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Das aktuelle "Wort zum Sonntag" aus der Rundschau

Beten und vertrauen

„Wer den Koch kennt, muss vor dem Essen nicht beten.“ Ein Witz aus der Gastronomie mit einem wahren Kern.

Auch eine Fürbitte: Brennende Kerze in einer Kirche (Foto: Joachim Gerhardt)

Auch eine Fürbitte: Brennende Kerze in einer Kirche (Foto: Joachim Gerhardt)

Der Mensch hat immer schon gebetet, wenn es darum geht, vor einer Gefahr beschützt zu werden oder eine Katastrophe abzuwenden. Die Bitte, Gott verschone uns vor Krieg und Pest, ist so alt wie die Menschheitsgeschichte.

Wir haben in meiner Kirche ein Buch ausliegen, in das Menschen ihre Wünsche schreiben können und dazu eine Kerze anzünden. „Lass die Oma wieder gesund werden“ lese ich dort oder „Lass mein Kind die Prüfung bestehen“.

Not lehrt beten. Und doch ist Beten mehr: auch Dank, Klage, Fürbitte für andere, Bitte um Vergebung. Eine Gesellschaft, in der Menschen füreinander beten, ist menschlicher. Darum verspricht uns Jesus: „Wer da bittet, der empfängt; wer da sucht, der findet; wer da anklopft, dem wird aufgetan" (Matthäus 7, 7+8).

Man muss aber auch sagen: Nicht jede Bitte geht in Erfüllung. Und ob Gott sie hört, ist nicht zu messen. Und doch wohnt dem Gebet eine Kraft inne, die man nicht unterschätzen sollte. Vor allem die Fürbitte verbindet mich nicht nur mit Gott, sondern auch mit dem anderen. Ich denke manchmal, der spürt das auf wunderbare Weise.

Und die Bitte verändert auch den Beter: Ich gebe mit meinem Gebet ein Stück weit den Anspruch ab, ich würde alles regeln, könnte alles kontrollieren. Das tut mir gut und der Situation oft auch. Ich werde durchlässiger und achtsamer für das, was das Leben mir schenkt.

Dann kann aus einem Not- oder Angstgebet sogar ein Dankgebet werden. Danken für das alltäglich Gute, das eben doch nicht selbstverständlich ist. Zum Beispiel mit einem Tischgebet: „Alle guten Gaben, alles, was wir haben, kommt o Herr von dir, ich danke dir dafür.“ Das kann ich beten, gerade weil ich den Koch kenne und ihm vertraue.
Joachim Gerhardt

Kölnische/Bonner Rundschau

Kölnische/Bonner Rundschau

Joachim Gerhardt, Pfarrer an der Bonner Lutherkirche und Pressesprecher des Kirchenkreises Bonn, schreibt alle drei Wochen das "Wort zum Sonntag" in der Gesamtausgabe der Kölnischen/Bonner Rundschau, auf Seite 4 in der der großen Tageszeitung in der Köln-/Bonner Region. Hier erfahren Sie mehr www.rundschau-online.de

25.05.2018


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