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Das aktuelle "Wort zum Sonntag" aus der Rundschau:

Gemeinsam am Tisch des Herrn

Keiner muss alleine bleiben. Am Abend hatte Jesus noch einmal alle seine Jünger um sich geschart. Sie hatten sich zurückgezogen in ein Haus mitten in der überlaufenen Altstadt, abseits des Trubels dieser Tage.

Abendmahl: Kelch und Brot auf dem Altar der Lutherkirche in Bonn (Foto: J. Gerhardt)

Abendmahl: Kelch und Brot auf dem Altar der Lutherkirche in Bonn (Foto: J. Gerhardt)

Menschen brauchen einen Ort zum Durchatmen. Hier war er nun. Die Tage vorher waren voller Erlebnisse: der festliche Einzug Jesu in Jerusalem unter den Palmenzweigen begeisterter Anhänger. Im Anschluss die hitzigen Debatten über sein Verhältnis zur römischen Besatzungsmacht, über Auferstehung, das höchste Gebot und seine eigene Rolle. Dann der Tötungsbeschluss durch die religiösen Führer, der Verrat durch Judas. Nun für einen Augenblick Ruhe und Gemeinschaft. Die Verhaftung tags drauf, der Tod am Kreuz. Jesus wird das schon vor Augen gehabt haben. Aber hier am Abend steht die Welt gefühlt für einen Augenblick still und das ist gut so.

Gründonnerstag heißt dieser Tag bei uns. Das „Grün“ hat eher nichts mit der Farbe zu tun, sondern leitet sich wohl ab von „Grienen“, altdeutsch Weinen. Tränen mögen geflossen sein an diesem Abend. Tränen des Abschieds, der Trauer, auch aus Erschöpfung, aber auch Tränen der Rührung aus so einer trotzigen Erfahrung: Unsere Gemeinschaft ist stärker als Gewalt, Unrecht und Tod. Sie brechen das Brot und teilen den Wein miteinander. Gemeinsam zu essen verbindet. Es wird das letzte Abendmahl sein. Keiner ist ausgeschlossen. Sogar der Verräter Judas sitzt mit am Tisch und Petrus, der seinen Herrn tags drauf so jämmerlich verleugnen wird. Auch das ist wichtig. Am Tisch des Herrn hat jeder seinen Platz und es ist nicht an uns zu entscheiden, wer dort teilnehmen darf.

Das Abendmahl ist neben der Taufe in allen christlichen Kirchen zum Sakrament geworden. Jesus hat es gestiftet. Als Zeichen dafür, dass die Gemeinschaft der Christen lebendig ist und bleibt – alle Zeit.
Joachim Gerhardt

Kölnische/Bonner Rundschau

Kölnische/Bonner Rundschau

Joachim Gerhardt, Pfarrer an der Bonner Lutherkirche und Pressesprecher des Kirchenkreises Bonn, schreibt alle drei Wochen das "Wort zum Sonntag" in der Gesamtausgabe der Kölnischen/Bonner Rundschau, auf Seite 4 in der der großen Tageszeitung in der Köln-/Bonner Region. Hier erfahren Sie mehr: www.rundschau-online.de.

23.03.2013


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