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Marion Keuchen Marion Keuchen ist Dozentin am Pädagogisch-Theologischen Institut in Bonn.

Das Schuljahr 2020/21 vor dem Start

„Grundlegende Fragen des Religionsunterrichts werden jetzt offen auf der Straße diskutiert“

Prof. Dr. Marion Keuchen, Dozentin am Pädagogisch-Theologischen Institut in Bonn, spricht im Interview über zusammengesetzte Lerngruppen, religiöses Basiswissen und den besonderen Wert des Schulfachs Religion nicht nur in Krisenzeiten.

Frau Keuchen, hat das Coronavirus den Religionsunterricht verändert?

Marion Keuchen: Leider ja. Durch das Coronavirus flammte die schon alte Diskussion um sogenannte Haupt- und Nebenfächer in Schulen äußerst ungünstig wieder auf. Sogenannte Nebenfächer wie auch Religion rückten im digitalen wie auch im gekürzten Präsenzunterricht in der Schule in den Hintergrund. Neben einigen sehr wertzuschätzenden Versuchen, auch online weiterhin Religionsunterricht anzubieten, fiel an vielen Schulen das Fach Religion zugunsten der Kernfächer einfach aus.

Haben Sie die Sorge, dass sich das im neuen Schuljahr fortsetzt?

Keuchen: Im Religionsunterricht sitzen oft Kinder aus verschiedenen Klassen zusammen. Das ist eine gute Chance im Präsenzunterricht, da so Kontakte über Klassengrenzen hinweg möglich sind. In Coronazeiten benötigen zusammengesetzte Lerngruppen hinsichtlich der Hygieneschutzmaßnahmen natürlich eine besondere Aufmerksamkeit. Die Schulaufsicht und die Schulen selbst haben das im Blick. Ich freue mich, dass der Regelbetrieb zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen wieder gilt, er umfasst ja auch das Fach Religion.

Könnte Religionsunterricht nicht gerade in Krisenzeiten wie diesen hilfreich sein?

Keuchen: Grundlegende Fragen des Religionsunterrichts werden in der Corona-Krise jetzt offen auf der Straße und in den Medien diskutiert: Wie gestaltet sich Verantwortung zwischen den Generationen? Was ist ein Menschenleben wert? Wie gehen wir mit Trauer, Zukunftsängsten und Todeserfahrungen um? Wie leben wir in und mit der Schöpfung? Was sind Mutmacher in dieser Krise? Im Fach Religion kommen Kinder und Jugendliche über diese Fragen ins Gespräch und erfahren und diskutieren Mutmachendes der Religionen. Außerhalb des Unterrichts gestalten Religionslehrkräfte auch das Schulleben mit und begleiten beispielsweise Gottesdienste am Schuljahresbeginn und helfen dadurch Kindern, Jugendlichen, Eltern und Lehrkräften über Schwellen. Gerade zu Beginn dieses Schuljahres dürften die Schwellen höher sein als in den Jahren zuvor.

Wenn Sie drei Kernaufgaben des Religionsunterrichts benennen müssten, welche wären das?

Keuchen: Da würde ich dreimal mit „i“ antworten: inklusiv, interreligiös und individuell. Inklusiv meint einen Religionsunterricht für alle Kinder, natürlich innerhalb der jeweiligen Organisationsform, sei er nun konfessionell-kooperativ oder konfessionell getrennt organisiert. Das reicht von Kindern, die religionsnah aufwachsen, bis zu Kindern, die gar keine Konfession haben. Dabei geht es auch um unterschiedliche Lernzugänge: Religionsunterricht soll nicht nur kognitives Lernen ermöglichen, sondern auch affektives und soziales Lernen. Interreligiös soll der Unterricht sein, weil es auch die Kinder schon sind: Sie kommen aus unterschiedlichen Religionen und Weltanschauungen. Und das Fach Religion muss sich an den individuellen Lebenswelten der Schülerinnen und Schüler orientieren.


Wie gelingt die richtige Balance zwischen der Beziehung zur eigenen Konfession und Religion und der Verbindung zu anderen Konfessionen und Religionen?

