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Diakonie-Synode in der Kreuzkirche

Gemeinsame Tagung der Synoden stärkt Diakonischen Werken in Bonn und der Region den Rücken

Es war eine historische Synode. Erstmals tagten die Synoden der Kirchenkreise Bonn und Bad Godesberg-Voreifel gemeinsam. Ihre Tagung am Samstag in der Kreuzkirche setzte eine Zeichen, wie wichtig der Kirche in Bonn und Region die diakonische Arbeit ist:

Gemeinsam stark: Vertreter der beiden Kreissynodalvorstände mit der Geschäftsführung des DW und Gastrednern der Synode (Foto: J. Gerhardt)

Gemeinsam stark: Vertreter der beiden Kreissynodalvorstände mit der Geschäftsführung des DW und Gastrednern der Synode (Foto: J. Gerhardt)

Die erste gemeinsame Synode der Kirchenkreise Bonn und Bad Godesberg-Voreifel war eine „Diakoniesynode“ – und sie zeigte, dass Diakonie fester Teil der Gemeinden ist und die Diakonischen Werke das Vertrauen der Kirchenkreise haben.

Die gemeinsame Trägerschaft des Diakonischen Werks Bonn und Region verbindet die beiden Nachbarkirchenkreise seit dessen Gründung 1975. Und so war es das Thema Diakonie, das für das historische Ereignis der ersten gemeinsamen Synode sorgte, an der auch das Diakonische Werk Euskirchen beteiligt war.

"Die Kirchen mit Diakonie und Caritas sind unverzichtbar für unser Gemeinwesen": Bonns Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch vor der Synode (Foto: J. Gerhardt)

"Die Kirchen mit Diakonie und Caritas sind unverzichtbar für unser Gemeinwesen": Bonns Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch vor der Synode (Foto: J. Gerhardt)

Für die Synodalen ging es in zwölf Arbeitsgruppen um die Diakonie als Teil kirchlichen Handelns und die Arbeit des Diakonischen Werks (DW). Der Austausch der Synodalen, die sich sonst oftmals nicht kennen und zum Teil andere Schwerpunkte bearbeiten, empfanden viele von Anfang an als fruchtbar. In allen Workshops gab es offene und fruchtbare Diskussionen mit vielen Anregungen für die weitere Arbeit sowohl im DW als auch den Gemeinden.

Eindrucksvolle Tagung: 150 gewählte Vertreterinnen und Vertreter aus 24 Kirchengemeinden zwischen Bad Münstereifel und Bonn, Bornheim und Meckenheim zur Diakoniesynode in der Kreuzkirche (Foto: J.Gerhardt)

Eindrucksvolle Tagung: 150 gewählte Vertreterinnen und Vertreter aus 24 Kirchengemeinden zwischen Bad Münstereifel und Bonn, Bornheim und Meckenheim zur Diakoniesynode in der Kreuzkirche (Foto: J.Gerhardt)

Gemeinsame Erklärung zur Diakonie

Die Synodalen haben zum Abschluss der Synode unter der Überschrift „Diakonie ist Kirche – Kirche ist Diakonie“ fünf Thesen zum Verhältnis von Diakonie, Diakonischen Werken und Kirche verabschiedet. Obwohl redaktionell noch nicht final, weil es in Workshop 1 noch viele Anregungen gab, war es den Synodalen aber wichtig, damit die große Bedeutung von Diakonie für die Kirche und Gemeinden zu unterstreichen. Diakonie ist der Dienst der Kirche und ihrer Gemeinden an Bedürftigen, Kirche mit ihren Gemeinden ist diakonisch. Diakonisches Handeln ist in vielen Facetten Teil des gemeindlichen Lebens, und die praktische Arbeit orientiert sich an ihrem biblischen Auftrag. Überhaupt ist die enge Verbindung zu Christsein und Glaube ein Kernelement der Diakonie und der Diakonischen Werke. Die wiederum übernehmen gemeinsam mit Kirche und Gemeinden oder in Ergänzung zu den Gemeinden diakonische Aufgaben.

Caritas-Direktor Schneider: „Es geht um Solidarität und Subsidiarität“

Begonnen hatte der Tag mit einer sehr lebendigen Andacht von Pfarrer Rainer Schmidt. Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch betonte in seinem Grußwort, dass die Arbeit des Diakonischen Werks unverzichtbar sei. „Im sozialen Bereich sozial gerecht und funktionierend tätig zu sein, das geht nur in der Verbindung von Stadt, Kirchen und den Trägern der Wohlfahrtspflege.“ Jean-Pierre Schneider, Direktor des Caritasverbandes Bonn, hob hervor, dass die Arbeit der Wohlfahrtsverbände, auch wenn sie kostenbewusst arbeiten müssen, mehr als reine Marktwirtschaft sei. Dienst am Menschen und Mitmenschlichkeit stünden im Mittelpunkt. „Unser vorrangiges Prinzip ist Solidarität und Subsidiarität.“ Mit dieser Synode zeige sich die Erdung der Arbeit in der glaubenden Gemeinschaft.

Pfarrer Ulrich Lilie, ab Juli Präsident der Diakonie in Deutschland, führte in das Thema Gemeinde und Diakonie ein unter der Überschrift „Ende des Dornröschenschlafs“. Er erinnerte an „Pioniere“ wie Bodelschwingh und Wichern, der zur diakonischen Arbeit gesagt hat: „Die rettende Liebe muss das große Werkzeug werden.“ Der soziale Zusammenhalt unserer Gesellschaft lebe von der Achtung für die schwächsten Glieder. Die Gemeinden könnten der Ort sein, in der die Verschiedenheit der Menschen geachtet wird. Auch Lilie warnte vor der Gefahr von zu viel Vermarktung. „Um der Zuwendung zum Nächsten willen bedarf es der Menschen, die aus Mitmenschlichkeit handeln.“ Die Herausforderungen für Kirche, Gemeinden und Diakonie, auch die institutionelle Diakonie, sind laut Lilie die bekannten: Inklusion, demografischer Wandel, Migration.

