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Landessynode 2010

Erste Ergebnisse und Eindrücke aus Bonner Sicht

Sechs gewählte Synodale haben den Kirchenkreis Bonn auf der Landessynode 2010 in Bad Neuenahr vertreten. Lesen Sie ihre Eindrücke und die Zusammenfassung der wesentlichen Entscheidungen aus Bonner Sicht.

Bonner Stimmen auf der Landessynode: Dorothea Geffert (v.r.), Pfarrer Siegfried Virgils und Polizeipräsident Wolfgang Albers. (Foto: J. Gerhardt) LupeBonner Stimmen auf der Landessynode: Dorothea Geffert (v.r.), Pfarrer Siegfried Virgils und Polizeipräsident Wolfgang Albers. (Foto: J. Gerhardt)

Hier nun die persönlichen Statements von Superintendenten Eckart Wüster (Kirchengemeinde Hersel), der auch Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) ist, sowie Synodalassessor Pfarrer Wolfgang Harnisch (Johanniskirchengemeinde Duisdorf), Pfarrer Siegfried Virgils (Berufskolleg und Lukaskirchengemeinde Bonn), Dorothea Geffert (Kirchengemeinde Bornheim), Ulrich Hamacher (Geschäftsführer des Diakonischen Werks Bonn/Bad Godesberg-Voreifel) und des Bonner Polizeipräsidenten Wolfgang Albers (Trinitatiskirchengemeinde Bonn-Endenich), der berufenes Mitglied der Landessynode ist.

 

 

Verfolgen aufmerksam die Diskussion: Diakoniechef Ulrich Hamacher (v.l.) und Pfarrer Wolfgang Harnisch. (Foto: J. Gerhardt) LupeVerfolgen aufmerksam die Diskussion: Diakoniechef Ulrich Hamacher (v.l.) und Pfarrer Wolfgang Harnisch. (Foto: J. Gerhardt)

ABENDMAHL MIT KINDERN

Pfarrer Wolfgang Harnisch der Johanniskirchengemeinde Duisdorf und stellvertretender Superintendent des Kirchenkreis Bonn: "Getaufte Kinder können nach genügender Vorbereitung bereits vor der Konfirmation am Abendmahl im Gottesdienst der Gemeinde teilnehmen, wenn das Presbyterium dies mit Zustimmung der Pfarrerin oder des Pfarrers beschlossen hat. Das gilt in unserer Kirche seit über 20 Jahren und viele Presbyterien haben so entschieden. Die Landessynode lehnte einen Antrag ab, für alle 767 Kirchengemeinden  das Abendmahl mit Kindern verbindlich zu machen. Eine einheitliche Regelung gibt es nicht. Die Verantwortung der Presbyterien bleibt. Aber die Synode wirbt dafür, getaufte Kinder zum Abendmahl einzuladen. So wird auch unser Presbyterium erneut über die Öffnung des Abendmahls für getaufte Kinder beraten. Ob die Erfahrungen und Modelle des Kinderabendmahls aus anderen Gemeinden die Johanniskirchengemeinde zu einer neuen Praxis  führt? Wird die Vorbereitung getaufter Kinder  zum Abendmahl in der Gesamtkonzeption gemeindlicher Aufgaben verankert werden? Ein erneutes Nachdenken und Beraten hat schon begonnen."

"ERHEBLICHE EINSPARUNGEN"

Ulrich Hamacher, Geschäftsführer des Diakonischen Werks der Kirchenkreise Bonn und Bad Godesberg, erstmalig als gewählter Vertreter aus Bonn auf der Landessynode, berichtet von den Finanzen: "Ein Thema der Synode war wie jedes Jahr die finanzielle Entwicklung. Die Tendenz weist eindeutig auf mittelfristig sinkende Kirchensteuereinnahmen, vor allem aufgrund der gesetzlichen Veränderungen der letzten Jahre: Einkommensteuersenkungen bewirken auch eine Senkung der Kirchensteuern, die Mehrwertsteuererhöhung war und ist für die Kirche nur ein Kostenfaktor. Die Einnahmen sinken und die Kaufkraft des Geldes sinkt zusätzlich. Das wird die Landessynode 2011 stark beschäftigen, denn dann müssen erhebliche Einsparungen beschlossen werden.

Für das Jahr 2010 ist zu vermuten, dass die Einnahmen doch noch etwas höher sein werden als bei der Aufstellung der Haushaltspläne angenommen, insgesamt ist wohl nicht von 490 Millionen, sondern von etwa 510 bis 520 Millionen Euro auszugehen. Längerfristig gewinnt die finanzielle Steuerung an Bedeutung, um dauerhaft entsprechend den Möglichkeiten und nicht darüber hinaus zu leben. Deshalb war das Neue Kirchliche Finanzsystem (NKF) Thema und hier ist die Tendenz klar: Die Kirche wird auf kaufmännische Buchführung umstellen. Der erste Versuch dazu war allerdings sehr unzureichend durchdacht. Deshalb hat die Synode beschlossen, den ganzen Prozess noch einmal gründlicher zu planen und viele Prüfaufträge erteilt. Im nächsten Jahr sollen dann Beschlüsse dazu gefasst werden.