Keuchen: Man muss zunächst vorsichtig sein. Sie können, wenn Sie eine auf dem Papier evangelische Schülerin haben, nicht davon ausgehen, dass diese Schülerin dann auch wirklich einen Bezug zur evangelischen Kirche hat. Auch nicht jedes muslimische Kind hat einen Bezug zum Islam. Diese Einschränkung wird immer wichtiger. Deswegen können Sie auch nicht unbedingt erwarten, dass da jetzt evangelische und katholische Kinder sitzen, die sich über ihre Konfession austauschen können. Da wird ein evangelisches Kind vielleicht gar nicht wissen, dass es evangelisch ist, und vom Papst reden. Und der muslimische Junge erzählt Ihnen, dass sein Vater freitags manchmal in die Kirche geht. Und gerade muslimische Kinder wollen auch nicht ständig über den Islam reden, weil sie nicht nur darüber definiert werden wollen.

Die Klage, dass das religiöse Basiswissen der Kinder und Jugendlichen schwindet, ist ja nicht neu. Wie stellt sich der Religionsunterricht darauf ein?

Keuchen: Was ist religiöses Basiswissen? Wenn Sie nach biblischen Geschichten fragen, ist bekannt, dass die Kenntnisse dazu nicht mehr so verbreitet sind. Aber die Fragen, wer ich bin, wer ich sein will, wie ich in dieser Welt leben will und in welcher Welt ich leben will, diese Fragen sind geblieben. Sie drücken sich vielleicht nicht mehr in religiösen Worten aus. Kinder reden nicht mehr von der Schöpfung, aber durchaus von der kaputten Welt. Der Religionsunterricht stellt sich darauf ein, indem er versucht, zunächst die Sprache aufzubrechen. Die kirchliche Sprache ist für viele Kinder und Jugendlichen unzugänglich. Begriffe wie Vergebung, Versöhnung, Gnade und Barmherzigkeit verstehen Kinder nicht, aber die Inhalte sehr wohl. Und Religionsunterricht muss diese Inhalte sprachsensibel wieder bewusst machen.

Dabei kommt den Religionslehrerinnen und -lehrern eine hohe Verantwortung zu. Wie erfolgt ihre Beauftragung?

Keuchen: Religion ist das einzige Schulfach, das im Grundgesetz verankert ist. Man benötigt als Religionslehrkraft sowohl einen staatlichen Abschluss einer Hochschule als auch eine kirchliche Bevollmächtigung, die sogenannte Vokation. Ich freue mich sehr, dass zu meinen Aufgaben auch die Verleihung von Vokationen der rheinischen Kirche gehört. In einer gemeinsamen Woche im PTI zu verschiedenen Themen lernen die Lehrkräfte das ganze PTI mit seinen Fortbildungsmöglichkeiten und Begleitangeboten kennen. Als Abschluss darf ich in einem Segnungsgottesdienst die Vokation an die meist jüngeren Lehrkräfte verleihen und ihnen Gottes Segen zusprechen. 

Zum Schuljahresbeginn stehen immer die Schulanfangsgottesdienste an. Bietet das PTI auch dazu Unterstützung an?

Keuchen: Mein Kollege Dr. Jürgen Röhrig stellt in Kooperation aller evangelischen Kirchen in NRW seit Jahren für die Schuleingangsgottesdienste der Erstklässler in der Grundschule und der Fünftklässler an den weiterführenden Schulen kostenloses Material zur Verfügung. Diesmal heißt das Thema für die neuen Fünftklässler: „Ich hab‘s drauf! Talente leben“.

Welche Unterstützungsangebote erhalten Religionslehrerinnen und -lehrer nach ihrer Vokation berufsbegleitend beim PTI?

Keuchen: Ich selbst biete Veranstaltungen zu Themen der Klassen 5 bis 13 an. Hinter meinem Angebot stehen meist aktuelle Fragestellungen, die Lehrkräften unter den Nägeln brennen, wie Digitalisierung, die Schöpfungsthematik oder die Unzugänglichkeit kirchlicher Sprache für Jugendliche. Im Bereich Mediendidaktik begleite ich im Kollegiumsteam die Kurzfilmtage, ein kleines Filmfestival im PTI, mit Filmemacherinnen und Filmemachern und interessiertem Publikum. Im Medienportal des PTIs unter Leitung von Astrid Weber sind Lehrkräften und anderen interessierten Personen eine große Auswahl von Filmen nach einer Registrierung frei zugänglich. Im PTI selbst ist eine Präsenzbibliothek zu finden, die neben aktueller Fachliteratur auch umfangreiche Unterrichtsmaterialien enthält. Bei meiner Kollegin Sabine Lindemeyer können Lehrerinnen und Lehrer eine Qualifikation für die Schulseelsorge erlangen. Dr. Christopher König ist für die Berufsschulen zuständig und bietet Veranstaltungen zur Friedenspädagogik und zum Demokratielernen an. Dr. Jürgen Röhrigs Schwerpunkte sind Veranstaltungen für den Grundschul- und Förderschulbereich.

