am 9. saß ich abends mit denen zusammen und erklärte den Westlern, wie sie sich nun verhalten sollten in dem Bahnübergang Friedrichsstraße. Und als wir zu Ende waren, war alles Makulatur, denn die Mauer war plötzlich geöffnet und wir konnten rübergehen, hin und her, und es war ein unwahrscheinlicher Betrieb in der Nacht vom 9. auf den 10. und vor allem am 10. morgens früh, wir waren da selber mit unseren Kindern an der Mauer, haben da Mauerstücke uns rausgenommen. Also wir haben das leibhaftig erlebt mit vielen Menschen, vielen Trabbies, die dann hupend und strahlend am Checkpoint Charly rübergegangen sind.

Joachim Gerhardt für Himmel und Erde

Hier finden Sie weitere Infos zur Sendung "Himmel und Erde" -  das Magazin der Kirchen in den Lokalradios NRW: http://www.ekir.de/pep

 

 

 

 


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