Für mich waren die Diskussionen sachlich und hilfreich, aber so richtig spannend wird es dann wohl in der Landessynode 2011 – jedenfalls was die Finanzen und den Umgang damit betrifft."

 

 

Gesungen wurde auch: Bonns Superintendent Eckart Wüster (links) auf dem Podium der Synode mit der Kirchenleitung (Foto: A. Neumann) LupeGesungen wurde auch: Bonns Superintendent Eckart Wüster (links) auf dem Podium der Synode mit der Kirchenleitung (Foto: A. Neumann)

"ZEICHEN DER ÖKUMENE"

Superintendent Eckart Wüster und Mitglied der Kirchenleitung : "Es war eine Landessynode, die mehr Freiräume bot, als sonst auf Landessynoden üblich ist. Das lag wohl daran, dass im Vorfeld nicht wirklich abzuschätzen war, wie viel Zeit Tagesordnungspunkte wie zum Beiuspiel das Neue Kirchliche Finanzwesen in Anspruch nehmen würde. Ich empfand es aber als durchaus angenehm, dass abends um 22.00 Uhr das Ende der Beratungen war. Nicht selten ist es auf früheren Synoden auch 23.00 Uhr oder noch später geworden.

Besonders beeindruckt hat mich das Grußwort des Bischofs der Altkatholiken, Joachim Vobbe, der zum letzten Mal als Bischof auf unserer Landessynode gewesen ist. Gerade wir in Bonn haben ihn bei vielen Gelegenheiten erlebt und ihn schätzen gelernt. Auf der Synode hat er uns wie immer mit einem lebendigen, humorvollen und zugleich inhaltsreichen Grußwort viel Freude bereitet. Stehend verabschiedeten sich die Synodalen von Bischof Vobbe. Es war ein Zeichen dafür, wie groß die Verbundenheit zwischen ihm und der rheinischen Kirche ist. Dies wird auch nach seiner Amtszeit als Bischof so bleiben. Aber auch der „dienstälteste Landessynodale“ war wieder dabei. Seit 1972 ist der Metropolit Augoustinos von der griechisch-orthodoxen Kirche Gast der Landessynode. Auch dies ist ein Zeichen für gelebte Ökumene, für das ich sehr dankbar bin.

Ansonsten hatte die Synode atmosphärisch ihre Highlights in der Beratung zur Leitbildvorstellung „Missionarisch Volkskirche sein“, in der Diskussion zum Jugendbericht, an der sich auch die als Gäste geladenen Vertreter und Vertreterinnen der Jugend beteiligten und dabei sehr ehrliche Worte fanden. Aber auch eine Wahl zur Kirchenleitung ist immer mit Spannung verbunden. Helga Siemens-Weibring wurde als nebenamtliches Mitglied der Kirchenleitung mit 95 Prozent der Stimmen zur Nachfolgerin von Herrn Ulrich Weber gewählt, der aus beruflichen Gründen vorzeitig aus der Kirchenleitung ausscheiden musste.

Darüber hinaus wurde der Ausnahmekatalog für das zentrale Auswahlverfahren Pfarrer und Pfarrerinnen im Wartestand erweitert. Rückwirkend zum 1.1.2008 haben nun auch diejenigen ein Anrecht auf eine „mbA-Pfarrstelle“, die aus persönlichen Gründen freigestellt waren, sofern dies zur Kindererziehung oder zur Pflege naher Angehöriger erfolgt war.

Auf der nächsten Landessynode wird es sicherlich deutlich lebendiger zugehen, wenn unter anderem über eine endgültige Umstellung auf das Neue Kirchliche Finanzwesen entschieden werden muss. Bis dahin wird es in diesem Jahr sehr viel Arbeit geben, um solch wichtige Entscheidungen gut vorzubereiten", so Pfarrer Eckart Wüster.

AUSSCHUSSARBEIT

Die neue Landessynodale Dorothea Geffert und Presbyterin der Kirchengemeinde Bornheim berichtet: "Jedes Jahr lädt das Frauenreferat der Landeskirche alle weiblichen Synodalen am 1. Sitzungstag zu einem gemeinsamen Lunch ein. Etwa 80 Frauen waren zusammen gekommen, um sich über anstehende Themen der Landessynode aus ihrer Sicht auszutauschen. In der Mitte der Woche tagten die verschiedenen Ausschüsse, um Beschlüsse für das Plenum vorzubereiten. Im Theologischen Ausschuss war das Hauptthema „Missionarisch Volkskirche sein“. Bei der Erstellung dieses Papieres ging es um die Zusammenführung der verschiedenen Glaubensrichtungen unserer Kirche und Begriffe wie „Missionarisch sein“, „Volkskirche sein“ und „Wachstum“ näher zu bestimmen. In Zeiten von Mitgliederschwund, auch aus demographischen Gründen, werden Wege beschrieben, auf Menschen zuzugehen und die Gemeinden zu stärken."