Hat sich bei der Vermittlung biblischer Geschichten etwas verändert im Religionsunterricht?

Keuchen (lacht): Über die historische Entwicklung der Kinderbibeln habe ich im Zuge meiner Habilitation 700 Seiten geschrieben. Schon im 18. Jahrhundert waren Kinderbibeln orientiert an kindlichen Fragen. Und sie sind bis heute eines der Medien für biblische Geschichten im Unterricht geblieben. Aber die Vermittlung ist heute bildorientierter geworden und versucht, sich dabei an den Bilderwelten von Kindern und Jugendlichen zu orientieren. Und es kommt zu sprachlichen Anpassungen: Jüngerinnen und Jünger werden zu Freundinnen und Freunden. Zum Teil gibt es sogar interreligiöse Ansätze der Vermittlung und Bibeln, die die klassische biblische Chronologie aufbrechen, sich stattdessen an den christlichen Festen orientieren und die biblischen Grundlagen dafür behandeln. Bibelvermittlung ist heute ganzheitlich und kreativ.

Spielt es auch eine Rolle, dass es bei biblischen Geschichten mitunter weniger um Tatsachenberichte als um Lebensdeutung geht?

Keuchen: Deutlich zu machen, was die Bibel mit dem eigenen Leben zu tun hat, war schon ein Anliegen Martin Luthers. Dass die Bibel als Hoffnungsbuch und Visionsbuch für das eigene Leben verstanden werden will, hat sich über die Jahrhunderte nicht verändert.

Was ist aus Ihrer Sicht entscheidend, damit der Religionsunterricht auch künftig seinen Stellenwert behält?

Keuchen: Es muss deutlich werden, dass im Religionsunterricht Relevantes passiert. Es kommt zum Beispiel durch die Corona-Krise zu Veränderungen sowohl im individuellen Leben als auch in der Gesellschaft und weltweit. Der Religionsunterricht ist der Ort, wo wir fragen können: Wie sieht es aus mit einer solidarischen Welt, wie gehen wir mit Gottes Schöpfung um? Dass der Wert des Lebens über wirtschaftliche Interessen gestellt wird, ist eine urbiblische Botschaft. In der Corona-Krise haben diese Fragen einen neuen Raum bekommen. Deshalb freue ich mich mit den vielen engagierten Religionslehrkräften im Rheinland, wenn an den Schulen wieder Religionsunterricht erteilt wird.    

Zur Person

Marion Keuchen ist seit August 2019 Dozentin für Religionsunterricht in den Sekundarstufen I und II am Pädagogisch-Theologischen Institut (PTI) der rheinischen Kirche in Bonn und dort auch zuständig für Medienpädagogik und Digitalisierung. Ihr Lehramtsstudium der Evangelischen Theologie, Germanistik, Philosophie und Erziehungswissenschaft absolvierte sie in Paderborn, Bielefeld-Bethel, Bochum und Berlin. Die 46-Jährige ist außerordentliche Professorin für Evangelische Religionspädagogik an der Universität Paderborn.

Beruflich war sie langjährig in der Lehramtsausbildung an Universitäten in NRW und im Schuldienst an Gymnasien in Hessen und Baden-Württemberg tätig. Vor ihrem Wechsel zum PTI hatte sie zuletzt eine Vertretungsprofessur in der Lehramtsausbildung der Universität Bielefeld inne. Keuchen ist mit einem Pfarrer verheiratet, hat zwei Kinder (zwölf und sechs) und lebt in Siegburg.

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ekir.de / Interview Ekkehard Rüger / Foto: Laura Wagner / 07.08.2020



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