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Andacht mit Präses Manfred Rekowski zur Jugendsynode im Vorfeld der diesjährigen Landessynode (Foto: ekir.de)

Kirchenkreis Bonn

Bonner Stimmen und Eindrücke von der Landessynode 2019

Hier lesen Sie erste, persönliche und spannende Eindrücke und Stimmen der gewählten Bonner Vertreterinnen und Vertreter auf der Landessynode 2019 in Bad Neuenahr.

Die Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland tagt vom 6. bis 11. Januar und wurde erstmalig mit einer Jugendsynode vom 4. bis 6. Januar im Vorfeld verbunden.

„Aufbruchstimmung“ beflügelt von der evangelischen Jugend

Landessynodale Dorothea Geffert von der Evangelischen Kirchengemeinde Vorgebirge berichtet: „Wieder  liegt eine Synodenwoche hinter uns. Besonders beeindruckt  hat mich in diesem Jahr, dass erstmalig vorher eine Jugendsynode stattfand. Deren Schwung und Aufbruchstimmung auch noch in die „normale“ Synode hinein zu spüren. Unser Eröffnungsgottesdienst war deren Abschlussgottesdienst – mit alten und neuen Liedern und einer ungewöhnlichen, sehr gelungenen Predigt unter überwiegender Beteiligung  der jungen Generation. Die Beschlüsse der Jugendsynode nahmen wir sehr ernst, indem wir durchaus kritisch darüber  in den Ausschüssen diskutierten. Aber dann machten wir uns ihre Beschlüsse zu eigen,  versehen mit wenigen Kommentaren und Empfehlungen für die Weiterarbeit. Die lebhafte Beteiligung der jungen Generation bei allen Gesprächen lässt hoffen, dass es auch in Zukunft Christinnen und Christen gibt, die sich in unserer Kirche engagieren und diese mitgestalten wollen“, so Dorothea Geffert.

Präsent auf der Landessynode: Pfarrer Wolfgang Harnisch (v.l.), Dorothea Geffert, Dr. Gerd Landsberg, Pfarrerin Dr.Wibke Janssen sowie Ulrich Hamacher (Foto: KK Bonn/ger)

Präsent auf der Landessynode: Pfarrer Wolfgang Harnisch (v.l.), Dorothea Geffert, Dr. Gerd Landsberg, Pfarrerin Dr.Wibke Janssen sowie Ulrich Hamacher (Foto: KK Bonn/ger)

Themen mit Brisanz: Flüchtlinge und Kinderarmut

Für den Landessynodalen Ulrich Hamacher, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Bonn und Region, waren inhaltlich zwei Themen besonders interessant: „Die Situation der Geflüchteten im Mittelmeer und das Thema Kinderarmut. Die Evangelische Kirche im Rheinland unterstützt das Bündnis „Seebrücke“ und fordert die Bundesregierung auf, auch weiterhin Gerettete aus dem Mittelmeer aufzunehmen. Und die Synode hat eine fundierte Stellungnahme und klare Positionierung zum Thema Kinder-, Jugend- und Familienarmut in Auftrag gegeben, die der Synode 2020 vorgelegt werden soll. Sie bekräftigt ihre Forderung nach einer Kindergrundsicherung: Kinderarmut muss wirksam bekämpft werden", so Ulrich Hamacher, auch Mitglied der Kreuzkirchengemeinde im Bonner Zentrum.

„Überzeugendes Beispiel für Demokratie"

Dr. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes und von der Kirchenleitung berufenes Mitglied der Landessynode, resümiert: „Die Synode war für mich ein überzeugendes Beispiel kirchlicher Demokratie. Mit überaus sachlich kompetenten Beiträgen, die in der Sache kontrovers im Ton aber immer freundschaftlich unter Beachtung der christlichen Verbundenheit vorgetragen wurden. Das würde man sich für alle Parlamente wünschen, es wäre ein wichtiger Baustein für weniger Hass und Spaltung in unserer Gesellschaft. Die Verbindung mit der Jugendsynode war ein erfrischendes und überzeugendes Element, das wir wiederholen sollten", so Dr. Gerd Landsberg, in Bonn Mitglied der Friedenskirchengemeinde Kessenich und Dottendorf.

