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Infoveranstaltung zur Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch

Wenn der Körper ein „Nein-Gefühl“ erlebt

Sexueller Missbrauch ist ein Thema für die gesamte Gesellschaft. „Sexueller Missbrauch kann überall passieren“, erklärt der Diplom-Psychologe Thomas Dobbek, Leiter der evangelischen Beratungsstelle in Bonn, „das Thema darf nicht tabuisiert werden.“

Thomas Dobbek ist Leiter der Evangelischen Beratungsstelle und betreut Missbrauchsopfer Thomas Dobbek ist Leiter der Evangelischen Beratungsstelle und betreut Missbrauchsopfer


Die Beratungsstellen werden mit den Opfern konfrontiert, bei ihnen ist der Missbrauch bereits geschehen. Eine Therapie ist, laut Dobbek, für die Opfer emotional sehr belastend. „Die Narben von sexuellem Missbrauch bleiben, das Trauma können sie nicht austherapieren“, erklärt Thomas Dobbek. Darum hat für ihn die Präventionsarbeit einen so hohen Stellenwert.

Und Prävention kann sogar Spaß machen. Das zeigt das Programm „Mein Körper gehört mir“ der theaterpädagogischen Werkstatt. Anfang März wurden Auszüge des Stücks für Lehrer, andere pädagogische Fachkräfte und Eltern im Haus der Evangelischen Kirche in Bonn aufgeführt. Das Zwei-Personen-Stück soll Grundschüler stark machen. An drei Tagen lernen die Kinder die Gefühle ihres Körpers zu achten und sie auszudrücken – mit  lustigen und ernsten Spielszenen, Liedern und Erklärungen.

Die wichtigste Lektion: Ein „Nein-Gefühl“ muss als klares und lautes „Nein!“ geäußert werden. Gerade Kinder, die von Erwachsene oft Schutz und Geborgenheit erwarten, müssen Nein sagen erst lernen. Für Erwachsene ist es wichtig, das manipulative Vorgehen der Täter zu durchschauen und das Selbstbewusstsein ihrer Kinder zu stärken. In Bonn kooperiert das Projekt mit der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt. Wilma Wirtz-Weinrich von der Beratungsstelle ergänzt die Vorstellungen, die sich an Lehrer und Eltern richten, mit dem rechtlichen und psychologischen Hintergrund.

Die Sensibilität für das Thema sexueller Missbrauch habe sich schon erhöht, meint Thomas Dobbek, sei aber immer noch nicht ausreichend. Im Moment steht das Thema wieder vermehrt in der Öffentlichkeit. Auch in Bonn gibt es regelmäßig Schlagzeilen zu Fällen sexuellen Missbrauchs im Aloisiuskolleg in Bad Godesberg. Thomas Dobbek sind zwar keine Fälle in der Evangelischen Kirche bekannt, aber ausschließen könne man das nicht. „Geht man von einer Normalverteilung des Missbrauchs aus, bedeutet das im Umkehrschluss, dass sicherlich auch in der Evangelischen Kirche sexueller Missbrauch vorkommt“, erläutert Dobbek. Dennoch: „Die Welle, die jetzt im Augenblick auf uns zu rollt, sehe ich bei der Evangelischen Kirche nicht so.“

Er glaube nicht daran, dass Priester aufgrund des Zölibats pädophil werden. Auch hinter die These, dass Pädophile vermehrt Priester würden, kann Dobbek nur ein Fragezeichen setzen: „Das ist ein ziemlicher Umweg, wenn man, nur um seine Neigung ausleben zu können, Priester wird.“ Die Fälle kommen außerdem nicht vermehrt in kirchlichen Einrichtungen oder der Schule vor, sondern im engeren Beziehungsumfeld der Opfer, oft im Verwandtenkreis. „Die meisten Leute denken aber, dass sie damit nichts zu tun haben. Statistisch betrachtet stimmt das nicht.“

 


Nächste Infoveranstaltung für Eltern und Fachkräfte:
„Die große Nein-Tonne“ (speziell für Kinder im Vorschulalter und des ersten und zweiten Schuljahrs) am Montag, 15. März 2010 um 20.00 Uhr im Forum der Kettelerschule (Siemensstr. 248, Bonn-Dransdorf)

Weitere Infos: www.theaterpaed-werkstatt.de, www.beratung-bonn.de

Evangelische Beratungsstelle
Haus der Evangelischen Kirche
Adenauerallee 37
53113 Bonn
Telefon: 0228/6880-150
Telefax: 0228/6880-750
e@mail: beratungsstelle@bonn-evangelisch.de

Telefonisch erreichbar:
Montag bis Donnerstag: 08:00 - 12:30 Uhr und 13:30 - 17:00 Uhr
Freitag: 08:00 - 12:30 Uhr und 13:30 - 15:30 Uhr

www.beratungsstelle-bonn.de

 

 

 

 

 

Sabine Stoye /

 


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