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Vor Corona: Roma-Missionsarbeit der Reformierten Kirche in Ungarn Vor Corona: Roma-Missionsarbeit der Reformierten Kirche in Ungarn

Corona Pandemie

Folgen der Coronakrise für Roma in Ungarn

In Ungarn trifft die Coronakrise die ohnehin benachteiligten Roma-Minderheiten besonders hart, schreibt  Georgina Laboda, Studentin im reformierten Roma-Fachkollegium in Budapest im Blog des Gustav-Adolf-Werks. Das Diaspora-Werk unterstützt die Reformierte Kirche in Ungarn in ihrer Arbeit mit den Roma-Gemeinschaften.

Georgina Laboda studiert Politikwissenschaften in Budapest und wohnt im reformierten Roma-Fachkollegium in Budapest. Sie schreibt im Blog „Glauben verbindet“ des Gustav-Adolf-Werks e.V.:

„Mehr als zwei Monate ist es her, dass das Coronavirus auch in Ungarn aufgetauchte, und seitdem hält es das Land und fast die gesamte Welt gefangen. Seitdem die Regierung Mitte März den Ausnahmezustand ausrief, hat sich unser Leben drastisch verändert. Anfangs war das noch ganz schön. Aber schon bald wurde mir bewusst, welche schwerwiegenden Folgen diese Situation für unsere Wirtschaft haben wird und wie ernsthaft unser Leben durch Epidemie bedroht sein wird. 

Viele Menschen verloren ihre Arbeit wegen COVID-19 und ihr für den Lebensunterhalt ihrer Familien lebenswichtiges Einkommen. Aufgrund der Schließungen sind Kinder und Schulen auf digitale Bildung umgestiegen, zumindest diejenigen, die in der Lage waren.

Fehlende technische Ausrüstung verhindert digitale Bildung

In den meist benachteiligten Gemeinschaften Ungarns verfügen die Schüler einfach nicht über die notwendige technische Ausrüstung, um an der digitalen Bildung teilzunehmen. Schulen, die auf den Mangel an Computern und Internetzugang unter den Schülern vorbereitet waren, haben gedruckte Arbeitsblätter unter den Schülern verteilt und versucht, sie durch andere "nicht-digitale" Lernmöglichkeiten im Bildungssystem zu halten, damit sie die Mindesterwartungen für einen erfolgreichen Abschluss des Schuljahrs leisten können. 

Zur selben Zeit, als Schulen geschlossen wurde, wurden auch die Nachschulprogramme unterbrochen. Obwohl viele Lehrer weiterhin versuchen, den Kindern zu helfen, hauptsächlich per Telefon, ändert sich die Produktivität ihrer Bemühungen aufgrund des Mangels an Möglichkeiten ständig, und die meisten von ihnen können sich nicht auf die Unterstützung der Eltern verlassen.  

Wegfall des Einkommens: Familien rutschen tiefer in Schuldenfalle

Für die gesellschaftlich benachteiligten Roma-Gemeinschaften war es üblich, ihren Haushalt aus Gelegenheitsjobs zu finanzierten, und nachdem diese Möglichkeit verschwunden war, wurde ihre Situation dramatischer. Mit dem Verlust ihres Einkommens sind diese Familien nicht nur außerstande, die schon vorhandenen Kredite zurückzuzahlen, sondern sie werden noch tiefer in die Schuldenfalle rutschen. 

Noch immer gibt es Menschen, für welche Wucher der einzige Weg zum Überleben bleibt und deshalb Kredite mit überhöhten Zinsen an Wucherer, die die Coronakrise missbrauchen, zurückzahlen müssen. Glücklicherweise gibt es eine wachsende zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit von Roma- und Pro-Roma NGO, die unterprivilegierte Roma-Gemeinschaften so weit wie möglich finanziell unterstützen.

Schlechter Gesundheitszustand der in Segregation lebenden Menschen

Die Roma sind unter den sozial benachteiligten Gemeinschaften in Ungarn überrepräsentiert. Die meiste Zeit leben sie segregiert, in Häusern ohne jeglichen Komfort am Rande von Siedlungen.

Wenn das Virus in diese geschlossenen Gemeinschaften eindringen würde, hätte dies schwerwiegende Folgen. Es ist bekannt, dass COVID-19 insbesondere für Menschen mit einem schwachen Immunsystem lebensbedrohlich sein kann. Nun ist der allgemeine Gesundheitszustand der in Segregation lebenden Menschen sogar noch schlechter als der ungarische Durchschnitt. Noch dazu kann die Corona-Krise potenziell Hass gegen Roma-Gemeinschaften schüren. Und wir können es nicht erlauben, dass Menschenrechte unter dem Vorwand des Coronavirus eingeschränkt werden, wie es dafür in Bulgarien bereits Beispiele gibt.“

 

Roma-Mission in der Reformierten Kirche in Ungarn

Die Reformierte Kirche in Ungarn hat durch ihre landesweite Roma-Mission in den letzten zwei Monaten gezielt Roma Gemeinschaften unterstützt. Die Hilfe richtet sich besonders an Familien und Gemeinden in ländlichen Gegenden, wo Roma oft in Segregation leben. In Zusammenarbeit mit dem reformierten Hilfswerk wurden unter anderem auch Medikamente und Desinfektionsmittel verteilt, Zugang zum digitalen Lernen und Nachschulhilfe geleistet. Die Roma-Mission legt großen Wert auf die Unterstützung des Glaubens- und Gemeinschaftslebens der Roma-Gemeinschaften.

Die Unterstützung der Roma-Missionsarbeit im Projektkatalog 2020 des Gustav-Adolf-Werks ist eine wichtige Hilfe für die Fortsetzung der Arbeit und kann mit Spenden gefördert werden.

 

 

 

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ekir.de / GAW, Foto: Református Zigány Misszió / 29.05.2020



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