Singende Synode: Superintendent Eckart Wüster (v.l.), Hanna-Lotta Lehmann, Bonner Vertretererin der Jugend, sowie Ulrich Hamacher und Wolfgang Albers (Foto: KK Bonn/ger)

Singende Synode: Superintendent Eckart Wüster (v.l.), Hanna-Lotta Lehmann, Bonner Vertretererin der Jugend, sowie Ulrich Hamacher und Wolfgang Albers (Foto: KK Bonn/ger)

„Warum nicht auch Jugendsynode in Bonn“

Pfarrerin Dr. Wibke Janssen berichtet: „Ein weiter Horizont an Themen hat uns in der Woche der Landessynode beschäftigt: die Unterstützung für unsere südafrikanische Partnerkirche, deren Gemeinde- und Pfarrhaus in Kapstadt abgebrannt waren, klare Worte zur Kinderarmut,  ungewöhnlichen Formen von Gemeinde (zum Beispiel die „beymeister“ in Köln-Mülheim), ein Kirchenasyl in Solingen, das von Räumung bedroht war ...

Eine Aufgabe der Synode war, eine Lösung zu finden für eine sinnvoll neu angepasste Verteilung von Kirchensteuereinnahmen zwischen ärmeren und reicheren Kirchenkreisen in der Evangelischen Kirche im Rheinland. Als ich aus Bonn losfuhr, war ich ratlos, wie ein möglicher Kompromiss dazu aussehen könnte. Die Vorberatungen waren schwierig! Mich hat dann beeindruckt, dass fair und in einer gemeinsamen Suchbewegung eine Lösung gefunden wurde. Beim Geld hörte die Freundschaft/die Geschwisterlichkeit eben nicht auf.

Einige Ideen der Landessynode könnten wir auch im Kirchenkreis umsetzen. Eine Jugendsynode vor und in Verschränkung mit der Kreissynode könnte ich mir gut vorstellen. Und zwar mit Jugendlichen, die in der kirchlichen Jugendarbeit in Bonn und Umgebung schon aktiv sind und mit anderen, die eher skeptisch sind. Die Erfahrung des Landessynode zeigt: Es würde uns gut tun, wenn die junge Generation auch an unseren Beratungen und Entscheidungen im Kirchenkreis stärker beteiligt wäre“, so Dr. Wibke Janssen, Pfarrerin und Religionslehrerin an der Erzbischöflichen Liebfrauenschule in Bonn.

Schwerwiegende Themen“ zu entscheiden –  Dank an Pfarrer Wolfgang Harnisch

Superintendent Eckart Wüster, der auch nebenamtliches Mitglied der Kirchenleitung ist, berichtet: „Die Tagesordnung der Landessynode war deutlich kürzer als sonst. Statt ca. 40 Drucksachen, die in der Vergangenheit oftmals auf der Tagesordnung standen, waren es in diesem Jahr nur 23. Es war aber vorher nur schwer abschätzbar, wie viel Beratungszeit die einzelnen Punkte benötigen würden. Es waren ja schwerwiegende Themen zu diskutieren und zu entscheiden. Dazu gehörte u.a. die Frage, wie die Kirchensteuern in Zukunft in unserer Kirche verteilt werden sollen, denn die Unterschiede bei den Einnahmen zwischen strukturschwachen Regionen und den Ballungsräumen sind groß.  Der Synodale Wolfgang Albers wird dieses Thema näher erläutern.

Mich hat die Art der Diskussion wie viele andere auch sehr beeindruckt. Trotz unterschiedlicher Auffassungen und Überzeugungen haben die Synodalen aufeinander gehört und haben gemeinsam nach Lösungen gesucht.

Die vorgeschaltete Jugendsynode wird sicherlich nicht das letzte Mal stattgefunden haben. Junge Menschen sind nicht nur unsere Zukunft, sie sind auch unsere Gegenwart. Es waren beeindruckende, selbstbewusste junge Menschen, die an den Beratungen der Jugendsynode und der „regulären“ Synode teilgenommen haben. Die Beschlüsse der Jugendsynode (zur Partizipation, Kinder- und Jugendarbeit, neuen Gemeindeformen, Kinderarmut und zur Flüchtlingsproblematik an den EU-Außengrenzen) sind alle aufgenommen worden. Dabei hat auch der Beschluss der Bonner Kreissynode zur Kinderarmut Aufnahme gefunden.

Es war die letzte Synode für unseren Synodalassessor Pfarrer Wolfgang Harnisch, der zum 1. Juli 2019 in den Ruhestand eintreten wird. Ich danke ihm herzlich für das große Engagement und für einige sehr persönliche Beiträge im Plenum der Synode“, so Eckart Wüster, auch Pfarrer der Kirchengemeinde Hersel.

