Logo EKiR

Wer schreibt noch Postkarten heute? Es lohnt sich ... (Foto: J. Gerhardt)

Das aktuelle "Wort zum Sonntag" aus der Rundschau:

Auf ein Wort

Haben Sie Urlaubspost bekommen? Eine Postkarte von den Kindern aus Mallorca, eine Karte vom Freund, der sich an der Ostsee erholt oder von der Tante, die in den Alpen wandert? Wenn ja, schätzen Sie sich glücklich.

 Denn Ansichtskarten gehören zu einem aussterbenden Medium, sagt selbst die Post. Statt Karten zu schreiben werden heute Bilder gepostet. Das ist einfacher, geht schneller, ist günstiger und man kann auch viel, viel mehr schicken.

Die Bilderflut ist ein Kennzeichen unserer Zeit. Geht dabei auch was verloren? Vielleicht der Erinnerungswert. Denn die Allermeisten werden ihre Fotoeingänge kaum archivieren so wie man früher schöne Postkarten im Schuhkarton aufgehoben hat. Digitale Bilder kommen rasch und verschwinden genauso schnell wieder.

Und es gibt oft keinen Text. Bilder sprechen halt für sich. Bei Sonnenuntergängen stimmt das sicherlich. Aber irgendwie finde ich es schade. Der handschriftliche Gruß und ein paar persönliche Zeilen machen mir eine Karte erst kostbar.

Vielleicht wäre das alles nicht so bemerkenswert, wenn ich diese Tage nicht gelesen hätte, was Psychologen aufgefallen ist: Immer mehr Menschen falle es schwer, ihre Gefühle und Empfindungen in Worte zu kleiden. Sie hätten keine Übung mehr, für das was sie bewege, Hoffnungen und Sehnsüchte wie Ängste und Sorgen, Worte zu finden. Genau das aber von sich persönlich mitzuteilen, sei Voraussetzung dafür, dass Menschen glücklich seien.

„Am Anfang war das Wort“ heißt es in der Bibel (Johannes-Evangelium, Kap. 1, Vers1). Ein Satz, der einen auf den großen, schöpferischen Wert des Wortes, hinweist, gesprochen wie geschrieben.  Vielleicht sind Urlaubspostkarten eine kleine, gute Übung, die Kunst des Wortes lebendig zu halten. Gut, Postkarten sind keine tiefenpsychologischen Erfahrungsberichte, aber ein kleiner himmlischer Gruß aus Südfrankreich oder von wo immer können sie alle Mal sein.
Joachim Gerhardt

Kölnische/Bonner Rundschau

Kölnische/Bonner Rundschau

Joachim Gerhardt, Pfarrer an der Bonner Lutherkirche und Pressesprecher des Kirchenkreises Bonn, schreibt alle drei Wochen das "Wort zum Sonntag" in der Gesamtausgabe der Kölnischen/Bonner Rundschau, auf Seite 4 in der der großen Tageszeitung in der Köln-/Bonner Region. Hier erfahren Sie mehr: www.rundschau-online.de

12.08.2017


Willkommen! Wort zum SonntagSpenden Newsletter Gottesdienste Terminkalender PROtestant Kirchengemeinden