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Kreissynode Bonn diskutierte über Mission und Volkskirche:

Evangelische Kirche: Kirche für alle Menschen

Die Rheinische Landeskirche hatte den Ball ins Feld geworfen: "Missionarisch Volkskirche sein" lautet das Leitpapier, das die Landessynode im Januar verabschiedet hat. Die Kreissynode Bonn nahm den Ball nun auf und machte es zum Schwerpunkt seiner Tagung.

Sie kennen sich gut aus der Kirchenleitung: Vizepräses Petra Bosse-Huber mit Bonns Superintendenten Eckart Wüster am Rande der Bonner Synode. (Foto: J.Gerhardt) LupeSie kennen sich gut aus der Kirchenleitung: Vizepräses Petra Bosse-Huber mit Bonns Superintendenten Eckart Wüster am Rande der Bonner Synode. (Foto: J.Gerhardt)

Es war weit mehr als höfliches Lob, das Vizepräses Petra Bosse-Huber mit nach Bonn gebracht hatte.  „In Bonn und der Region gibt es wunderbare Voraussetzungen und immer noch große finanzielle Möglichkeiten für die Kirche“, sagte die zweithöchste Vertreterin der Evangelischen Landeskirche bei ihrem Besuch am Samstag auf der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Bonn. Vergleichsweise geringe Austritte, überproportional viele Wiedereintritte, das auffallend gute Miteinander von Gemeinden und dem Kirchenkreis lassen Bonn aus landeskirchlicher Sicht manchmal schon so ein wenig wie das Paradies erscheinen.

 

 

Sie wirbt für unsere Kirche auf vielen Ebenen: die rheinische Vizepräses Petra Bosse-Huber (Foto: J.Gerhardt) LupeSie wirbt für unsere Kirche auf vielen Ebenen: die rheinische Vizepräses Petra Bosse-Huber (Foto: J.Gerhardt)

Nun geht es für die Bonner Protestanten darum, aus diesen Voraussetzungen auch für die Zukunft etwas zu machen. „Missionarisch Volkskirche sein“ lautete das selbst gewählte Motto der Kreissynode, die im Haus der Evangelischen Kirche tagte.  "Wir wollen offensiv einstehen für das, was uns am Herzen liegt", so Superintendent Eckart Wüster. Bosse-Huber warb mit Nachdruck dafür, dabei vor allem die Menschen im Blick zu behalten, die man sonntags nicht unter der Kanzel findet. „Es ist ein Markenzeichen unserer Kirche, für alle Menschen dazu sein“, sagte sie und spannte einen weiten Bogen von Musik und Bildungsangeboten bis zu Jugendarbeit und Diakonie. „Volkskirche bedeutet Kirche für das Volk zu sein und daran halten wir fest“. Und auch wenn die Finanzen schrumpfen, die Kirchensteuereinnahmen jährlich um fast zehn  Prozent sinken und Strukturveränderungen viel Kraft kosten. Die Schlüsselfrage laute: „Welche unserer vielfältigen Tätigkeiten dienen auch morgen noch unserem biblischen Auftrag, die frohe Botschaft zu allem Volke zu bringen?“ Die Antwort brauche eine gute Analyse, aber auch Gottvertrauen, Phantasie und Mut.

In Kleingruppen berieten die 86 Vertreterinnen und Vertreter aus den Gemeinden in Bonn, Bornheim und Alfter über konkrete Schritte. Eine Arbeitsgruppe soll diese nun bündeln und in Verbindung bringen mit dem neuen Konzept zur Stadtkirchenarbeit. Letzteres sieht derzeit ein evangelisches Zentrum an der großen evangelischen Kreuzkirche am Kaiserplatz vor. Seit einem Jahr tagen die Gremien. Eine Entscheidung werde es nach Einschätzung von Superintendent Eckart Wüster wohl doch erst im Frühjahr kommenden Jahres geben. Für manche Synodale ist dieses Konzept die Nagelprobe, wie mutig und phantasievoll die evangelische Kirche in Bonn ist, um auch morgen noch Ausstrahlung über den eigenen Kirchturm hinaus zu haben.

Das Kirchenparlament beschloss zudem mit großer Mehrheit ein Konzept zur Datensicherheit, das dem besonderen Schutz kirchlicher Daten auch auf elektronischem Wege Rechnung trägt. Außerdem wurden Personalentscheidungen getroffen: Neuer Synodalbeauftragter für die Tageseinrichtungen für Kinder ist Kreuzkirchenpfarrer Gerhard Schäfer. Ein wichtiger Posten, nicht zuletzt für die Verhandlungen mit der Stadt über Zuschüsse und für die Beratungen der Kirchengemeinden über die künftige Struktur ihrer Kindergärten. Zudem wurde der Herseler Finanzkirchmeister Rolf Stengert als Bonner Vertreter für die von der Landeskirche neugeschaffenen fünf zentralen Rechnungsprüfungsstellen bestimmt. Seine Stellvertreterin ist Ute Honecker von der Kirchengemeinde am Kottenforst.

Superintendent Hans Joachim Corts hatte als Gast der Synode zum Auftakt der Tagung die guten Wünsche der rechtsrheinischen Protestanten überbracht und die hervorragende Zusammenarbeit über die Rheingrenze hinweg betont. Stadtdechant Msgn. Wilfried Schumacher schickte der Synode zum Ende der Tagung per SMS noch seine Segenswünschen.

 

 

NACHGEFRAGT

Frau Vizepräses, wie ist Bonn aus Ihrer Sicht missionarisch aufgestellt?

Vizepräses Petra Bosse-Huber: Bonn hat wunderbare Voraussetzungen und finanziell vergleichsweise immer noch gute Möglichkeiten für unsere kirchliche Arbeit. Mir fällt besonders auch auf, wie gut hier Gemeinden und Kirchenkreis miteinander einen gemeinsamen Weg suchen. Und Bonn scheint sich zu trauen, durchaus auch neue Wege und Experimente zu gehen, wenn es darum geht, Gotte Wort auch morgen noch den Menschen nahezubringen. Das war immer schon ein Kennzeichen dieser Region unserer Landeskirche und diesen Willen erlebe ich auch jetzt.

Was sagen Sie Kirchengemeinden, die wegen Finanzsorgen und Strukturproblemen keinen Kopf frei haben für missionarische Aufbrüche?

Petra Bosse-Huber: Das gibt es und das ich erlebe ich an manchen Orten in unserer Kirche. Ich rate ihnen: Nehmt euch Freiräume, denn die braucht ihr dafür. Jeder Mensch und auch jede Gemeinde braucht Kraftquellen. Um aus ihnen zu schöpfen, muss man einen geschützten Raum suchen. Doch dann lässt sich Neues erleben. Und das ist lebenswichtig, bei allen erst zu nehmenden Sorgen. Gerade dann, wenn die Sorgen immer größer werden, ist das besonders wichtig.

 

 

Joachim Gerhardt /

 


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