„Gemeinsame Wege finden“

Wolfgang Albers, berufenes Mitglied der Synode und Mitglied der Kirchenleitung: „Das war schon eine lange Synode – mit der Jugend – Synode 8 volle Tage – aber es hat sich gelohnt. Vorab zur Jugendsynode; mit viel Engagement und hoher Disziplin haben die 100 Synodale, 50 Vertreter der evangelischen Jugend und 50 Synodale, die 4 Themen, Jugendarbeit, Kinder – und Familienarmut, Flüchtlinge/EU – Außengrenze sowie neue Gemeindeformen diskutiert. Die jungen Leute haben aus meiner Sicht streitbar und geschickt die Interessen der jungen Menschen in die synodalen Beschlüsse eingebracht. Ich bin froh, dass die Synode die Vorschläge aufgegriffen und zu ihren Beschlüssen gemacht hat. Abends in der Bar bzw. in der Bayerischen Botschaft ging es dann aber doch deutlich anders zu als bei den üblichen Synoden Der Übergang von der Jugendsynode zur Synode bildete der traditionelle Gottesdienst in der Luther Kirche. Für mich war es eine Freude, an einem Gottesdienst mitwirken zu dürfen, der von den jungen Menschen gestaltet und geprägt wurde. Wir haben in unserer Jugend viele Potenziale – und die schlummern nicht.

Die Synode selbst war von der Diskussion um die Kirchensteuerverteilung geprägt. Es war eine gute Entscheidung, dieses Thema vorab in Arbeitsgruppen zu diskutieren, die jeweils den Querschnitt unserer Landeskirche abbildeten. Hier hat sich nicht nur der Blick der einzelnen Synodalen auf die Möglichkeiten und Probleme des anderen geschärft, es sind auch Ansätze für Überlegungen entwickelt worden, die weit über die 100 Prozent – Kirchensteuerverteilung hinausgingen. Insofern war es folgerichtig, dass der zusätzlich eingesetzte Tagungsausschuss, den ich einberufen und leiten durfte, einen neuen Vorschlag erarbeitet hat, der zum einen bis 2020 den Garantiebetrag auf 97 Prozent heraufsetzt und auf der anderen Seite der Kirchenleitung und den ständigen synodalen Ausschüssen den Auftrag erteilt hat, weitergehende Vorschläge zur Sicherung der Arbeit unserer Kirche zu entwickeln. Diese Vorschläge müssen dann spätestens auf der Synode 2023 beschlossen werden. Dass dieser Beschlussentwurf im synodalen Ausschuss einstimmig und auf der Synode mit überwältigender Mehrheit beschlossen wurde, hat mir gezeigt, dass wir als Kirche auch in schwierigen Lagen bei großen Interessenunterschieden in der Lage sind, einen gemeinsamen Weg zu finden und zu gehen. Wir müssen uns allerdings bewusst sein, die eigentliche Arbeit liegt erst vor uns, und der Weg, den wir jetzt gemeinsam gehen müssen, ist keiner über eine grüne Wiese.

Ja, es war für mich eine anstrengende, gute Synode, aber die Anstrengung hat sich gelohnt und die Synode hat mir auch dieses Jahr Freude bereitet“, bilanziert Wolfgang Albers, in Bonn Mitglied der Trinitatiskirchengemeinde Endenich.

„Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“

Die Jugenddelegierte Hanna-Lotta Lehmann aus Bonn berichtet: „Unter dem Bibelvers `Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit´ (2. Korinther 3,17) startete am 4. Januar 2019 die erstmalig stattfindende Jugendsynode, an der ich teilnehmen durfte. Damit war ich eine von 100 SynodalenInnen, die in Bad Neunahr bis zum 6. Januar über die fünf Themen (Partizipation, Jugendarbeit, Jugend- und Familienarmut, Gemeindeformen und EU-Außengrenzen) diskutiert und beraten haben. Da ich bis vor der Jugendsynode kaum Gremienerfahrung hatte, waren die Arbeitsweisen für mich neu. Ich bin beeindruckt, wie intensiv und kontrovers wir diskutierten, dabei jedoch immer versuchten einen Kompromiss zu finden. Besonders motivierend war dabei, dass die Diskussionen stets auf Augenhöhe geführt wurden und sowohl die junge Generation als auch die LandessynodalenInnen ernst genommen wurden. Ich hoffe, dass diese Art der Zusammenarbeit auch in Zukunft weitergeführt wird und wir jungen Menschen weiterhin die Gelegenheit haben, mitzureden und unsere Kirche mitzugestalten. Wie fruchtbar diese Zusammenarbeit sein kann, zeigten die überwiegend angenommenen Anträge der Jugendsynode bei der Landessynode.“, so Hanna-Lotta Lehmann.

Alle Infos und Beschlüsse zur Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland finden Sie hier: www.ekir.de

ger / 11.01.2019


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