Positive Bilanz der Superintendenten

Die gemeinsame Synode war erfolgreich, darin waren sich alle einig. Dr. Eberhard Kenntner, Superintendent Bad Godesberg-Voreifel: „Die erste gemeinsame Synode war gut und richtig zu diesem Thema und kann es bei anderen Themen sein, wo wir gemeinsame Arbeitsbereiche haben. Das Diakonische Werk Bonn und Region tragen wir sogar gemeinsam. Die Synode hat gezeigt, dass wir gemeinsam etwas erarbeiten können.“ Eckart Wüster, Superintendent des Kirchenkreises Bonn: „Es war eine gute Synode, weil sich die Synodalen erstmals gegenseitig in den Blick genommen haben und unterschiedliche Denkweisen eingeflossen sind in die Diskussionen. Gemeinsame Arbeitsfelder haben wir ohnehin, und da brauchen wir auch in Zukunft Vernetzung.“ Ulrich Hamacher, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Bonn und Region: „Es war gut, dass sich die beiden Träger unseres Diakonischen Werkes auch einmal gemeinsam mit unserer Arbeit befasst haben. Wir fühlen uns gestärkt nach dieser Synode, denn wir wissen, dass die Kirchenkreise hinter uns stehen.“

Hier erste Stichworte und Diskussionsschwerpunkte aus einigen Workshops:

Workshop 2: Politische Wirkung der Diakonie

Ob Runder Tisch gegen Kinder- und Familienarmut, die Vision Bonn 2025 oder der Bericht zur Kinderarmut: Die Diakonischen Werke, oft gemeinsam mit anderen Wohlfahrtsverbänden, ergreifen Partei für Benachteiligte. Sie wollen nicht nur Armut oder Leid lindern, sie wollen die Lebensbedingungen der Armen und Benachteiligten dauerhaft verbessern – und deshalb fordern sie die Politik. Und sind dauerhaft in intensivem Dialog mit Politik und Verwaltung. Kernthema ist immer Armut, hinzu kommen Themen wie Pflege und Inklusion. Besonders wirksam sind politische Initiativen, wenn sie mit Bündnispartnern erfolgen – das sind vor allem die Wohlfahrtsverbände und die Kirchen und Gemeinden.

Workshop 3: Wer bezahlt die Diakonie?

Hier wurde das Thema Subsidiarität diskutiert, also die Übernahme von sozialen Aufgaben des Staates durch Kirche oder andere freie Träger. Der Staat oder die Stadt zahlt und die Kirche bestimmt? Das war eine der Fragen, denen sich die Teilnehmer stellten. Es ging hier aber auch um die marktwirtschaftliche Ausrichtung und die Frage, ob „Kirche noch für die Schwachen da ist oder nur dort, wo sie Geld bekommt?“ Das Diakonische Werk bekommt im Übrigen den Großteil seiner Zuschüsse von der Stadt, als Träger steuern die Kirchengemeinden rund neun Prozent zum Etat bei.

Workshop 6: Alltagsdiakonie – ehrenamtliches Engagement

Hier trugen die Synodalen zusammen, was es an ehrenamtlichem Engagement in den Gemeinden gibt. Es stellte sich heraus: Es gibt sehr viel und ein sehr vielfältiges Wirken. Hauptanliegen der Teilnehmer war es, dass Angebot besser zu vernetzen, und zwar sowohl innergemeindlich als auch zwischen den Gemeinden und bis hin zum besseren Zusammenwirken mit den Diakonischen Werken und ihren Angeboten. Ein Beispiel war hier der Wunsch nach engerer Zusammenarbeit von gemeindlichen Besuchskreisen mit der ambulanten Pflege. Dieser Wunsch nach engerer Vernetzung wurde auch in weiteren Workshops hervorgehoben.

Workshop 9: Palliativpflege und Hospizdienst

Die Synodalen interessierte hier besonders, wie Ehrenamtliche und Hauptamtliche für den oft belastenden Umgang mit Sterbenden geschult werden. Ehrenamtliche Mitarbeiter werden ein ¾ Jahr lang ausgebildet und im Rahmen eines Gottesdienstes in ihre Tätigkeit offiziell eingeführt. Hauptamtliche – zumeist Krankenschwestern/-pfleger und Altenpfleger/innen – bekommen regelmäßig eine Supervision und werden in ihrer Arbeit auch von Seelsorgern begleitet. Eines wurde in der Arbeitsgruppe betont: Palliativpflege und Hospizdienst ist die Begleitung von Sterbenden – und keine Sterbehilfe.

Workshop 11: Elisabeth-von-Thadden-Haus

Das ist eine Einrichtung für Menschen mit einer psychischen Erkrankung, und es wurden die psychiatrischen Krankheitsbilder vorgestellt sowie das Behandlungskonzept der medizinischen und sozialen Rehabilitation. Die Teilnehmer tauschten sich zu eigenen Erfahrungen mit psychisch Kranken aus und äußerten ihre Betroffenheit, wie sehr psychische Erkrankungen immer noch tabuisiert werden.

Siehe auch: www.bonn-diakonie.de

Angela Beckmann/ger / 14.06.2014


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