EVANGELISCHE JUGEND KÄMPFT UM UNTERSTÜTZUNG

Bonns Polizeipräsident Wolfgang Albers, von der Kirchenleitung berufenes Mitglied: "Die Vertreter der Jugend hatten an einem separaten Tisch Platz genommen, gaben ihr Votum zu allen Beschlüssen ab und verfolgten die Diskussionen der Synode mit großem Interesse, wobei nicht nur ihre Geduld bei den Themen NKF und der Einführung eines neuen Rechnugsprüfungswesens gelegentlich auf eine harte Probe gestellt wurde. Dass sie jedoch nicht auf einem Armsünderbänklein Platz genommen hatten, erwies sich spätestens bei der Diskussion um den Jugendbericht der Kirchenleitung. Selbstbewusste und sachkundig brachten sie sich und ihre Anliegen ein und trugen so wohl auch zu dem einmütigen Votum der Synode bei.

Der Bericht , den Landesjugendpfarrerin Simone Mechels mit großer Sachkunde und viel Engagement einbrachte, knüpft an den ersten Jugendbericht aus dem Jahr 2006 an. In klarer und eindrucksvoller Weise wird die Situation der jungen Menschen in unserem Land geschildert. Kinderarmut, der Umgang mit Medien aber auch die zunehmende Einbindung von Jugendlichen in Schule und Hochschule sind zentrale Punkte der Situationsbeschreibung.  Wenn Untersuchungen aber feststellen, dass die Evangelische Kirche rund 10 Prozent aller Jugendlichen erreicht, 68 Prozent aller Jugendlichen der Aussage zustimme : „Ich finde es gut, dass es die Kirche gibt“ und sich über 50 Prozent der Jugendlichen als religiös im Sinne einer Glaubensüberzeugung verstehen, so gibt das nicht nur Mut sondern ist auch Verpflichtung für die Arbeit unserer Kirche. Dass hier allerdings einiges im Argen liegt, zeigt die Tatsache, dass sich in den Jahren 1997 – 2007 in unserer Kirche die Zahl der Vollzeitstellen im Bereich Kinder- und  Jugendarbeit um rund 50 Prozent verringert hat. Sicher, Jugendarbeit baut auf Selbstgestaltung und Mitarbeit, sie ist aber auch immer Bildungsarbeit und bedarf daher der Unterstützung und Kontinuität der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dies war einhelliges Votum der Diskussionen und drückte sich auch in der Schlussabstimmung aus. Die Nagelprobe findet allerdings bei den Haushaltsaufstellungen in den Gemeinden und Kirchenkreisen und auf der Landessynode 2011 statt. Und dann mögen sich alle des Berichtes, der Diskussionen und des Abstimmungsergebnisses erinnern: Einstimmig angenommen, Neinstimme: keine; Enthaltung: keine.

Was die Arbeit der Synode als Kirchenparlament mit anderen Parlamenten eint, ist die akribische und gelegentlich auch spitzfindige Arbeit an Kirchengesetzen und Beschlüssen; was sie aber unterscheidet sind gemeinsames Beten und Singen. So empfinde ist es immer als einen Höhepunkt, wenn Landeskirchenmusikdirektor Ulrich Cyganek auf sein Höckerchen steigt, die Stimmgabel ans Ohr hält und die Synode vielstimmig, harmonisch und kräftig erklingen lässt, zum Lobe Gottes und zur Entspannung der Synodalen. Dann ist die Synode ein so ganz anderes Parlament", so Wolfgang Albers, Mitglied der Trinitatiskirchengemeinde Bonn-Endenich.

KIRCHE ÜBT SOLIDARITÄT

Pfarrer Siegfried Virgils berichtet: "Etwas in unserer Kirche Selbstverständliches und schon seit Jahrzehnten Übliches ist mir auf dieser Landessynode erneut aufgefallen, weil es in unserem Land Jahrzehnte zwar auch selbstverständlich war, nun aber in Frage gestellt wird: Lastenausgleich – Solidarität – Umverteilung von den Reichen zu den Armen. Der reichste Kirchenkreis der Rheinischen Kirche hat 264,15 € pro Kopf Kirchensteueraufkommen im Jahr, der ärmste 85,72 €. Wenn alle Kirchenkreise die gemeinsamen Kosten gezahlt haben, bleiben dem Reichsten immer noch 212, 86 € - dem Ärmsten nur 38,30 €. Jetzt wirkt jedoch der finanzielle Ausgleich zwischen allen 39 Kirchenkreisen unserer Kirche mit dem wunderbaren Ergebnis, dass der eben noch Arme 115,57 € pro Kopf/ Jahr zur Verfügung hat; dem Reichen bleiben 139,71€ und hat damit weiterhin etwas mehr als die anderen, die Kluft ist aber deutlich kleiner geworden. Für Bonn bleiben  127,57 €, pro Kopf/ Jahr, woraus zu schließen ist, dass Bonn zu den reicheren Kirchenkreisen gehört, obwohl auch wir hier mit den leerer werdenden Kassen zu tun haben."

Alles Infos zur Landessynode 2010: http://www.ekir.de/

 

 

Joachim Gerhardt /

 


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