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Das aktuelle "Wort zum Sonntag" aus der Rundschau

Von der „schäl Sick“

Gibt es Menschen, die Sie nicht mögen? Fast jeder hat da so seine Personen. Es ist wohl einfach menschlich, zwischen denen zu unterscheiden, die man mag und den anderen.

Den Hintern gen Beuel auf die andere Rheinseite: das legendäre "Bröckemännsche" in Bonn auf der linken Rheinseite gegen die auf der "schäl Sick" (Foto: Archiv KK Bonn)

Den Hintern gen Beuel auf die andere Rheinseite: das legendäre "Bröckemännsche" in Bonn auf der linken Rheinseite gegen die auf der "schäl Sick" (Foto: Archiv KK Bonn)

Manchmal wird die Unterscheidung über Generationen weitergegeben. Bei uns am Rhein wird sie geradezu kultiviert, wenn es um die Frage geht, von welcher Seite des Ufers kommst du, von der „schäl Sick“ oder nicht. Oder bist du Kölner oder Düsseldorfer? Deutscher oder Holländer.

Der Mensch braucht anscheinend das Gruppengefühl und die Zugehörigkeit. Leider geht das nicht immer nur mit Humor einher, sondern auch mit Geringschätzung oder sogar Hass. Die Geschichte lehrt wie aus Nationalismus Krieg entsteht. Immer wieder nach diesem Muster.

Von Jesus wird erzählt, wie er gerade nicht in seinen eigenen Zirkeln bleibt, dem vertrauten Umfeld. Jesus geht sogar provokant so weit, seine Jünger zu fragen „Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder?“ als die eigene Familie zu Besuch ist (Matthäus-Evangelium Kap. 12, 46-50). Eine harte Frage. Doch es ist Jesus wichtig, in der Beziehung zu Menschen Grenzen zu überschreiten. Wer auf Erden etwas von Gottes Reich erleben will, der darf sich nicht einrichten im Kreis der Bekannten, der eigenen Sippe.

Jesu Weg führt zu den Aussätzigen und Kranken, zu den Samaritern, das waren die gering geschätzten Ausländer seiner Zeit. Jesu zentrale Botschaft von der Nächstenliebe zielt vor allem auf den Nächsten, der einem erst einmal fremd ist, mit seiner Geschichte, seiner Herkunft, seiner Religion. Und liebe auch deinen Feind, fordert Jesus, also versuche den, der nicht dein Freund ist, trotz aller Ablehnung zu verstehen, zu achten.

Nichts gegen die eigene Familie, nichts gegen die von der „richtigen“ Rheinseite. Doch der Blick sollte christlich gesehen weiter reichen. Nur dann kann in Gottes Namen Frieden wachsen in der Welt, resümiert Jesus und sagt: „Mein Bruder und meine Schwester sind die, die Gottes Willen tun.“
Joachim Gerhardt

Kölnische/Bonner Rundschau

Kölnische/Bonner Rundschau

Joachim Gerhardt, Pfarrer an der Bonner Lutherkirche und Pressesprecher des Kirchenkreises Bonn, schreibt alle drei Wochen das "Wort zum Sonntag" in der Gesamtausgabe der Kölnischen/Bonner Rundschau, auf Seite 4 in der der großen Tageszeitung in der Köln-/Bonner Region. Hier erfahren Sie mehr www.rundschau-online.de

19.01.2019


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