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Das aktuelle „Wort zum Sonntag“ aus der Rundschau:

Geduldsfaden

„Wenn dein Geduldsfaden reißt“, heißt es auf der Verpackung, „klemm einfach einen neuen Faden zwischen die Lippen und sauge langsam ein. Dabei Augen schließen und in aller Seelenruhe genießen“.

– Schön, wenn das so einfach wäre mit der Erneuerung von Geduldsfäden. Ich stehe im Süßwarenladen und halte die Schachtel, die wie ein Arzneimittel aussieht, in der Hand. Ein 3er-Pack für 6,90 €: Fruchtgummischnüre mit Erdbeergeschmack.

 

Für den Augenblick mag es helfen. Ein Geschenk mit Augenzwinkern. Für die Durststrecke einer Krise, die Dauer einer Pandemie, sicher nicht.

 

Was hilft wirklich? Die Bibel denkt viel nach über Geduld und den Lauf der Zeit. „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet“, schreibt der Apostel Paulus der jungen Christengemeinde (Römerbrief Kap 12, Vers 12). Kein Rezept, aber ein weiser Rat. Weil Paulus weiß, Geduld allein ist kein erfüllender Lebensinhalt. Erst recht nicht, wenn es Menschen schlecht geht. So wie den Christen damals, die unter Verachtung und Verfolgung leiden mussten.

 

Der Satz des Paulus gibt erst im Dreiklang Sinn: „Geduldig in der Trübsal“ kann ich nur sein, wenn ich weiß, dass ich Gott ansprechen kann, ihn bitten, für mich und für andere, auch klagen. Und mich darauf verlassen darf: Gott hört meine Worte. Ich bin und bleibe nicht alleine. Das bedeutet Beten. Und genau das zu spüren, kann der erste Schritt sein zu einer neuen Hoffnung.

 

Wie viele Menschen haben durch das Gebet ihre Einsamkeit überwunden und wieder Kraft geschöpft. Daran möchte ich mich erinnern, wenn ich mit meiner Geduld an ihr Ende komme.

 

Fäden reißen, Geduldsfäden auch, wenn das Gewicht zu stark ist. Das Gebet ist die große Chance das abzugeben, was ich nicht tragen oder halten kann. Und auf einmal wird das Leben leichter und fröhlicher.
Joachim Gerhardt

Kölnische/Bonner Rundschau

Kölnische/Bonner Rundschau

Geistlicher Impuls zum Sonntag

 

Joachim Gerhardt, Pfarrer an der Bonner Lutherkirche und Pressesprecher des Kirchenkreises Bonn, schreibt alle drei Wochen das „Wort zum Sonntag" in der Gesamtausgabe der Kölnischen/Bonner Rundschau, auf Seite 4 in der der großen Tageszeitung in der Köln-/Bonner Region. Hier erfahren Sie mehr: www.rundschau-online.de

11.09.2021


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